Vor dem Hotel Kaiserhof Victoria am Kurgarten ist der Betrieb am Freitagmittag groß. Die Oldtimer stehen in der Reihe, die Besitzerinnen und Besitzer warten darauf, um 14 Uhr auf die Strecke der Franken Classic zu starten.
Porsche, Ferrari, Mercedes, Volkswagen – alle namhaften Hersteller sind vertreten. Auch für Laien weniger bekannte Marken sind mit ihren Fahrern und (meist) Beifahrerinnen in Bad Kissingen. Der Geruch von Benzin füllt die enge Straße. Die Schaulustigen schreckt das nicht ab, sie zücken Handys und Fotokameras, um die seltenen Autos abzulichten.
Das älteste Auto im Starterfeld
Die Startnummer zwei haben Melanie Weinmann und Basem Khalaf aus Schwäbisch Hall mit ihrem Darraq 12/32 Grand Sports Tourer. „Es ist das älteste Auto, das mitfährt“, berichtet Weinmann. Gebaut wurde der Sportwagen 1924. Fahrer und Beifahrerin sind passend dazu im Look der 1920er-Jahre nach Bad Kissingen gekommen. „Die Kleidung bekommt man bei einem Designer in Berlin“, sagt die Schwäbin.
Das Besondere ihres Darraq? Darauf hat Khalaf sofort eine Antwort: „Das Auto war so gut, dass es in den Jahren 1921 bis 1923 die Garnd Prix gewonnen und die ersten Plätze belegt hat. Große Marken wie Bugatti sind sogar aus den Rennen ausgestiegen, bis sie konkurrenzfähige Autos hatten. Gekauft haben sie das Auto vor fünf Jahren bei einer wohlhabenden Familie in England. „Davor war es mehr als 40 Jahre verschollen“, so Weinmann.
Die Franken Classic 2025 in Bad Kissingen
Die beiden sind zum ersten Mal bei der Franken Classic dabei und finden es besonders schön, „dass viele Vorkrieger“ – also Auto, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden – am Start sind. „Man kann sich über viele Dinge unterhalten“, sagt Weinmann.
Außer bei zwei bis vier Rallyes pro Jahr, die gefahren werden, steht der Oldtimer in der Garage. Weinmann augenzwinkernd: „Zum Einkaufen zu fahren, ist damit etwas kompliziert.“
Aus den USA zur Oldtimer-Rallye
Mark Winkelmann ist Niederländer und lebt in New York. Er ist extra nach Europa gekommen, um mit seiner Partnerin, der Portugiesin Victor Conceicao Evora, im BMW 327 Coupé, Baujahr 1938, mitzufahren. „Das Besondere an dem Auto ist, dass er zwar vor dem Krieg gebaut wurde, aber vom Komfort her mit moderneren Autos mithalten kann“, sagt Winkelmann. Vor etwa 15 Jahren hat er den BMW bei einem Bekannten in Würzburg gekauft. Eigens einschiffen musste er das Auto nicht: „Es steht in Würzburg.“
Bei der Rallye fährt er mit, weil er „diesen schönen Teil Deutschlands auf diesem Weg sehen möchte“.
Würzburger mit großem Bezug zu Bad Kissingen
Kein Unbekannter in Bad Kissingen ist Projektentwickler Niko Rotschedl, der gemeinsam mit Nicole Felser in einem DeTomaso Pantera, Baujahr 1971, von Würzburg angereist ist. Den Sportwagen besitzt er seit rund vier Jahren. „Es ist ein Italiener, der aber US-Technik verbaut hat. Das macht es einfacher, Teile zu bekommen, weil sie viel öfter verbaut wurden“, erklärt er zu dem Auto. Und zu tun gibt es einiges an einem 54 Jahre alten Auto: Mal ist es der Einspritzer, mal etwas anderes. Spaß macht ihm das Auto dennoch, wie er betont.
