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Burlesque-Revue 2026
Verführung auf ganz hohem Niveau
Von verführerisch bis akrobatisch: Die Burlesque-Revue beim Kissinger Sommer mit Sheila Wolf und ihrem Ensemble.
Von verführerisch bis akrobatisch: Die Burlesque-Revue beim Kissinger Sommer mit Sheila Wolf und ihrem Ensemble. // Karl Kovacs
Bad Kissingen – Burlesque statt Biederkeit: Sheila Wolf und ihr Ensemble verwandeln das Kurtheater in eine glitzernde Parallelwelt. Rund 500 Zuschauerinnen und Zuschauer machen begeistert mit.
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„Was hätte Markus Söder gemacht, wenn er da gewesen wäre?“, fragt Sheila Wolf irgendwann im voll besetzten Kurtheater. Sie grinst in die Runde. Spätestens in diesem Moment ist klar: Diese Nacht beim Klassik-Festival Kissinger Sommer wird alles, nur nicht brav.

Die Berlinerin Sheila Wolf, alias Wolf Teichert und Ikone der New-Burlesque-Szene, kehrt mit ihrer Vaudeville-Variety-Burlesque-Revue nach Bad Kissingen zurück. Bei der Show am späten Samstagabend erzählt sie schon zu Beginn trocken, dass sie im Hotel Rhönkietz ohne Klimaanlage nächtigt, dafür aber morgens von Bohrlärm auf der Straße geweckt wird. Die erste von zahlreichen Pointen des Abends sitzt.

Wolf und ihr Ensemble zelebrieren die alte französische Unterhaltungskunst des Burlesque als aktuelles, freches Gegenprogramm zur aufgeräumten Wellnesswelt rund um den Kurpark. 

Von Anfang an macht sie klar, dass hier niemand nur zuschauen soll. Alle sollen mitmachen, schreien, jubeln. „Und im Zweifel auch mal dem Nachbarn mit der Zunge im Ohr popeln“, wie sie es mit schelmischem Blick formuliert. Drag, sagt sie, sei Kunst, keine sexuelle Orientierung, und der Saal nickt, lacht, klatscht. Spätestens als sie verkündet, sie werde sich an diesem Abend nicht ausziehen, ist klar: Hier geht es um mehr als Federn und Fummel. Es geht um Haltung und ausgezeichnete Unterhaltung. Der Abend zeigt es immer wieder: Es geht darum, sich möglichst kunstvoll, verführerisch und auch akrobatisch auszuziehen. 

Auf der Bühne entfaltet sich ein mehr als zweistündiger Rausch. Schwertschluckerin Zora van der Blast spielt nicht nur mit Waffen, sondern greift zur Flex und lässt die Funken ihrer metallenen Unterwäsche fliegen. Saleh Yazdani steht im Kopfstand auf dem Schaukelpferd und lässt die Schwerkraft alt aussehen. Dazwischen Peepshow, Sideshow-Nummern und Cabaret. Der Australier Fae Bae legt eine Poledance-Nummer hin, die selbst Sheila Wolf, „ich bin so was von hetero“, auf andere Gedanken kommen lässt. Mama Ulita, Anna Shvedkova, das Duo Rock’n’Rollers, Clea de Velours, Jolie Papillon und die Diamond Dollies beeindrucken ebenso mit ihren Nummern. 

Die Australierin Kiki de Ville führt mit britischem Humor durch den Abend, singt auf, wechselt souverän zwischen Englisch und „bad German“ und nimmt sich genüsslich selbst auf die Schippe. 

Immer wieder werden die Grenzen des Burlesque ausgelotet: verführerische Tänze, starke Gesangseinlagen, Akrobatik auf hohem Niveau und jede Menge nackte Haut. Doch nichts daran wirkt billig oder voyeuristisch, nichts kippt ins Perverse. Es geht um Verführung, Erotik und um Unterhaltung mit Künstlern, die ihr Handwerk bis in die letzte Pose beherrschen.

Zwischendurch schimmert in einem Song wie „A Million Dreams“ die Botschaft durch: „It’s gonna take a million dreams for the world we’re gonna make“. Die Richtung ist klar. Diese Revue erzählt von einer Welt, in der Menschen so sein dürfen, wie sie wollen. Das Publikum ist voll dabei, jubelt, pfeift, schreit, feiert diese Freiheit. Und: Es lässt sich bereitwillig in die Show integrieren, sogar als ein Dildo als Kopfschmuck herhalten soll. 

Androgyn, schrill, skurril. Was im Programmheft versprochen wird, erfüllt das Ensemble an dem Abend, der gegen 1 Uhr nach einem Tanz im Champagnerglas sein tosendes Ende findet.

Und was hätte Markus Söder gemacht, wenn er da gewesen wäre? Wolf gibt selbst die Antwort: „Er hätte wahrscheinlich Security gerufen, wir müssen hier weg!“ Das Kurtheater tobt. 

Ein Wiedersehen 2027? Sheila Wolf hätte nichts dagegen, ebenso wenig die neuen Fans und eingefleischten von Burlesque, die in der ersten Reihe sitzen. 

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