Los ging es mit dem gefeierten Gastspiel des Berliner Ensembles. Gleich zweimal war die Musiktheater-Collage „Fremder als der Mond“ rund um Bertolt Brecht zu erleben. Mittendrin: Publikumsliebling Katharine Mehrling, die einmal mehr bewies, warum sie in Bad Kissingen inzwischen fast so etwas wie Kultstatus genießt.
Eine Premiere gab es am Donnerstag mit dem ersten „Quartett der Kritiker“. Drei renommierte Musikkritiker diskutierten mit Festivalintendant Alexander Steinbeis über verschiedene Einspielungen von Brahms’ zweitem Klavierkonzert – jenem Werk also, das später am Abend von Lukas Sternath und den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša gespielt wurde.
Stars, die gestrandet waren
Fast hätte die Gesprächsrunde allerdings ein unerwartetes Opfer der Deutschen Bahn werden können. Kritikerin Yvonne Petitpierre rettete ihre Teilnahme nur durch einen spontanen Taxi-Ritt von Nürnberg nach Bad Kissingen. Kritiker-Urgestein Manuel Brug strandete sogar in Würzburg und musste kurzfristig vom Festivalteam eingesammelt werden.
Nach dem Konzert wurde es poetisch. Bis weit in die Nacht hinein fesselte Waltraud Meier das Publikum mit einer Lesung von Texten Else Lasker-Schülers und Gad Kaynar Kissingers. Wer die große Wagner-Interpretin nur als Sängerin kennt, dürfte überrascht gewesen sein. Das war klug, berührend und von beeindruckender Intensität. Besonders schön: Gad Kaynar Kissinger war eigens aus Israel angereist, um den Abend persönlich mitzuerleben.
Alle Blicke auf einem Termin
Nach den restlos ausverkauften Konzerten mit Kent Nagano und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin sowie Joana Mallwitz und dem Konzerthausorchester Berlin richteten sich dann alle Blicke auf den Sonntag. Wochenlang hatte die Stadt darüber gesprochen. Würde das Wetter halten? Würde die Logistik funktionieren? Würden tatsächlich mehr als 600 Sängerinnen und Sänger aus zwölf Chören gemeinsam mit Sir Simon Rattle und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks den Turnierplatz zum Klingen bringen?
Die Antwort lautet heute: Ja. Und wie. Das Jubiläumskonzert zum 40. Geburtstag des Kissinger Sommers wurde zu einer jener seltenen Sternstunden, bei denen am Ende einfach alles passt. Rattle dirigierte mit sichtbarer Freude, das BRSO spielte hinreißend, die Wucht der Chöre war überwältigend und die Solisten Nikola Hillebrand, Sunnyboy Dladla und John Brancy überzeugten auf ganzer Linie. Dazu ein lauer Sommerabend unter nahezu perfekten Bedingungen vor fast 4.000 Gästen. Glatter hätte ein solches Großprojekt kaum verlaufen können.
Eine lange Gästeliste
Auch die Gästeliste konnte sich sehen lassen. Oberbürgermeister Dirk Vogel und seine Frau Ivonne waren ebenso vor Ort wie zahlreiche Stadträte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Kuratoriumsvorsitzende und Bundesministerin Dorothee Bär brachte zudem gleich zwölf Mitglieder der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag mit nach Bad Kissingen – auch das eine Premiere. An diesem Abend wurde eindrucksvoll sichtbar, welche enorme Leistung das Team des Kissinger Sommers gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk in den vergangenen Monaten erbracht hat.
Ausstrahlung im BR
Wer das Spektakel verpasst hat, bekommt übrigens eine zweite Chance: Am 27. Juli wird das Konzert im BR Fernsehen ausgestrahlt und anschließend in der ARD-Mediathek verfügbar sein.
Ausblick auf den Abschluss
Und nun? Nun wartet zum Abschluss noch einmal ein ganz besonderer Höhepunkt. Cecilia Bartoli ist nach zehnjähriger Pause zurück in Bad Kissingen. Für gleich drei exklusive Konzerte hat die Mezzosopranistin Quartier in der Stadt bezogen und wurde bereits mehrfach gesichtet.
Seit Tagen wird intensiv geprobt. Man könnte sagen: Zum Finale gönnt sich der Kissinger Sommer noch ein kleines Festival im Festival. Oder, um das diesjährige Motto zu bemühen: Mazel Tov! Denn einen schöneren 40. Geburtstag kann man sich kaum wünschen.













