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Kultur im Solereservoir
Bei der Recherche wird er zum Musketier
Matthias Soeder
Der Bad Kissinger Autor Matthias Soeder bei der Arbeit am zweiten Band. // Franz Ockel
Bad Kissingen – Schriftsteller Matthias Soeder aus Ramsthal spricht bei einer Lesung über seine aufwendigen Nachforschungen zu seinem Roman „Tinte und Schwert“. Und dann hat er auch noch eine Überraschung dabei.
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Nach 35 Jahren als Berufspilot startete Matthias Soeder (64) vor zehn Jahren seine zweite Karriere als Schriftsteller zunächst mit zwei zeitgenössischen Thrillern. Dann wechselte er ins historische Genre und veröffentlichte im Februar nach dreijähriger Vorarbeit mit „Verwandlung“ den ersten Band seiner Trilogie „Tinte und Schwert“ über den Dreißigjährigen Krieg.

Im Rahmen der neuen, vom Bad Kissinger Seniorenbeirat und der Volkshochschule Bad Kissingen-Hammelburg unterstützten Veranstaltungsreihe „Kultur im Reservoir“ wird Soeder am Freitag, 12. Juni 2026, um 19 Uhr im historischen Musoleum  des denkmalgeschützten Solereservoirs  über seine aufwendige Recherchearbeit und die historischen Hintergründe der Romanhandlung sprechen. Literaturkritiker Sigismund von Dobschütz wird dazu passende Auszüge aus dem Roman vorlesen.

Darf man wegen seines Gewissens töten?

Matthias Soeders historischer Thriller handelt von Schuld und Rache und geht im ersten Band „Verwandlung“ der Frage nach, ob man töten darf, wenn das Gewissen es verlangt. Vor genau dieser Frage steht im Herbst des Jahres 1618 der 17-jährige Jacob Wolffen aus dem fiktiven Dorf Bachthal im Würzburger Bistum – eine Umbenennung von Soeders Geburtsort Ramsthal. Dieser regionale Bezug war ihm als Autor wichtig, verbindet er doch die ihm seit Kindheit vertraute Landschaft mit deren realer Geschichte: „Würzburg war damals das geistliche und politische Machtzentrum der Region. Meine eigene Heimat ermöglicht mir einen noch engeren Bezug zur Geschichte und steigert die Authentizität meines Romans. Ich nutze historische Fakten zu Hexenglauben, damaligem Alltag und militärischer Praxis als Fundament der Handlung.“ Wenn auch der Großteil der Handlung im böhmischen Pilsen und vor Budweis spielt, beginnt der Roman auch aus anderem Grund im heimatlichen Franken: „Das Hochstift Würzburg und das Hochstift Bamberg gehörten zu den Epizentren der Hexenverfolgung.“

Soeders Hauptfigur Jacob Wolffen, der als gelehriger und frommer Katholik in Kürze ins Würzburger Priesterseminar aufgenommen werden sollte, ist nach einem mörderischen Überfall einer Söldnerhorde des jungen skrupellosen Grafen Heinrich von Hohenfels der einzige Überlebende seiner Bauernfamilie und wird von den Söldnern nach Böhmen ins Heer des Generals Ernst von Mansfeld (1580 bis 1626) verschleppt.

Ausgerechnet im Dienst dieses protestantischen Feindes muss nun der 17-jährige Priesteranwärter bei der Belagerung von Pilsen unter brutalen Bedingungen als Schanzknecht arbeiten. Unter den Schlägen seiner Aufseher wächst im frommen Katholiken die tiefe Überzeugung, Gott habe ihn als einzigen seiner Familie nicht etwa gerettet, um Priester zu werden und zu beten, sondern um die Mörder seiner Familie zu bestrafen. Bei der Ausführung seiner „von Gott befohlenen“ Rache unterstützt ihn die gleichaltrige und lebenskluge Anna Dillenberger aus Hanau, deren Mutter, eine Hebamme und Heilerin, als vermeintliche Hexe durch den Feuertod auf dem Scheiterhaufen sterben musste.

Bei seinen Recherchen zum Roman hat sich Matthias Soeder nicht allein auf Fachliteratur und Quellenstudium beschränkt. Um jene Zeit möglichst authentisch wiedergeben zu können, wurde er aktives Mitglied im „Kurbairischen Dragonerregiment Johann Wolff“, einem 2012 gegründeten Verein für experimentelle Geschichtsforschung. Seine Mitglieder stellen in ihren Übungen nicht nur das Kampfgeschehen des Dreißigjährigen Krieges nach mit selbstgefertigter Ausrüstung, Waffen und Kleidung, sondern auch Alltags-, Lager- und Gefechtspraxis. „Ich wollte jene Zeit nicht nur theoretisch, sondern auch körperlich erfassen. Als Musketier stehe ich mitten im Dreck, im Pulverdampf, in Kälte und Nässe.“

Sogar kurz vor seiner Vortragsveranstaltung am 12. Juni hält er sich noch für fünf Tage mit seinem Dragonerregiment in Holland auf zu einem Treffen mit 700 anderen Kämpfern, um die Schlacht um die Festung Bourtange (Groningen) des Jahres 1640 nachzustellen. „Nach wie vor stecke ich also tief in meiner Recherche.“ Denn es sollen ja nach dem Auftaktband „Verwandlung“, der seit Februar bei Amazon immer wieder Spitzenplätze in den Kategorien „Historische Thriller“ und „Historische Krimis“ erreicht, noch zwei weitere Bände der Trilogie „Tinte und Schwert“ folgen. Der 500-seitige zweite Band „Verzweiflung“ liegt bereits dem Lektorat vor und wird im Oktober erscheinen.

Die Besucher der Vortragsveranstaltung im Solereservoir dürfen sich auf eine Premiere freuen: Als Erste werden sie einen Text aus diesem noch unveröffentlichten Band zu hören bekommen. Die Veröffentlichung des dritten Bandes „Vergeltung“, an dem Matthias Soeder derzeit noch arbeitet, ist für kommenden Sommer geplant.

Der Termin

Buchvorstellung „Tinte und Schwert“ mit Autor Matthias Soeder (Vortrag) und Literaturkritiker Sigismund von Dobschütz (Lesung) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur im Reservoir“, Freitag, 12. Juni 2026, 19 Uhr, MuSOLEum (nicht barrierefrei) im Solereservoir, Salinenstraße 8, Eintritt: 10 Euro an der Abendkasse; wegen begrenzter Platzzahl wird um vorherige Anmeldung gebeten (Email: raymund.mueller@t-online.de; Telefon: 0163/1635912).

Das Buch

Tinte und Schwert
Das Titelbild des historischen Romans „Tinte und Schwert. Verwandlung“ von Matthias Soeder // FeuerTanz Verlag

Matthias Soeder: „Tinte und Schwert. Verwandlung“, FeuerTanz Verlag, Taschenbuch, 480 Seiten, Preis: 30 Euro, 
ISBN 978-3910619258 

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