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Kissinger Sommer 2026
Ein Hotspot für die Liebe zur Klezmer-Musik
Klezmer-Duo
Klezmer-Duo: Gilad Harel (links) und Iliya Magalnyk. // Klaus Werner
Bad Kissingen – Wenn Liebe durch den Magen geht, dann war das Kurgarten-Café von Bad Kissingen am Sonntagmorgen ein Hotspot für die Liebe zur Klezmer-Musik.
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Garant hierfür war das Zusammentreffen eines gehaltvollen Frühstückbuffets, das den Magen der rund 200 Gäste füllte, mit dem virtuosen Klezmer-Duo Gilad Harel / Iliya Magalnyk, das mit „Crossing Melodies“ einen begeisternden Einblick in die jüdische Musikkultur Osteuropas erlaubte.

Dicht an dicht saßen die Gäste im historischen Ambiente der Kurgarten-Restauration, um sich mit Kaffee und anderen Getränken, mit Deftigem und Süßem für den kommenden Auftritt zu stärken. Hektisch wurde es dann kurz vor elf Uhr, als die fleißigen Helfer abtrugen und wegräumten – und erst die Ankündigung von Intendant Alexander Steinbeis, dass nach dem Konzert nochmals aufgetischt werde, beruhigte die Gemüter. Stühle wurden gedreht, um eine bessere Sichtposition zur kleinen Bühne zu haben, es wurde nochmals nachgeschenkt – und dann kehrte erwartungsfrohe Ruhe ein, die stimmungsvoll vom Begrüßungsapplaus für die beiden Instrumentalisten unterbrochen wurde.

Sehr unterhaltsam

„Jazz-Breakfast mit Klezmer“ hatte das Programm zum Kissinger Sommer 2026 verkündet und damit alle drei Zutaten für diesen sehr unterhaltsamen Sonntagvormittag genannt, wobei der musikalische Teil aus viel mehr Komponenten bestand. Neben Jazz wurde mit Swing, mit Tango, mit Polka- oder mit Walzer-Rhythmen ein musikalischer Spannungsbogen gezogen, für den die osteuropäisch geprägte Klezmer-Musik die tonale Klammer bildete. Protagonisten für diese außergewöhnliche Mischung waren der israelische Klarinettist Gilad Harel und der aus Moldau (ehemals Bessarabien) stammende Akkordeonmeister Iliya Magalnyk, die anfangs mit wenigen, gefühlvoll-empathischen Tönen das Publikum vereinnahmten und die Gäste über mehr als eine Stunde an ihrem musikalischen Mikrokosmos teilhaben ließen.

Dabei interpretierte das Duo Klezmer nicht als nur jiddische Musik, sondern als traditionelle Folklore aus Osteuropa, die zu allen Anlässen gespielt wurde, sich weiterentwickelte und andere Stilrichtungen integrierte. Dass die beiden ihre Instrumente und darüber hinaus auch die Bass-Klarinette virtuos beherrschten, war keine Überraschung – ebenso wenig wie ihre große Spielfreude, ihre improvisierende Spontanität und ihr harmonisches Miteinander, das für die Verständigung nur Blickkontakt benötigte. Ungarn und Rumänien waren die beiden Länder, denen sie am Anfang musikalisch huldigten und dabei schon die typischen Komponenten dieser Stilrichtung präsentierten: Eine Klarinette, die führend wie die menschliche Stimme war, mal klagend, mal schluchzend und dann wieder fröhlich, ausgelassen und lebenslustig; wogegen das Akkordeon die darunter liegenden Rhythmen beisteuerte, den ruhigeren Part ausfüllte und die Melodie stabilisierte.

Und diese Verteilung zeigte sich auch auf der Bühne, auf der Gilad Harel den aktiven Part übernahm, die vielschichtigen Töne mit schweißtreibender Dynamik seiner Klarinette entlockte. Iliya Magalnyk dagegen strahlte eine Gemütlichkeit aus, die sich aus seinem Können und sicherlich auch aus seiner starken Heimatverbundenheit zu „Bessarabien“ speiste. Diese zeigte sich an einem Klezmer-Stück, das auf Hochzeiten („Doina“)  in seinem Heimatland gespielt wird. Mal war es ein traditionell jüdische Werk, das mit Hilfe von D- und E-Tonlage der Gäste zu einem Gesamterlebnis wurde, mal war es ein Klezmer-Medley, das melancholisch begann, das musikalische Tempo steigerte und einem lebenslustigem, wilden Ende zustrebte – Rhythmen und Takte, die sich im Wippen der Füße bei den Gäste widerspiegelten und letztlich im begeisterten Applaus endeten.

In den acht Klezmer-Stücken und den zwei, mit Herzblut herbeigeklatschten Zugaben offenbarten Harel und Magalnyk ein breites Spektrum an musikalischen Einflüssen, wobei ihre Interpretationen einerseits von ihrem Können lebten und andererseits durch ihre Freude an der Improvisation bereichert wurden.

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