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Energie
Biogas: Ein Weg für Deutschland aus der Krise?
Eine von derzeit sieben Biogasanlagen im Landkreis Lichtenfels steht bei Ebensfeld.
Eine von derzeit sieben Biogasanlagen im Landkreis Lichtenfels steht bei Ebensfeld. // Matthias Einwag
Energie
Lichtenfels – Können Biogasanlagen dazu beitragen, Deutschland ein bisschen unabhängiger von ausländischen Energie-Importen zu machen? Zwei Landwirte aus dem Kreis Lichtenfels meinen, das könnte gelingen.

Die steigenden Energiepreise mahnen zum Umdenken. Wie können wir in Deutschland Energiequellen erschließen, die uns unabhängiger machen von Transferleistungen aus dem Ausland? Eine Möglichkeit wäre, Biogasanlagen zu bauen, in denen Landwirte die ungenutzten Pflanzenreste verwerten.

Wirtschaftliches Arbeiten

„Wir haben schon einige solche Anlagen im Landkreis Lichtenfels“, sagt Michael Bienlein, der Kreisobmann des Bauernverbands (BBV). Diese Anlagen seien in einer Zeit entstanden, als der Getreidepreis am Boden war. Dabei sei stets die Diskussion „Teller oder Tank“ zu führen, denn jeder Landwirt müsse wirtschaftlich arbeiten. Somit sei es mehr als legitim, wenn ein Landwirt die Wirtschaftlichkeit mit einbeziehe, wenn er eine solche Anlage plane und baue.

Wie ein Rindermagen

Die kleineren Anlagen bis 100 kW würden in der Regel mit Gülle beschickt, bei größeren würden andere Substrate mit eingebracht, zum Beispiel Mais und Gras, fährt Michael Bienlein fort. „Die Biogasanlage ist nichts anderes als ein Rindermagen, denn nur der kann Grüngut verwerten – und das gleiche macht die Biogasanlage.“

Genügend Straßenbegleitgrün vorhanden

Im Kreis Lichtenfels könnte das Straßenbegleitgrün mit ins Kalkül gezogen werden, sagt der BBV-Kreisobmann. „Wir haben ca. 850 Hektar Flächen an den Straßen und vermutlich das Doppelte an Straßenbegleitgrün“, überschlägt er, so dass wohl eine Fläche von 1200 bis 1500 Hektar verfügbar wäre. Dieser Grünschnitt sollte nicht einfach gemulcht, sondern könnte aufgenommen und in einer Biogasanlage verwertet werden. Der Vorteil: Dadurch würde kein Nitrat abgegeben ins Grundwasser, wie beim Mulchen; der Grünschnitt wäre zudem energetisch nutzbringend.

Nochmal durchrechnen

Im Umweltausschuss des Kreises beantragte Michael Bienlein vor einigen Jahren, es sollte geprüft werden, ob eine Biogasanlage wirtschaftlich arbeiten könnte. Damals rechnete sich das nicht. Mit der jetzigen Energiepreissituation habe sich das jedoch geändert, so dass die Wirtschaftlichkeit durchaus noch einmal überdacht werden sollte.

Dünger ist derzeit schwer zu bekommen

Ein weiterer Punkt, der für Biogasanlagen spreche, sei die Düngererzeugung. Dünger sei derzeit sehr knapp und somit teuer. Michael Bienlein: „Wenn wir Getreide für uns nutzbar machen wollen, brauchen wir bestimmte Qualitäten – somit auch den Dünger, das Nahrungsmittel für die Pflanzen.“ Die Landwirt seien momentan in der misslichen Lage, Dünger nur noch unter Schwierigkeiten zu bekommen. Umso wichtiger wäre es, Dünger zu generieren aus der Tierhaltung oder aus Biogasanlagen, sagt er.

Methangas in Netz einspeisen

Zusammenfassend sagt Bienlein: „Wir dürfen die für den menschlichen Verzehr nicht geeigneten Pflanzenteile nicht einfach wegwerfen, sondern sollten sie über den Tiermagen verwertbar machen – oder sie zur Energieerzeugung nutzen in Biogasanlagen, das sind die zwei Schienen, die wir haben.“ Größere Anlagen könnten das gewonnene Methangas sogar ins Netz einspeisen. „Das ist wissenschaftbasiert, nicht nur emotional, das ist mir ganz wichtig.“

Rahmenbedingungen müssen passen

Jene Landwirte, die das Potenzial für Biogasanlagen sahen, bauten bereits welche“, sagt er. Wenn die Energiepolitik so weitergehe, seien sicher noch andere bereit, das auch zu tun. „Die politischen Rahmenbedingungen müssen passen – bei Biogasanlagen, aber auch bei Agri-Photovoltaikanlagen“, also solchen auf langen Holmen, so dass Tiere darunter geweidet werden können.

Können auch kleiner Anlagen wirtschaftlich sein?

Die Rahmenbedingungen bei der Photovoltaik seien derzeit so, dass nur größere Anlagen wirtschaftlich arbeiten. „Aber es müssen sich auch kleinere Anlagen rechnen, ab ein bis zwei Hektar, da wäre viel Potenzial vorhanden“, sagt Michael Bienlein. Der Vorteil: „Wenn sich kleine Anlagen rechnen, bleiben sie in der Hand des Betreibers, nicht im Eigentum von Konzernen, die Geld machen wollen und in einigen Jahren verschwunden sind.“

Stromeinspeisung in Netz

Ein Landwirt, der die die Gülle seines landwirtschaftlichen Betriebs nutzt und pflanzliche Produkte in einem Blockheizkraftwerk verwertet, um Strom daraus zu gewinnen, ist Harald Schilling in Obristfeld. Er gewinnt den Strom über Mais, Gras und Gülle. Er arbeitet mit den Stadtwerken Würzburg zusammen und speist den erzeugten Strom ins Netz ein. „Wir arbeiten mit eigenen Wiesen – und wir haben auch Rinder und Schweine“, sagt er. Man könne nämlich nicht unbegrenzt Grünschnitt verwenden, man brauche auch zu einem Drittel Mais und zu einem Drittel Gülle, um eine Biogasanlage zu betreiben.

Abwärme wird zur Nahwärme

Sieben Häuser in Obristfeld mit insgesamt 14 Wohneinheiten versorgt Harald Schilling mit der Abwärme des Motors der Anlage. Diese Wärme werde gesammelt, komme in den Wärmetauscher und werde als Warmwasser in die Häuser geleitet. Ein Nahwärmenetz aufzubauen sei sehr teuer, denn die Infrastruktur müssen in der erde verlegt werden, sagt Schilling.

Leider hohe bürokratische Auflagen

Als er seine Biogasanlage 2005 baute, sei sie die zweite im Kreis Lichtenfels gewesen. Damals kostete das wesentlich weniger als heute. Problematisch, so Schilling, seien die hohen bürokratischen Auflagen, denn Biogasanlagen seien bis vor einiger Zeit politisch nicht mehr gewollt gewesen.

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