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Medizinischer Faktencheck
Experte räumt mit Mythen über Zecken auf
Fast ganz Bayern wird vom Robert-Koch-Institut als FSME-Risikogebiet ausgewiesen, darunter auch Franken. Deshalb gibt es rund um das kleine Tier einiges zu beachten.
Fast ganz Bayern wird vom Robert-Koch-Institut als FSME-Risikogebiet ausgewiesen, darunter auch Franken. Deshalb gibt es rund um das kleine Tier einiges zu beachten. // Symbolfoto: Patrick Pleul/zb/dpa
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Bad Kissingen – Etliche Behauptungen ranken sich um die kleinen Blutsauger, die aktuell wieder aktiv sind. Der Mediziner Jakub Jezek macht den Faktencheck.

Schönes Wetter lockt auch die Zecken nach draußen, schreiben die Verantwortlichen des Helios St.-Elisabeth-Krankenhauses Bad Kissingen in einer Presseinformation. Noch immer kursieren viele Gerüchte rund um den kleinen Blutsauger. Jakub Jezek, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus, räumt mit Mythen auf.

Jakub Jezek ist Chefarzt der  zentralen Notaufnahme am Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen
Jakub Jezek ist Chefarzt der zentralen Notaufnahme am Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen // Foto: Markus Höppner

1. Zecken beißen

Oftmals redet man vom Zeckenbiss. Aber das ist falsch. „Mit zwei Mundwerkzeugen ritzen Zecken die Haut ihrer Opfer auf und saugen das Blut aus dem verletzten Gewebe“, erklärt Jezek. „Die Tiere beißen also nicht, wie oft angenommen wird, sie stechen.“ Die meisten Menschen bemerken die Verletzung nicht, denn die Zecke betäubt die Stelle mit ihrem Speichel. Dieser enthält Stoffe, die das Blut am Gerinnen hindern und eine Entzündung unterdrücken.

2. Zecken entfernt man mit einer Drehbewegung

„Durch das Herausdrehen wird der Speichelfluss der Zecke angeregt. Die Tiere könnten sich außerdem in die Einstichstelle übergeben und so erst recht Krankheitserreger übertragen. Besser ist es deshalb, die Zecke dicht über der Haut zu packen, möglichst gerade herauszuziehen und vollständig zu entfernen“, rät der Experte. Am besten eignen sich Zeckenpinzetten, -zangen oder Zeckenkarten. Diese bekommt man etwa in der Apotheke. „Wenn man die Anatomie der Zecke beachtet, ergibt gerades Herausziehen Sinn. statt einem Gewinde haben die Mundwerkzeuge der Zecke Widerhaken. Zecken ,schrauben’ sich also nicht in die Haut, sie verankern sich mit Hilfe der Widerhaken“, sagt der Chefarzt. Um diese zu lösen, kann es helfen, die Haut beim Herausziehen mit den Fingern leicht anzuspannen. Anschließend sollte man die Stelle desinfizieren.

3. Bleibt der Kopf stecken, entzündet sich die Einstichstelle

Die Angst, dass der Kopf der Zecke stecken bleibt und Erreger in die Wunde gelangen, ist unbegründet. Zecken haben keinen Kopf. Was gelegentlich stecken bleibt, sind die Mundwerkzeuge. Diese Fremdkörper stößt der Körper ähnlich wie einen Holzsplitter von selbst ab. Erst wenn sich die Stelle entzündet, sich ein roter Ring bildet oder grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen auftreten, sollte man ärztlichen Rat einholen.

4. Zecken übertragen viele Krankheitserreger

Zeckenstiche sind in den meisten Fällen harmlos, aber nicht immer. Über den Speichel können sie Viren, Bakterien und Einzeller übertragen. „Am meisten gefürchtet ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), denn diese durch Viren verursachte Hirnhautentzündung kann unter Umständen tödlich enden“, erklärt Jezek. „Weitaus häufiger ist aber die Lyme-Borreliose, die durch Bakterien hervorgerufen wird.“ 50 weitere Krankheiten sinnbekannt, die durch Zecken übertragen werden können – die meisten von ihnen sehr selten.

5. Nur Zecken in Risikogebieten sind gefährlich

Es kommt darauf an: Die Übertragung einer Borreliose ist überall möglich, FSME tritt insbesondere in Süddeutschland auf – fast ganz Bayern wird vom Robert-Koch-Institut als FSME-Risikogebiet ausgewiesen. „Grundsätzlich gilt: Je länger die Zecke bereits saugt, umso höher ist die Gefahr, dass Krankheitserreger übertragen werden. Hat man eine Zecke entdeckt, sollte man sie deshalb zeitnah entfernen“, rät Jakub Jezek.

Tipps für Schutz vor Zecken

  • Hohes Gras und Pflanzen am Wegesrand meiden, hier halten sich Zecken hauptsächlich auf.
  • Geschlossene Kleidung (mit langen Ärmeln und Hosen) tragen, so erschweren Sie Zecken den direkten Hautkontakt.
  • Helle Kleidung tragen, der dunkle Körper der Zecke ist auf heller Kleidung besser und schneller zu erkennen.
  • Socken über die Hosenbeine ziehen, Zecken kommen auf diese Weise nicht so schnell und einfach unter die Kleidung auf Ihre Haut.
  • Insektenabweisende Mittel nutzen.
  • Suchen Sie nach einem Ausflug Ihren Körper und Ihre Kleidung gründlich nach Zecken ab.
  • Impfschutz prüfen: Eine Impfung gegen FSME ist sinnvoll, wenn Sie für längere Zeit in einem Risikogebiet in der freien Natur unterwegs sind.

 

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