Eine Woche lang durften drei Schülerinnen und ein Schüler der Bischofsheimer Berufsfachschule für Holzbildhauer auf Einladung von Simone und Raymund Müller in deren zum Eigenheim umgestalteten historischen Solereservoir ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Im Erfahrungsaustausch mit der Bad Kissinger Künstlerin Annette Scheder sollten sie im Laufe dieses 2. Holzbildhauer-Symposiums zum Motto „Quellengeist“ eigene Kunstwerke schaffen. Bei einer Vernissage stellten die jungen Nachwuchskünstler ihre Werke der Öffentlichkeit vor und erläuterten im Pressegespräch ihre Ideen dazu.
Bad Kissingens 2. Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) würdigte die ausgestellten Arbeiten und dankte den Reservoir-Eignern für ihr Engagement zur kulturellen Bereicherung der Kurstadt: „Was Sie hier auf die Beine stellen, ist einfach hochachtenswert.“ Es seien nicht immer nur die großen Events wichtig wie die Offroad-Messe „Abenteuer & Allrad“. Auch „im Stillen und Verborgenen“ gebe es in Bad Kissingen „wirklich tolle Veranstaltungen“ wie dieses Holzbildhauer-Symposium.
Kreativität in der Symposiumswoche
Auch Michael Wimmel, Leiter der Bischofsheimer Holzbildhauerfachschule, die in zwei Jahren ihr 175-jähriges Bestehen feiern wird, lobte die vier Schüler, die für das Symposium ihre Ferien geopfert haben. „Aber ich denke, eigentlich war es kein Opfer“. Im Gegensatz zum Unterricht hätten sich die Nachwuchskünstler in dieser Symposiumswoche künstlerisch frei bewegen und Kreativität zeigen dürfen.
Rhön-Grabfelds neue Landrätin Sonja Rahm (FW), als Musikerin und Sängerin selbst kreativ tätig, ermunterte die jungen Künstler, anderen Jugendlichen ein Vorbild zu geben: „In jedem jungen Menschen steckt doch ein Stück Kreativität, das nur gefunden werden muss.“ Sie dankte den Müllers für ihre Kooperationsbereitschaft und Gastfreundschaft. „Es ist immer schön, wenn wir über den Landkreis-Tellerrand hinausschauen.“ Sie würde gern die geschaffenen Werke im eigenen Landratsamt ausstellen.
In die Schule verliebt
„Lassen Sie uns doch daraus eine Wanderausstellung machen“, nahm Bad Kissingens stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks das Stichwort gern auf. „Aber ab Montag sind die Werke erstmal für eine Weile bei uns zu sehen.“ Sie gratulierte der Stadt Bad Kissingen, mit dem Ehepaar Müller Menschen gefunden zu haben, die sich privat der Kunstförderung widmen. „Wir haben uns in diese Schule einfach verliebt“, begründete Simone Müller die erneute Einladung an die Bischofsheimer zum Holzbildhauer-Symposium. „Wir wollten von Beginn an unser Solereservoir als historisches Baudenkmal unbedingt mit Leben füllen.“
Das brodelnde Heilwasser im Runden Brunnen am Gradierbau hatte Gastgeber Raymund Müller die Idee zum „Quellengeist“ als diesjähriges Arbeitsmotto gegeben: „Immer wenn das Wasser hochbrodelt, hat der im Brunnen sitzende Quellengeist geniest.“ So war es auch Quellengeist „Hatschi“ höchstpersönlich, der die Vernissage-Besucher zur Besichtigung der neuen Kunstwerke einlud. Allerdings galt diese von Reservoir-Eigentümer Müller in der Symposiumswoche selbst geschaffene bunte Skulptur nicht als offizielles Exponat.
Nach der Schule folgt noch eine Lehre
Recht wörtlich hatte sich Milan Balthasar Adams (22) an das vorgegebene Motto gehalten. Sein Quellengeist „Spiritus Fontis“ zeigte sein hölzernes Gesicht auf der Wasseroberfläche einer halb gefüllten Regentonne. Schaute man hinein, blickte er einen direkt an. „Selbst wenn man allein im See badet, fühlt man sich doch oft beobachtet“, interpretierte der junge Erfurter sein „geistreiches“ Werk. Nach Abitur, Freiwilligem Sozialen Jahr (FSJ) und drei Jahren Holzbildhauerschule will er noch eine Schreiner- oder Tischlerlehre machen – „den Beruf zur Sicherheit, aber die Kunst als Berufung“.
Ähnlich sieht auch Felicitas Kienlin (21) ihre Zukunft. Nach 18 Jahren in den USA erst kürzlich in ihr Geburtsland zurückgekehrt, will sie „das Leben entscheiden lassen“. Aber die Kombination von Schreinerhandwerk und Holzbildhauerei sei ein gutes Fundament für ein Leben in den USA. Der von ihr geschaffene Feuersalamander sitzt in der Natur gern an der Quelle, sei aber kaum zu sehen.
Weiter an die Kunstakademie
Louisa-Sophia Perle (24), wie alle anderen ebenfalls Schülerin des ersten Fachschuljahres, sieht im weiblichen Unterleib die Quelle allen Lebens und nennt ihr hölzernes Kunstwerk „Aqua de Vida“. Sie stammt aus der Nähe von Dortmund und will nach Abschluss der Bischofsheimer Schule an einer Kunstakademie studieren. Noch keine Vorstellung über ihren weiteren Lebensweg hat Isabel Polmann (21) aus Augsburg. In jedem Fall würde sie aber gern künstlerisch aktiv bleiben. Ihren Quellengeist hat sie als Frosch identifiziert, der nicht nur im Wasser eines Brunnens sitzt, sondern rückseitig sogar mit ihm verwachsen ist. „Manchmal kann man den Quellengeist gar nicht vom Brunnen seiner Quelle unterscheiden.“













