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Beste Bilder
Erst Lachen, dann Nachdenken
Deutscher Cartoonpreis 2025
Saskia Wagner, Leiterin der Caricatura-Galerie (von links) und Bernd Gieseking, Satiriker, Kabarettist, Buchautor und vielbeschäftigter Moderator bei der Eröffnung der Ausstellung „Beste Bilder – Deutscher Cartoonpreis“ in der Oberen Saline. Klaus Werner // Klaus Werner
Bad Kissingen – Deutscher Cartoonpreis 2025: Die besten Zeichnungen sind im Museum Obere Saline zu sehen

Drei Raben sitzen auf einem Ast und darüber steht der Satz: „Wer hätte gedacht, dass die Vernunft noch vor Erdöl knapp wird.“ – ein sarkastisches Schmunzeln entlockt das skizzierte Statement dem Betrachter, ebenso wie die Cartoons und Karikaturen zu Trump, zur AfD, zum Fachkräftemangel, zur Klimaerwärmung, zur Künstlichen Intelligenz oder zur Wehrfähigkeit. Vierzig ausgezeichnete Werke der „komischen Kunst“ beschäftigen sich mit den Themen des Jahres 2025 und zu sehen sind sie im Museum Obere Saline noch bis zum 15. Januar.

Kurzweilig, tiefgründig

Zum neunten Mal im zehnten Jahr ist die Ausstellung „Beste Bilder – Deutscher Cartoonpreis“ in Bad Kissingen zu sehen, die eine Essenz aus 4000 Cartoons darstellt und in Zeitungen, Zeitschriften oder im Internet veröffentlich worden sind. Begrüßt wurde die Premieren-Gäste von Bürgermeister Anton Schick, der die Ausstellung als „festen Bestandteil des jährlichen Kulturkalenders der Stadt“ bezeichnete. Die feinsinnigen Kunstwerke seien „kurzweilige, aber tiefgründige Erlebnisse, die einem zu Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen“, so Schick.

Der „Deutsche Cartoonpreis“ wird jährlich vom Lappan-Verlag und der Frankfurter Buchmesse ausgelobt und ausgewählte Werke werden in Zusammenarbeit mit der vielfach ausgezeichneten „Caricatura-Galerie für komische Kunst Kassel“ präsentiert, unter anderem auch in Bad Kissingen.

Laudator Bernd Gieseking

So konnte Museumsleiterin Annette Späth mit Saskia Wagner, Leiterin der Caricatura-Galerie als bedeutendes Komik- und Satirezentrum in Deutschland, und dem Kabarettisten Bernd Gieseking zwei Laudatoren begrüßen, die jeweils auf ihre Art eine enge Verbindung zu den „gezeichneten Pointen mit politischen und gesellschaftlichen Bezügen“ haben.

Für Annette Späth haben die Cartoons und Karikaturen nicht nur einen festen Platz im jährlichen Ausstellungsportfolio, sondern passen auch sehr gut in das Konzept des Museums Obere Saline: „Wir möchten durch Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen und Sujets möglichst viele Menschen ansprechen.“ Nicht nur die gezeigten Werke beweisen das Potenzial von Cartoons, „mit einem Thema spielerisch und humorvoll umzugehen, sie bringen den Betrachter zum Lachen und zum Nachdenken“. Als Orte der sozialen Interaktion, der Kommunikation seien Museen für den daraus entstehenden gesellschaftlichen Diskurs prädestiniert, der sich aus den gezeichneten Pointen zu politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ergibt.

Mit wenigen Strichen

Sie lobte die Künstler, die hinter den Werken stehen und mit ihrem Können, „komplexe Themen kunstvoll, mit wenigen Strichen und pointierten Zuspitzungen in den Mittelpunkt stellen“. So beim Leipziger Zeichner Beck, der mit seiner Reduktion der Trumpschen Handelspolitik auf die Kuchentheke ein komplexes Wirtschaftsthema aufgreift und damit erster Preisträger wurde. Gleiches gilt für den Zweitplatzierten Jens Eike Krüger, der mit seinen Bremer Stadtmusikanten aus afrikanischen Wildtieren den Klimawandel aufgreift oder für Piero Masztalerz, der die Bedrohung der Demokratie durch Populismus und rechtsextreme Parteien martialistisch darstellt.

Mit Insider-Wissen zur Vergabe des Deutschen Cartoonpreises punktete Saskia Wagner, die einerseits den Lach- und Schmunzeleffekt der ausgestellten Werke betonte und andererseits die positiven Auswirkungen des Lachens auf den Organismus anhand des Publikumspreises für den Künstler meta bene – siehe das Einstiegs-Beispiel mit den drei schwarzen Vögeln – hervorhob.

Standup-Comedy

Als wortgewandter, schlitzohriger Tausendsassa präsentierte sich Bernd Gieseking. Der Satiriker, Kabarettist, Buchautor und vielbeschäftigte Moderator bot wieder ein breites Spektrum seines hintergründigen Könnens – einerseits humorvolles Standup-Comedy zu den Alltagswelten, andererseits feinsinnige, differenzierte Analysen zu den 40 Cartoons und Karikaturen, die im Nebenraum auf ihre Entdeckung warteten.

Zu einem imaginär-heiteren Spaziergang durch die Ausstellung lud der „Mundhandwerker“ Gieseking die Gäste ein, wobei er seine skurrilen Betrachtungen um seine Wertschätzung für die hohe Kunst des Malens und Zeichnens ergänzte. Sein Lob galt den Botschaften hinter dem Plakativen, galt der reduzierten Darstellung von komplexen Zusammenhängen.

Für Heiterkeit sorgte Gieseking mit seiner Adaption von „Max & Moritz“, deren gereimte Streiche er auf „Trump & Putin“ übertrug und dabei kein Happyend einplante, sowie mit Goethes Ballade „Erlkönigin“ mit Julia Klöckner als Protagonistin. Den Lachern seines Publikums hielt er entgegen: „Komische Kunst ist nicht lachhaft, nicht lächerlich. Komische Kunst ist bedenkenswert.“ Ob dies zutrifft, kann jeder im Museum Obere Saline bis zum 15. Januar selbst beurteilen.

Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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