„Je ne regrette rien“, lautet das Motto des Kissinger Sommers in diesem Jahr. Im Mittelpunkt steht Musik aus Frankreich vom Barock bis in die Gegenwart. Edith Piaf, die mit ihrem berühmten Chanson das Motto beigesteuert hat, kommt dabei mehrfach vor. Wo’s besonders französisch klingt, erklärt Intendant Alexander Steinbeis in 7 Tipps.
1. Zum Einstieg: Die bis heute revolutionäre „Symphonie fantastique“
Am Samstag, 21. Juni, gastiert eines der renommiertesten und modernsten französischen Symphonieorchester um 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal: Das Orchestre Philharmonique de Radio France feiert mit diesem Konzert nach einem Jahrzehnt Abschied von Chefdirigent Mikko Franck. Und zwar mit der Symphonie Fantastique von Hector Berlioz, die 1830 absolut revolutionär war und bis heute unglaublich neu klingt. Was für Substanzen mag Berlioz wohl zu sich genommen haben, als er dieses Meisterwerk komponiert hat? Und mit Vilde Frang im Schumann-Violinkonzert kehrt eine Ausnahmesolistin zum Kissinger Sommer zurück.
2. Überraschend bunt: französischer Barock am Cembalo
Das Konzert mit dem Cembalisten Jean Rondeau am Samstag, 28. Juni, um 15 Uhr im Rossini-Saal ist eine gute Gelegenheit, Vorurteile über die französische Barockmusik zu korrigieren. Die ist nämlich durchaus höchst abwechslungsreich. Rondeau ist ein fantastischer, kompromissloser Musiker. Die Stücke von Rameau, Couperin und dem weniger bekannten Joseph-Nicolas-Pancrace Royer sind wunderbare Programmmusik, etwa mit einem „Marsch der Skythen“. Wer dann noch nicht genug Barock gehört hat, dem sei das französische Barockensemble Les Accents empfohlen, das am Sonntag, 20. Juli, um 15 Uhr im Rossini-Saal Werke von Couperin, Marais, Leclair oder Rameau zum Besten gibt.
3. Wandelkonzert: Aus dem Salon zur großen Orgel in die Kirche
Das Wandelkonzert am Dienstag, 1. Juli, um (19 Uhr im Kurgarten-Café und um 21 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche) präsentiert zwei Extrempole französischer Musik: Im ersten Teil spielt die Pianistin Marie-Ange Nguci Musik aus dem Salon mit Werken von Chopin, Satie, Ravel und Saint-Saëns.
Im zweiten Teil ist Olivier Latry zu Gast, Titular-Organist der Kathedrale Notre Dame de Paris, der bei deren Wiedereröffnung prominent zu erleben war. Er kommt mit einem erlesenen Programm von Bach über Duruflé bis hin zur eigenen Improvisation.
4. Mehr als nur „Carmen“: Was Bizet sonst noch komponiert hat
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit François Leleux am Pult beschert dem Kissinger Sommer am Samstag, 12. Juli, um 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal eine echte Wiederentdeckung: die erste Symphonie von Georges Bizet, entstanden knapp 20 Jahre vor „Carmen“ und „L‘Arlesienne“. Anders als diese Hits, die übrigens am selben Tag beim Symphonic Mob (15 Uhr, Kurgarten) anklingen, ist die Symphonie kaum bekannt. Außerdem steht mit Julie Fuchs, die Mozarts „Exsultate, jubilate“ singen wird, eine ausgezeichnete junge Sopranistin auf der Bühne.
5. Halbszenisches Rezital: Klassiker des Cabaret
Steinbeis‘ persönlicher Liebling im Programm: ein halbszenisches Lied- und Cabaret-Rezital mit der gefeierten jungen Sopranistin Sabine Devieilhe am Sonntag, 13. Juli, um 15 Uhr im Kurtheater trägt den Titel „Smile!“. Unter der Regie von Laurent Pelly überrascht sie mit einer völlig neuen und gewagten Show, begleitet von Violoncello und Klavier, einen Mix aus Kaffeehausmusik und Stücken aus dem Cabaret von Josephine Baker, Edith Piaf, Francis Poulenc oder Erik Satie. Das Kurtheater ist der ideale Ort für das Spektakel.
6. Entdeckung und Genuss: Ein Abend mit französischer Symphonik
Das Orchester Les Siècles (die Jahrhunderte) ist bekannt dafür, alle Werke immer genau im Stile ihrer Zeit zu interpretieren, vom Barock bis ins 20. Jahrhundert. Zu Beginn des letzten Festivalwochenendes kommt das Orchester am Freitag, 18. Juli, im 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal mit einem rein französischen Programm. Das Klavierkonzert von Jules Massenet etwa ist für den Solisten, in diesem Fall Bertrand Chamayou, extrem herausfordernd – fürs Publikum dagegen Entdeckung und reiner Genuss. Außerdem sind mit Ravels „Ma mère l‘oye“ und den „Valses nobles et sentimentales“ zwei zentrale Werke des französischen Impressionismus dabei.
7. Zum Abschluss: Eine letzte Hommage an die Piaf
Zum Abschluss am Sonntag, 20. Juli, um 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal gibt es noch einmal eine opulente Hommage an die Piaf, die dem Festival ja das Motto geschenkt hat: Vladimir Korneev singt ihre Chansons, begleitet vom Münchner Rundfunkorchester, das hier ganz in seinem Element ist. Das Besondere hier: Ein Mann interpretiert Piaf, erzählt ihre Lebensgeschichte und führt durchs Programm.
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