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Kissinger Winterzauber
So unterhaltsam war das Chaos-Konzert vonIgudesmann & Joo
Igudesmann & Joo beim Winterzauber
Igudesmann & Joo im Max-Littman-Saal mit ihrem Programm "Best of — The final nightmare music". // Klaus Werner
Bad Kissingen – Mit künstlerischer Anarchie und einer verrückten Show verabschiedete sich das Duo Igudesmann & Joo nach 20 Jahren vom Publikum in Bad Kissingen. Das machte jeden Klamauk mit.

Ein musikalisches Crossover aus klassischer Musik mit weiteren Stilrichtungen wie Pop, Irish Dance, Rap oder Reggae präsentierte das Duo Igudesmann & Joo im Max-Littmann-Saal mit ihrem Programm „Best of – The final nightmare music“. Dabei stand das musikalische Können der beiden ungleichen Partner weniger im Mittelpunkt als der schräge Humor und die künstlerische Anarchie, womit sie ihre Bühnenshow garnierten und bei den rund 300 Gästen punkten konnten.

Wer sich als Laie bei dem klassisch ausgebildeten Pianisten Hyung-Ki Joo und bei dem nicht weniger qualifizierten Violinisten Aleksey Igudesman auf ein ruhiges Klassik-Konzert mit bekannten Werken von Mozart, Bach, Rachmaninow oder Puccini eingestellt hatte, wurde entweder enttäuscht oder von der Welle der Begeisterung mitgerissen.

Igudesmann & Joo beim Winterzauber
Das Publikum wurde immer wieder einbezogen. // Klaus Werner

Mozart oder James Bond?

Die Stilrichtung des musikalisch-komödiantischen Spektakels wurde bereits in den ersten Minuten deutlich, als ein verbaler Disput über Mozart oder James Bond als Einstieg in das Konzert in einer Mischung aus beidem mündete. Die Lösung war ein „From Mozart with love“, in das die beiden Ausnahmekönner geschickt und variantenreich Melodien der James-Bond-Filme einfließen ließen.  Dass man daraus noch mehr machen konnte, wurde mit „Alla Molto Turca“ bewiesen, denn in Mozart Kompositionen stecken auch orientalische Elemente. 

Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 leiteten den traurigsten Teil des Abends e in, der sich durch die Pop-Zeile „All by myself“ auch dem Klassik-Laien erschloss.

Igudesmann & Joo beim Winterzauber
Igudesmann & Joo beim Winterzauber in Bad Kissingen. // Klaus Werner

Klassik war auch angesagt bei Beethovens Komposition „Für Elise“, die in vielfältigen Varianten während des 90-minütigen Konzerts auftauchte. Mal gefühlvoll im Duett präsentiert, mal von Joo auf dem Klavier, das er in der Manier einer Actionfigur im Karate-Stil malträtierte, mal in einer 20-minütigen, neu entdeckten Version mit Harmonien aus „Piraten der Karibik“, mit irischen Step-Einlagen, mit dem Pink-Panther-Titelsong oder mit rockigen Elementen, die schließlich in einem „I like to Move it, Move it“ der Gäste mündeten.

Ihre komödiantische Ader lebten die beiden mit dem Stück „Bessie“ aus, das im swingenden Rhythmus ein Liebeslied auf die „favourite cow“ war. Dazu erklang die „muhende Violine“, was zu einer Slapstick-„Kuhreographie“  führte, die durch einen muhende Publikumschor unterstützt wurde.

Einmal mehr zeigten sich die Gäste im Littmann-Saal zu jeder Schandtat bereit und regierten sowohl auf die eher absurden Einfälle von Hyung-Ki Joo, wenn er bei Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ sich gähnend unters Klavier legte und dabei noch die reduzierten Takte anstimmte, als auch auf den albernen Streit um den Geigenbogen beim Solo zu „Funk The String“ im Stile von Laurel & Hardy.

Igudesmann & Joo beim Winterzauber
Igudesmann & Joo beim Winterzauber in Bad Kissingen. // Klaus Werner

Humorvolles Musikkabarett zeigte das Duo unter anderem mit dem „Credit card sketch“, bei dem der Steinway-Flügel als Spielekonsole mit einem musikalischen Code aktiviert und mit einem Guthaben gefüttert werden musste, bevor das Werk vollendet werden konnte.

Ein humorvoller Einfall war auch das musikalische Navigationssystem, wobei die Violine bestimmte, welches Stück von welchem Komponisten gespielt wird, wann der Harmoniewechsel „in zwei Takten“ erfolgen soll, dass die Route nach einem „Saitenwechsel“ neu berechnet werden muss und wann erlöste Satz fällt: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“

Inszenierte Gegensätze

Kunterbunt war die Mischung aus musikalischem Können und komödiantischen Klamauk, die Igudesman & Joo in ihrer unterhaltsamen Show abseits der bekannten klassischen Richtungen mit sehr viel Esprit präsentierten. Ihr Auftritt lebte dabei nicht nur von ihrer Perfektion und der Neigung, die Klassik gegen den Strich zu spielen, sondern auch von den inszenierten Gegensätzen auf der Bühne, die sich in ihrem moderierenden Geplänkel ebenso zeigten wie in ihrer gespielten Attitüde als chaotischer Pianist und feinfühliger Violinist.

 Dem Publikum gefiel diese anarchische Variante eines Klassik-Konzerts und im stürmischen Applaus und in den Jubelrufen lag auch ein bisschen Wehmut, denn Igudesmann & Joo verabschieden sich nach 20 Jahren mit diesem Format von der Bühne.

Davor zeigten sie aber in ihrer Zugabe nochmals ihr schräges Können mit „Everyone will survive“, das Klassik mit Genres wie Pop, Rap, House, Indie, Beatboxen oder Reggae auf skurrile Art und Weise kombinierte.

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