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Kabarettherbst Bad Kissingen
Alkohol als Schmiermittel unserer Hochleistungsgesellschaft
Philipp Weber im Rossinisaal
Philipp Weber im Rossinisaal // 
Bad Kissingen – Philipp Weber präsentierte eine rasante Unterhaltungsshow vor 180 Gästen im Rossinisaal. Themen waren Drogen, Alkohol und Kaffee.

Kräftig eingeschenkt hat der Kabarettist Philipp Weber seinem Publikum zum Auftakt der Bad Kissinger Kabarettherbstes 2025 mit seinem Programm „Durst– Warten auf Merlot“. Dabei war der Kabarettist aus dem Odenwald mal fruchtig-perlend, wenn er mit Sprachwitz und beredter Mimik über ernste Themen kalauerte. Ein anderes Mal war er erdig-gehaltvoll mit seinen Anspielungen zu „Green-Washing“ oder zur Trinkwasserverschwendung – insgesamt ein Abend, der zwar lustig war, aber auch immer wieder nachdenklich machte.

Eine rasante Unterhaltungsshow präsentierte der umtriebige Künstler vor 180 Gästen im Rossini-Saal, wobei es sich um eine Mischung aus Kabarett, Comedy, Slapstick und Wissensshow handelte. Das Publikum war gleichzeitig Teilnehmer und Adressat der genauso satirischen wie wahren Inhalte. Das Wissenschaftliche ist für den 50-jährigen Kabarettisten kein Problem, denn er hat Chemie und Biologie studiert und mehr als 25 Jahre Bühnenerfahrung – er kann also auch die Entwicklung der kabarettistischen Unterhaltung reflektieren.

Wie das berühmte HB-Männchen

Webers humorvolle, einprägsame Auftritte erinnern an das bekannte HB-Männchen. Zumindest wenn er im Stil des Possenreißers über den Aluminium-Verbrauch bei Nespresso-Kapseln, Tchibos fairen Kaffeehandel oder tasmanisches Regenwasser auf bayrischen Getränkekarten fabuliert und bei den Pointen die Sprachdynamik und Lautstärke explosionsartig nach oben gehen. Dabei sind die Augen aufgerissen, die Sehnen am Hals zeigen sich und alles strahlt pure Entrüstung aus, bevor er mit einer Pointe, einem Lächeln dem Gesagten die Schärfe nimmt.

Weber möchte nicht verletzen, nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Er möchte die gesellschaftlichen Entwicklungen und die wirtschaftlichen Verwicklungen verstehen sowie mit diesen Erkenntnissen sein Publikum auf satirisch-ironische Art unterhalten und zum Nachdenken anregen.

Dazu hat er sich das Thema „Durst“ ausgesucht, „denn der Mensch lernt von Beginn an zu trinken, nicht zu essen“, lobte dabei die Muttermilch – weniger den Geschmack, eher die Verpackung – und die bekannteste Drink-Show im TV: „Der Blaue Bock. Im Trinken liege nicht nur eine politische Dimension, denn „Merz ist zu trocken und Söder ist sauer“, sondern auch Umweltaspekte, wenn es um den Kauf einer Nespresso-Kaffeemaschine gehe, durch die mehrere tausend Tonnen Alu-Kapseln im deutschen Hausmüll landen und man sich für den Kaffee-Kilopreis den besten, nachhaltig angebauten Kaffee leisten könnte.

Mit komödiantischem Talent verdeutlichte Weber dann die Zubereitungszeremonie eines Lavazza-Vollautomaten, der mit LEDs die einzelnen Vorbereitungsschritte bis zum aufgeschäumten Latte Macchiato anzeigt – „Zeit genug, um schnell mal einen löslichen Kaffee aufzugießen“, so Webers Fazit.

Bad Kissingen: Manchmal makaber

In der Abteilung makabrer Humor fiel dann seine Anmerkung zum fairen Kaffeeanbau nach europäischen Kriterien und zum unfairen Gegensatz „Feiner Fieser“, bei dem kein Pflücker älter als fünf Jahre war und nicht weniger als zwölf Stunden gearbeitet wurde.

Nicht weniger ironisch widmete sich Weber der Volks-Droge Nummer Eins, dem Alkohol – und das vorwiegend in Form von Wein oder Bier als „altes Hausmittel“ – und damit sei auch schon der Erstkontakt des Nachwuchstrinkers beschrieben. Hier erzählte er aus dem Odenwald, wo der Bierkonsum bei Pilgerfahrten für mindestens drei Marienerscheinung verantwortlich sei, übte Kritik am massenhaften Bierkonsum nach dem Motto „All you can flatrate“ und stellte schließlich fest, dass Alkohol das Schmiermittel unserer Hochleistungsgesellschaft sei.

Vom Glückshormon Dopamin

Dann widmete er sich dem Thema „Trinkwasserresourcen“. „4000 Liter für die Herstellung eines T-Shirts lassen die Wüsten wachsen“, so Weber und die nächsten Migrationswellen werden wegen Wassermangels sein. Geschickt verknüpfte er die einzelnen Themen miteinander und kam vom Alkoholkonsum zur Medikamentenabhängigkeit und von dort zum Drogenkonsum.

„Von allen Möglichkeiten, glücklich zu werden, ist der Konsum von Drogen der einfachste Weg“, so der Naturwissenschaftler Weber, „weil sich die Wirkstoffe am Belohnungszentrum andocken.“ Das Glückshormon Dopamin werde ausgeschüttet, die Welt leuchtet. Doch was heute im Übermaß für Glück sorge, fehle am morgigen Tag und „man ist im gleichen Maß unglücklich“.

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