Gefühlte tausendmal schallte ein „Reitsch’wiese Hellau“ durch die Krone, die bei der Prunk- und Jubiläumssitzung der Fidelia zur närrischen Hochburg der großen Kreisstadt Bad Kissingen wurde. In diesem karnevalistischen Stimmungsruf, der vom Moderatoren-Team Talia Schwientek und Björn Schönwiesner immer wieder angeregt und von den Gästen gerne aufgenommen wurde, zeigte sich die Begeisterung über ein fünfstündiges, kurzweiliges Programm, das von den tänzerischen Leistungen aller fünf Garden dominiert wurde.
Mehr Publikumsnähe
Eine „Häutung“ gab es in den letzten Jahren bei der Fidelia Reiterswiesen nicht nur in der Führung des Vereins, sondern auch in der Ausgestaltung der Elferratssitzungen. Zum zweiten Mal lag die Moderation des Abends nicht in den Händen von Präsident Constantin Kleinhenz und der diesjährigen Prinzessin Jennifer II., die üblicherweise – von Elferräten eingerahmt – die Aktionen auf der Bühne angekündigt haben. Diese Funktionen wurden dieses Mal vom Moderatoren Team Talia Schwientek und Björn Schönwiesner übernommen und damit nach vorne an den Bühnenrand verlagert.
Publikumsnähe war das Motto dieser Veränderungen, was sich in Aktionen wie dem Luftballonspiel oder bei Publikumsfragen zeigte. Auch in Bühnentechnik und Dekoration war investiert worden: „Wir sind ein Instagramm-Verein, und da spielt die Optik eine wichtige Rolle“, so Björn Schönwiesner mit humorvollem Unterton.
Die schönsten Bilder des Abends:
Keine Eigenwerbung vor der Wahl
Die „Fünf“ war das Symbol der Session 2025/26 für Talia Schwientek, denn „in der fünften Jahreszeit feiern wir gemeinsam eine 55 Jahre junge Fidelia“. Dass man trotzdem an Traditionen festhielt, bewiesen Prinzessin Jennifer II. mit der Eröffnung des Abends in Reimform und die Grußworte vom Garitzer BTCler Nico Sauer, der zum „Schnapszahl-Jubiläum“ gratulierte. Verzichtet wurde dagegen darauf, dass die Narrenbühne zum Forum für Prominente wurde und das anwesende Stadtoberhaupt Dr. Dirk Vogel und sein Kontrahent André Kiesel humoristische Eigenwerbung für die anstehenden Kommunalwahlen betreiben konnten.
Ansonsten waren politische und kommunale Themen rar gesät – nur Björn Schönwiesner nutzte eine notwendige Umbauphase der Bühne für spitze Anmerkungen – auf eine sanierte Bahnhofstoilette als Grundlage für den Zukunfts-Bahnhof im Umfeld der teuersten Wohnungen Kissingens sowie auf den neuen Kurdirektor, der als Telemedizin-Fachmann nun touristische Impulse setzen soll – „Online-Reha inclusive“.
Überhaupt: Das Moderatoren-Team belebte den Ablauf der Sitzung mit schlagfertigen Anmerkungen, authentischem Auftreten auch bei Versprechern und guten Übergängen.
Die Verjüngung in der Vereinsstruktur spiegelte sich auch in der musikalischen Ausrichtung wider. Die Black Eyed Peas gaben gleich zu Beginn die Richtung vor mit „A good, good night“ – es herrschte Partystimmung mit Musik vom DJ. Das Publikum bewies bei den unzähligen Mitklatsch-Rhythmen seine Mitsingqualitäten.
In diesem Umfeld verwunderte es nicht, dass die Kernkompetenzen der Fidelia in den Mittelpunkt der Prunksitzung gestellt wurden: Die Tanzgruppen zeigten jeweils mit Show- und Gardetanz ihr hohes Niveau und zurecht wurden die verantwortlichen Betreuerinnen namentlich vorgestellt und mit Sessionsorden belohnt.
Erfreuen konnten sich die Gäste an Tanzmariechen Helena Klein, die mit halsbrecherischer Akrobatik über die Bühne wirbelte, sowie an der Minigarde, die als Waldgeister und Elfen den Wald rettete und auch die Michael-Jackson-Zugabe schwungvoll und hochkonzentriert meisterten.
Die Linsenspitzer-Garde sorgte in ihren fantasievollen Kostümen und mit ihrem Showtanz „Alles steht Kopf“ für emotionale Momente und verträumte Bühnenbilder.
Die Blauen Husaren bewiesen mit ihrem Gardetanz, dass sie traditionelle Formationen mit Beine-hoch, Radschlagen und Spagat ebenso beherrschen wie moderne Tanzelemente – was sie bei ihrem fantasievollen Showtanz „Spinnennetz der Phantasie“ zeigten.
Mit Fahnen Zugaben verlangt
Gardetanz in Vollendung präsentierte die Prinzengarde der Fidelia zu einem ABBA-Medley. Beim abschließenden Showtanz standen die zehn Tänzerinnen nicht allein auf der Bühne, denn zum musikalischen Motto „Im Reich der Märchen“ wirbelten rund 35 Figuren aus „Aladin“, „Schneewittchen“, „Cinderella“ und „Die Eiskönigin“ über die überschaubare Bühne. Sie erhielten tosendem Beifall, und nicht nur hier schnellten die „Zugabe-Fahnen“, die auf den Tischen lagen und den Saal des Öfteren in ein Fahnen-Meer verwandelten, in die Höhe.
Für italienische Akzente sorgte das Männerballett mit seiner Einlage „Pizza, Pasta & Amore“, einen pinkfarbenen Farbtupfer präsentierte Marlon Schwientek mit einer Solo-Tanzeinlage.
Eine feste Größe ist Lorenz Schubert, der mit Gitarre und bekannten Musikstücken, die er mit eigenen Texten unterlegt, für gute Laune sorgte und dabei dem Kissinger Nachtleben das Großstadt-Niveau absprach, aber dem „Reitsch’wiesner Stempes“ dörfliche Idylle attestierte.
In seiner Zugabe persiflierte er einem rechtlich abgesicherten „Sagg Dregg“-T-Shirt den Kult-Hit „Fleischereifachverkäuferin“ von Michl Müller. Standing Ovations gab es dafür nicht nur am Tisch der BTC-Mitglieder.
Gäste aus Schweinfurt
Auch Gäste von der Schwarzen Elf Schweinfurt kamen auf die Bühne: Maxim Modlinger skizzierte mit spitzer Zunge ihre App-affine Helicopter-Mama und kritisierte den Überwachungsmodus ihrer Smart-Watch. Helmut Backhaus sorgte als Hausmeister für Durchblick bei der geplanten Wehrdienstverlosung.
Den bürokratischen Amtsschimmel hatte die Fidelia-Showgruppe im Visier. Martin Seufert, Andrea Seufert, Tobias Geipel, Jutta Schönwiesner und Martina Greubel kalauerten sich durch einen beamteten Ruhestand, der schon vor der Pensionierung da ist und pflegten die humorvolle Rivalität zwischen Garitz und Reiterswiesen, beziehungsweise dem BTC und der Fidelia.








































