Winterzauber
Bad Kissingen: Fulminant ins große Finale
Das Symphonieorchester Nationaltheater Prag präsentierte sich unter der eleganten Führung von Dirigent Petr Vronský als musikalische Einheit,
Das Symphonieorchester Nationaltheater Prag präsentierte sich unter der eleganten Führung von Dirigent Petr Vronský als musikalische Einheit,
Klaus Werner
Abschlusskonzert des Kissinger Winterzaubers.
Abschlusskonzert des Kissinger Winterzaubers.
Klaus Werner
Abschlusskonzert des Kissinger Winterzaubers.
Abschlusskonzert des Kissinger Winterzaubers.
Klaus Werner
F-Signet von Klaus Werner Fränkischer Tag
Bad Kissingen – Ein großartiges Finale des Kissinger Winterzaubers erlebten die begeisterten Gäste beim Abschlusskonzert „Fulminant“ im Regentenbau.

Mit Tschaikowskis „Klavierkonzert Nr. 1 B-Moll“ sowie Dvoráks Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“ wurden zwei epische Orchesterstücke präsentiert, die das Symphonieorchester Nationaltheater Prag mit Dirigent Petr Vronský sowie Marek Kozák am Klavier zu virtuosen Meisterleistungen animierte.

Mit dem richtigen Gespür hatten die Verantwortlichen für das „Grand final“ im sehr gut besuchten, aber nicht ausverkauften Max-Littmann-Saal nicht nur die beiden Werke ausgewählt, sondern mit den drei virtuosen Akteuren auch den passenden Klangkörper dafür gefunden.

Dirigent Petr Vronský

Das Symphonieorchester Nationaltheater Prag präsentierte sich unter der eleganten Führung von Dirigent Petr Vronský als musikalische Einheit, die begleitend als auch führend Peter Iljitsch Tschaikowskys Klavierkonzert ausschmückte. Dagegen konnte das fast 50-köpfige Ensemble sein Können in Antonín Dvoráks Sinfonie zur Geltung bringen – sowohl als geschlossener Klangkörper wie auch im Bereich der virtuosen Solopartien.

Alle Fäden in der Hand hielt dabei Dirigent Peter Vronský, der mal mit sparsamen Bewegungen das Orchester anleitete, mal mit vollem Körpereinsatz die dynamische Präsenz aller einforderte, mal mit gezielten Signalen die Violinen, die Flöten, die Oboen oder die Pauke für eine solistische Einspielung aufforderte.

 Marek Kozák am Klavier

Dazu gehörte auch die Kommunikation mit Marek Kozák am Klavier: Ein kurzer Blick, ein Kopfnicken, eine schnelle Handbewegung reichten aus, um fließende Übergänge zu ermöglichen, um Einsätze punktgenau abzustimmen. So in den Klangkörper integriert war es dem mehrfach ausgezeichneten Klaviervirtuosen möglich, einerseits ein ebenbürtiger Partner für das Orchester zu sein und andererseits die von Tschaikowsky prunkvoll komponierten Klaviersätze auf höchstem Niveau zu präsentieren.

Ukrainisches Volkslied

Dank der populären Eingangsmelodie, die Tschaikowsky einem ukrainischen Volkslied entnommen hat, wurde das Publikum sofort in die variantenreiche Klangfülle des russischen Komponisten einbezogen. Als eines der meistgespielten Klavierkonzerte zeigt das Stück eine universelle musikalische Bandbreite – es erfreut mit seinen rhythmischen, sehr volkstümlich und vertraut klingenden Melodien sowohl die Kenner als auch die Laien im Publikum.

Den Akteuren auf der Bühne des Max-Littmann-Saals gelingt es in hervorragender Weise, die Vielschichtigkeit des hinreißenden Werks erlebbar zu machen. Der Wechsel der stimmungsvollen Klangbilder nimmt die aufmerksamen Gäste ebenso gefangen wie die virtuosen Akkordblöcke am Klavier, die dann von Geigen und Celli aufgenommen werden, oder die Klangfülle eines jubilierenden Orchesters.

Enorme Spielfreude

Der effektvolle Schluss des von Tschaikowsky dreisätzig angelegten Klavierkonzerts zeigt nochmals seine hymnische Größe und die dynamische Spielfreude des gesamten Ensembles – der herzliche, der begeisterte Applaus war der wohlverdiente Dank und die Gäste durften sich über zwei Zugaben von Marek Kozák am Klavier freuen.

Nicht weniger stimmungsvoll war der zweite Teil des sehr unterhaltsamen Abends. Antonín Dvoráks 9. Sinfonie ist nicht nur gekennzeichnet durch ein immer wieder auftretendes Grundmotiv, das von Oboe, den Streichern und schließlich fortissimo vom ganzen Orchester aufgegriffen wird, sondern auch durch eine differenzierte Instrumentarisierung des Werkes. Im Symphonieorchester Nationaltheater Prag traf diese dramaturgische Komposition auf ein spielfreudiges Ensemble, das die facetten- und variantenreiche Klangfülle virtuos umsetzte.

„Aus der Neuen Welt“

Der Titel „Aus der Neuen Welt“ spielte nicht nur auf Dvoráks Zeit in Nordamerika an, sondern war ein Synonym für die Integration amerikanischer Folklore und ein Verschmelzen mit böhmischem Kolorit. Petr Vronský und seinem Ensemble gelang es auf herausragende Weise, die Emotionalität dieses großartigen Klanggefüges sehr bildhaft umzusetzen. Mal als musikalisches Zwiegespräch zwischen Streicher und Blechbläser, mal fast bedrohlich-düster, dann wieder heiter-friedlich, mal wie eine Filmmusik, die den Spannungsbogen zwischen einzelnen Szenen präsentiert – und das Ganze endet in einem Finale, mit dem sich ein musikalisches Fenster schließt, ein musikalischer Vorhang fällt.

Die eintretende Stille wirkte danach wie der Vorbote zu einem begeisterten Applaus, der minutenlang den Regentenbau erschüttern lässt und der das Symphonieorchester für eine Zugabe auf die Bühne holt.

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