Das Künstler(ehe)paar Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen präsentierte im Rossini-Saal ein Programm, das sich auf vielfältige Weise mit den jüdischen Bezügen des Festivalmottos „Mazel Tov“ verband – und machte daraus eine Sternstunde des aufmerksamen, gemeinsamen Musizierens.
Bereits Ludwig van Beethovens Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium Judas Maccabäus eröffneten den Nachmittag mit einer Melodie, die wohl jedem vertraut ist: Aus ihr entstand später das Weihnachtslied „Tochter Zion“. Beethoven nutzt das eingängige Thema jedoch nicht für bloße Virtuosenkunst, sondern entwickelt daraus einen ebenso geistreichen wie abwechslungsreichen musikalischen Dialog. Hecker und Helmchen gestalteten die Variationen mit Eleganz, Spielfreude und feinem Gespür für die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Abschnitte.
Ein deutlicher Kontrast
Einen deutlichen Kontrast bildete die Zweite Sonate für Violoncello und Klavier von Mieczysław Weinberg. Das Werk entstand 1949 in einer Zeit politischer Repression in der Sowjetunion und vereint lyrische Innigkeit mit schroffen Brüchen und einer latenten Unruhe. Die beiden Interpreten verzichteten auf jede Überzeichnung und ließen die emotionale Kraft der Musik aus ihrer inneren Spannung heraus wirken. Gerade in den stilleren Passagen entwickelte die Sonate eine eindringliche Intensität.
Mit Ernest Blochs From Jewish Life rückte anschließend ein Komponist in den Mittelpunkt, dessen Musik tief von der Suche nach einer jüdischen Klangsprache geprägt ist. Die drei Miniaturen entfalten keine folkloristische Farbigkeit, sondern vielmehr eine nach innen gerichtete Ausdruckswelt. Hecker ließ ihr Violoncello hier mit warmem, menschlich wirkendem Ton sprechen, während Helmchen die oft filigranen Klavierstimmen mit großer Sensibilität begleitete.
Außergewöhnliche Vertrautheit
Der Höhepunkt des Nachmittags folgte nach der Pause mit Felix Mendelssohn Bartholdys Zweiter Cellosonate. Das Werk vereint klassische Klarheit mit romantischer Ausdruckskraft und gehört zu den bedeutendsten Kompositionen seiner Gattung. Besonders das berühmte Adagio, in dem rezitativische und choralartige Passagen aufeinandertreffen, geriet zu einem Moment großer Konzentration und Innigkeit. Hier zeigte sich die besondere Qualität dieses Duos: Jeder musikalische Gedanke wurde gemeinsam geformt, jede Nuance schien miteinander abgestimmt, ohne jemals kalkuliert zu wirken.
Überhaupt beeindruckte während des gesamten Konzerts die außergewöhnliche Vertrautheit zwischen den beiden Musikern. Hecker und Helmchen musizieren nicht nebeneinander, sondern miteinander.
Auf kleinste Impulse reagieren
Sie hören einander zu, reagieren auf kleinste Impulse und entwickeln daraus einen gemeinsamen Atem, der selbst komplexe musikalische Verläufe selbstverständlich erscheinen lässt.
Das Publikum im anständig besuchten Rossini-Saal erlebte einen Kammermusiknachmittag von großer Intensität und feiner Ausdruckskraft. Ein Konzert, das nicht auf äußere Effekte setzte, sondern ganz auf die Kraft der Musik vertraute – und gerade deshalb nachhaltig beeindruckte.