Erstmals fuhren die beiden im vergangenen Jahr bei der Franken Classic mit. „Es ist eine tolle Veranstaltung und es geht fast schon familiär zu. Ich komme aus der Region und es ist einfach schön, mit den Autos hier zu fahren.“ Sonst unternehmen sie eher private Ausfahrten mit Gleichgesinnten.
Vom Filmstudio zur Franken Classic
Andreas Schwartz und Eberhard Dersch fahren ein besonderes Auto. Es ist ein BMW 501 von 1962, doch Andreas Schwartz verrät, was es so besonders macht: „Es ist aus der Serie Funkstreife Isar 12: Es gab drei Filmautos und das war einer davon. Erster Halter war das Polizeipräsidium München, zweiter die Bavaria Filmstudios und der dritte sind wir, der Polizei-Motorsport-Club Marburg.“ Es war also erst ein Polizei- und dann ein Filmauto.
Zum Verein kam der Wagen vor langer Zeit durch eine Anfrage an das zum Verein gehörende Polizeiauto-Museum. „Ein Landwirt hatte eine Scheune geerbt und darin das Auto sozusagen entdeckt.“ Er habe den Schriftzug „Polizei“ erkannt und sich an das Museum gewandt.
Das Fahrzeug war in einem sehr schlechten Zustand: „Überall war Rost, durch den Getriebetunnel ist ein Baum gewachsen, eigentlich ein Totalschaden.“ Aber als die Mitglieder herausfanden, dass es sich um solch ein besonderes Fahrzeug handelt, nahmen sie es zu sich und restaurierten es über Jahre. Nun ist es eines von 120 Polizeiautos in der Ausstellung.
Der Vorläufer des Jaguar
Alfred und Marina Dalpke aus Bielefeld sind zum dritten Mal bei der Rallye dabei. Sie haben einen SS One Open Tourer aus dem Jahr 1935. „Das ist die Mutter des Jaguar. Die Firma hieß SS Swallow Sidecars, hat dann aber zu Jaguar umfirmiert“, sagt Alfred Dalpke. Neben seinem Alter und dass es „äußerst selten“ ist, ist das Auto für sein Baujahr sehr schnell, es schafft rund 140 Kilometer pro Stunde.
„Meine Frau liebte schon immer die Form dieser Autos. Deswegen haben wir nach Vorkriegsautos geschaut. Nach etwas Überlegen haben wir es gekauft“, berichtet er. Das ist etwa 15 Jahre her. Es sei zwar ordentlich gemacht gewesen, habe aber dennoch viel Zeit in Werkstätten verbracht, um in den jetzt so guten Zustand zu kommen. „Wir kennen die vorherigen Halter alle, wissen sogar, wohin es ausgeliefert wurde“, erzählt der Fahrzeughalter weiter.
Die Liebe zu Oldtimern zeigt sich auch darin, dass dies nicht der einzige im Besitz der Dalpkes ist. „Aber das ist schon unser Liebling.“ Der wurde auch schonmal zu einer rund einwöchigen 1800 Kilometer langen Tour durch Italien und Frankreich ausgeführt – „und hat es mit Bravour bestanden“.
Ein besonderer Leichenwagen
Valentin Meder und Lukas Fischer aus Bad Kissingen starten im Rolls Royce Silver Wraith, Baujahr 1947. Es ist ein Leichenwagen, der schon sehr lange zum Familienbetrieb von Valentin Meder, Bestattungen Meder, gehört. „Wir haben einige Klassiker unter den Leichenwagen in Benutzung, da gehört der dazu.“ Etwa dreimal im Jahr falle die Wahl auf das besondere Auto, das natürlich auch einen kleinen Aufpreis mitbringt.
Beispielsweise nach der Aussegnung, für den Weg zum Krematorium, komme der Wagen zum Einsatz. Selbst sind Valentin Meder und Lukas Fischer zum ersten Mal bei der Rallye dabei. Das große und alte Auto zu fahren, musste daher erst einmal geübt werden.
Weitere Informationen gibt es unter www.franken-classic.com


















































