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Kissinger Sommer
Große Namen beim Kissinger Sommer 2023
Die ganze Welt kennt Kent Nagano – der Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin wird gleich drei Konzerte leiten. Eines davon im Kurpark.
Die ganze Welt kennt Kent Nagano – der Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin wird gleich drei Konzerte leiten. Eines davon im Kurpark. // Tobias Hase
Bad Kissingen – Der weltbekannte Dirigent Kent Nagano ist zu Gast und wird das Saale-Zeitungs-Laienorchester im zweiten Symphonic Mob zu Höchstleistungen anspornen.

Bisher wurde das Programm des Kissinger Sommers 2023 ja mehr oder weniger wie eine Geheimsache behandelt. Nur die Mitglieder des Fördervereins erhielten in ihrer Versammlung Ende November einen Flyer, damit sie von ihrem Kartenvorkaufsrecht Gebrauch machen konnten. Aber seit gestern ist Schluss mit der Geheimniskrämerei: Im Rossini-Saal, der zum Aufnahmestudio umfunktioniert war, stellte Intendant Alexander Steinbeis in einer digitalen Präsentation – wie bereits im vergangenen Jahr – das Programm des diesjährigen Festivals vor und lud die Welt zum Kommen ein.

Streifzug durch die Stadt

Natürlich fehlte auch in diesem Jahr zunächst nicht ein kleiner Streifzug durch die Stadt, die mittlerweile in die Reihe der Weltkulturerbestätten eingetreten ist. Oberbürgermeister Dirk Vogel und Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär (CSU, Bundestagsmitglied) begründeten in kurzen Statements ihre Begeisterung für den Kissinger Sommer im Allgemeinen und das neue Programm im Besonderen. Und der per Video zugeschaltete bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, stellte fest, dass in diesem Jahr nicht München die nördlichste Stadt Italiens sei, sondern Bad Kissingen – und er kündigte seinen Besuch an.

Motto:  „La dolce vita“

Mit seiner geografischen Neuverortung hat er recht, denn das Motto des diesjährigen Kissinger Sommers lautet „La dolce vita“, und das zielt eindeutig auf Italien. Wobei, und das räumte auch Alexander Steinbeis ein – die Beziehungen etwas einseitig seien. Zwar sei Italien schon lange das Sehnsuchtsland der Deutschen und besonders ihrer Künstler, aber die Gegenbewegung sei eher schwach. Immerhin: Gioacchino Rossini kam 1856 als Kurgast nach Bad Kissingen, wo er nicht seine Gesundheit, aber seine Komponierlaune wiederfand. Deshalb sollen heuer Brücken gebaut werden. Brückenköpfe sind bereits vorhanden mit der Partnerstadt Massa und der Weltkulturerbe-Schwester Montecatini Terme.

Eröffnung mit italienischer Oper

Und so beginnt und endet das Festival in diesem Sommer auch mit einem deutlichen italienischen Ausrufezeichen: mit einer italienischen Operngala mit dem Orchestra Sinfonica di Milano unter Vincenzo Milletarì und mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit Gianandrea Noseda. Dazwischen kommen langjährige Gäste – zum Teil auch zweimal – wie die Bamberger Symphoniker mit Herbert Blomstedt und Manfred Honeck.

Highlight für Laien-Musiker

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin gibt mit seinem Ehrendirigenten Kent Nagano zwei Konzerte, ebenso die Tschechische Philharmonie mit ihrem Chef Semyon Bychkov. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kommt mit Christian Thielemann (erstmals), das WDR Sinfonieorchester mit Andrew Manze. Ein Wiedersehen gibt es mit Kristjan Järvi und seinem spektakulären Baltic Sea Philharmonic. Andrea Marcon und sein Venice Baroque Orchestra, die Academy of St.-Martin-in-the-Fields und das Münchner Rundfunkorchester unter Ivan Repušic kommen zu Konzerten.

Und alle Laienmusiker und -musikerinnen können sich schon jetzt auf ein absolutes Highlight freuen, ausgerichtet von der Saale-Zeitung: Es wird wieder einen Symphonic Mob geben. Diesmal wird das Leser- und Leserinnenorchester von keinem geringeren als dem weltbekannten Kent Nagano höchstpersönlich dirigiert. Die Veranstaltung, die 2022 erstmals Hunderte in den Kurgarten gezogen hat, findet am 2. Juli statt.

Die Stars 2023

Große Namen finden sich auch dieses Jahr bei den Solisten: Leif Ove Andsnes, Grigory Sokolov, Rafał Blechacz, Khatia Buniatishvili, Lisa Batiashvili, Daniel Müller-Schott, Evgeny Sinaiski, Simon Höfele, Frank Dupree, Ning Feng, Veronika Eberle, Benjamin Appl, Steven Isserlis, das „Quatuor Modigliani“ oder die „Capella de la Torre“ um die Schalmei-Spielerin Katharina Bäuml, Anna Prohaska, Simone Rubino und viele andere. Man kann sich leicht festlesen beim Stöbern in dem Programm und viel entdecken.

Auf eine Zusage haben viele seit langem gewartet: Die Geigerin Anne-Sophie Mutter kommt mit ihren „Mutters Virtuosi“. Die „Kissinger LiederWerkstatt“ setzt mit zwei Konzerten die 2006 begründete Tradition der Gegenüberstellung beliebter Kunstlieder mit Auftragswerken fort. Mitglieder des Rundfunkchors Berlin gestalten ein innovatives Gesprächskonzert und versuchen sich mit Chormusik und Interviews – darunter mit dem Mafia-Spezialisten Sandro Mattioli und der Journalistin Boussa Thiam – an einem realistischen Italienbild zwischen Schönheit und organisiertem Verbrechen.

Literatur und Musik

Die Verbindung von Literatur und Musik ist auch im Festivalprogramm 2023 wieder zu finden. Harald Krassnitzer etwa liest zu Schuberts „Winterreise“ aus Schriften von Teilnehmern der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition der Jahre 1872 bis 1874.

Auch die bewährten anderen Formate werden weitergeführt mit Jazz- und Open-Air-Konzerten und den Prélude-Konzerten, die letztes Jahr auf große Resonanz stießen.

Es wird wieder besondere Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche geben. Und, was sich gewünscht hat, wer letztes Jahr dabei war: den Kissinger Symphonic Mob für alle Musikbegeisterten gemeinsam mit den Mitgliedern des DSO Berlin unter der Leitung von Kent Nagano. Es gibt viel zu entdecken.

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