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Ausstellung in Erlöserkirche
Eva Feichtinger und Jonas Goethe: Alles Graffiti, oder was?
Kunst in der Erlöserkirche
Die Bad Kissinger Künstlerin Eva Feichtinger und ihr Erfurter Kollege Jonas Goethe präsentieren ihr gemeinsames Projekt „25 68 WHAT?“ in der Erlöserkirche. // Sigismund von Dobschütz
Kunst in der Erlöserkirche
Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk (links) und Künstlerin Eva Feichtinger mit zwei Fotos aus der Performance mit Jonas Goethe. // Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen – Eva Feichtinger und Jonas Goethe zeigen n der Erlöserkirche ihr gemeinsames Projekt „25 68 WHAT?“. Mit Sprühdosen hatten beide vorher noch nie gearbeitet. Und wie kam Klarsichtfolie in die Kunstwerke?
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Wie schon in den Vorjahren gibt es in der evangelischen Erlöserkirche auch diesmal wieder parallel zum Musikfestival „Kissinger Sommer“ eine Kunstausstellung zu sehen. Unter dem Motto „25 68 WHAT?“ präsentieren die Bad Kissinger Künstlerin Eva Feichtinger und ihr junger Künstlerkollege Jonas Goethe aus Erfurt ausgewählte Ergebnisse ihres seit Dezember laufenden generationsübergreifenden Kunstprojekts. Im Rahmen der Vernissage am Samstag, 6. Juni 2026, um 17 Uhr wird Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk in ihrer Begrüßung über die Zusammenarbeit der evangelischen Erlöserkirche mit der Kunstwelt sprechen.

Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche wird die Ausstellungseröffnung musikalisch begleiten. „25 68 WHAT?“ kann bis einschließlich 19. Juli 2026  jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 Uhr und 18 Uhr besucht werden.

„Jonas habe ich im vergangenen Sommer als Teilnehmer des 1. Holzbildhauer-Symposiums im Solereservoir kennengelernt“, erzählt Eva Feichtinger im Pressegespräch, wie es zum Kontakt mit dem 25-jährigen Nachwuchskünstler kam. Inzwischen steht Jonas Goethe vor seinem Abschluss an der Bischofsheimer Holzbildhauerschule. Doch ausschließlich als Holzbildhauer sieht er sich keineswegs, beschäftigt er sich doch ebenso mit Malerei und Musik. „Jonas ist ein Multitalent“, bestätigt Feichtinger. „Er vertont seine spirituellen Gedanken in Hip-Hop-Gesang und wird davon eine Kostprobe bei der Vernissage geben.“

Drei Zyklen und eine Premiere

Fasziniert von der Vielseitigkeit ihres jungen Kollegen, „der nach Alter mein Enkel sein könnte“, lud sie ihn zu diesem generationsübergreifenden Kunstprojekt ein. Beide begannen vor sechs Monaten mit dem ersten ihrer aus drei Zyklen bestehenden Zusammenarbeit und wagten damit zugleich eine Premiere für sich selbst. „Weder Jonas noch ich haben jemals mit Graffiti-Spraydosen gearbeitet.“ Feichtinger und Goethe schufen acht großformatige, lebensbunte Graffiti-Malereien auf Leinwand. „Alle Werke entstanden intuitiv, spontan und ohne vorherige Planung.“

Ebenfalls Graffiti-Malereien, jetzt aber kombiniert mit Schrift und Linoldruck, sind die zehn großformatigen Werke auf Kartonpapier – Ergebnisse des zweiten Arbeitszyklus. Basis dieser Bilder sind persönliche Gedanken des 25-Jährigen und ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. Allerdings sind die Schriftzeilen nicht als direkte Mitteilung lesbar, sondern sind – nach Übermalung durch Graffiti und Farbdruck – nur als visuelles und konzeptionelles Material sichtbar. „Meine Zeilen sind eine Liebesbekundung und Botschaft an die Menschen“, erklärt der junge Namensvetter des großen Weimarer Dichters.

„Ich habe darin die in der harten Nachkriegszeit erlittenen Traumata meiner Großeltern und Eltern verarbeitet und sehe es als Verantwortung unserer Generation, daraus zu lernen und unser Leben entsprechend auszurichten.“ Durch die künstlerische Übermalung der Texte verliert die Schrift ihre reine Funktion als Sprache und wird, erklärt Feichtinger, „zum Träger von Atmosphäre, Energie und Bedeutung“.

An Baum gebunden und bemalt

Der dritte Zyklus der Zusammenarbeit war im April eine „experimentelle Performance“ von Eva Feichtinger, an der Jonas Goethe passiv beteiligt war: Die Kissingerin umwickelte ihren jungen Kollegen vollständig mit Klarsichtfolie um einen Baumstamm. Anschließend besprühte sie ihn mit farbiger Graffiti-Malerei.

„Der Mensch wird dabei in eine körperlich fixierte Haltung gezwungen, die jede Handlungsfähigkeit einschränkt. Dabei wirken die V-förmigen Baumstämme fast wie ein natürliches Zwangsgerüst und verbinden organische Form mit funktionaler Härte“, interpretiert Feichtinger ihre Performance.

Bei der anschließenden Bemalung von Körper und Umgebung verwischt die Grenze zwischen Subjekt und Objekt. „Der Mensch wird Teil einer visuellen Ordnung, die sich gleichzeitig als Ritual lesen lässt.“ Die Fixierung des Menschen erinnert an eine Opferhaltung, wobei unklar bleibt, ob er passiv leidet oder Teil eines bewussten Prozesses ist. Die Körperhaltung von Jonas Goethe erinnert an den gekreuzigten Jesus. Die Performance wurde von Fotograf Reinhold Egon Groeger (Würzburg) begleitet. Von den über hundert Fotos werden allerdings nur vier großformatige in der Ausstellung gezeigt.

„Die Herausforderung, Kunst in einem Kirchenraum zu präsentieren, erfordert eine individuelle Herangehensweise“, erklärt Eva Feichtinger das Konzept. „In mehreren Prozessen entstand – spielerisch und frei – ein vielschichtiges Werk und ein innovatives Projekt.“ Jonas Goethe ergänzt, obwohl Künstler verschiedener Generationen, seien beide bedingungslos und ohne jede Erwartungshaltung in der Kunst aufeinander getroffen. „Ich habe mich einfach vom Prozess führen lassen und mir keine Gedanken gemacht, wohin das führen könnte. Ich wusste einfach nur, dass es da ist.“

Die Finissage

Die evangelische Kirchengemeinde hofft nun auf regen Besuch der Ausstellung „25 68 WHAT?“ und auf viele Begegnungen im „KunstRaum Erlöserkirche“. Sie lädt nicht nur bei der Vernissage am 6. Juni 2026 um 17 Uhr zu einem kleinen Empfang, sondern auch bei der  Finissage am 19. Juli 2026, ebenfalls um 17 Uhr.

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