Ein nicht ganz alltäglicher VHS-Kurs wird am Sonntag, 1. Juni 2025, in Bad Kissingen angeboten: „Metal – nur Geschrubb? Einblicke aus der Welt der Klassik“ nennt Dozent Lewin Krumpschmid die Veranstaltung. Der 27-Jährige aus Rieneck (Lkr. Main-Spessart) ist klassisch ausgebildeter Pianist und lebt als hauptberuflicher Musiker inzwischen in Essen. Neben klassischen Konzerten spielt er aber auch in der Metal-Band Soulsplitter.
Wie kommt es zu dieser außergewöhnlichen Verbindung? Hätten die großen, klassischen Komponisten wirklich etwas mit Heavy Metal anfangen können? Und wann wird das „Geschrubb“ endlich Teil des Klassik-Festivals „Kissinger Sommer“? Fragen, die Lewin Krumpschmid im Gespräch mit dieser Redaktion beantwortet hat.
Herr Krumpschmid, Hand aufs Herz: Hätten Mozart oder Beethoven etwas mit Bands wie Manowar, Iron Maiden oder Slayer anfangen können?
Lewin Krumpschmid: Ich würde sagen, dass Beethoven wohl nochmal ein anderer Charakter als Mozart war. Bei Beethoven bin ich mir sogar recht sicher. Wenn man sich seine Musik anschaut, enthält die vieles, was auch Metal-Songs enthalten.
Zum Beispiel?
Krumpschmid: Zum Beispiel wahnsinnig viele Kontraste. Er wechselt ohne Vorwarnung vom Pianissimo ins Fortissimo (sehr leise nach sehr laut, Anm. d. Red.). Auch die Klanggewalt, zum Beispiel in der Hammerklaviersonate oder der Appassionata, ist enorm. Das größte verbindende Element ist für mich aber die Emotion, die in der Musik steckt. Metal ist sehr extrovertiert, Klassik auf ihre eigene Art auch.
Um diese Gemeinsamkeiten wird es dann wohl auch in Ihrem VHS-Kurs gehen. Oder bringen Sie den Leuten bei, wie sie beim Klavierspielen headbangen?
Krumpschmid: Nein (lacht). Natürlich nimmt die Analyse einen großen Raum ein. Wir schauen uns die Besetzung an, also mit welchen Instrumenten gearbeitet wird. Wie ist ein Song aufgebaut? Die Atmosphäre, die Texte, mitunter auch die Akkorde.
Sie selbst sind klassisch ausgebildeter Pianist, spielen aber auch Keyboard in einer Heavy-Metal-Band. Keine ganz alltägliche Doppelrolle, oder?
Krumpschmid: Unter Pianisten ist das tatsächlich nicht sehr verbreitet. Ich kenne zumindest fast niemanden, der einen ähnlichen Weg gegangen ist. Insofern wird man schon manchmal etwas komisch angeschaut am Anfang, letztlich sind die Reaktionen aber fast immer positiv und interessiert. Das Schönste ist für mich, dass man etwas gegen Vorurteile tun kann. In der Welt der Klassik können mit Metal wenige etwas anfangen, für die meisten ist das eher Lärm und Gewalt. Aber Metal hat so viel mehr.
Weitere Informationen: Anmeldungen für den Kurs sind über die Website der Volkshochschule Bad Kissingen möglich. Lewin Krumpschmids Band betreibt auch die „Soulsplitter-Academy“, über die als Erweiterung für den VHS-Kurs persönliches Coaching angeboten wird.
Wie haben Sie von der Klassik zum Metal gefunden?
Krumpschmid: Mein Geschmack ist sicherlich auch durch meine Kindheit geprägt. Ich habe zum Einschlafen zwar kein Heavy Metal gehört, aber Bands wie ZZ Top. Ich war auch schon sehr früh bei ‚Rock am Tunnel‘ in meiner Heimatstadt Rieneck. Ich war schon immer offen für verschiedene Stile und habe beides in mir.
Wäre aus Ihrer Perspektive Metal nicht auch etwas für den Kissinger Sommer? Haben Sie es Herrn Steinbeis schon vorgeschlagen?
Krumpschmid: Es kommt ja immer auf den Rahmen an. Freunde von mir haben ein Barock-Metal-Projekt und waren damit schon beim Bachfest in Leipzig zu Gast. So abwegig ist es also gar nicht. Aber man müsste natürlich ein Format finden, um die klassischen Gäste nicht abzuschrecken (lacht).
Sie haben einmal gesagt, Metal sei auf gewisse Weise komplizierter als Klassik.
Krumpschmid: Das würde ich heute vielleicht nicht mehr so formulieren. Aber mit seiner Komplexität und Bandbreite kann Metal auf jeden Fall mit der Klassik mithalten. Insbesondere die Formen ausgefallener Stile wie dem Progressive Metal, in dem ich mit meiner Band aktiv bin. Da werden so viele Stile zusammengeführt, Metal wird gemischt mit Klassik, mit Filmmusik, mit Jazz. Diese Vielfalt steckt eben auch in der klassischen Musik.
Zum Abschluss: Wenn Sie sich aus Essen auf den Weg nach Bad Kissingen machen, welche Musik läuft dann?
Krumpschmid: Wenn mir etwas gefällt, höre ich das gerne sehr lange. Ob es dann ein Metal-Album oder eine Sonate ist, hängt von der Stimmung ab. Ich denke aber nicht, dass ich mit aggressiver Stimmung nach Bad Kissingen fahren werde (lacht). Ich freue mich, mal wieder in der Nähe der Heimat zu sein.













