Nägel sind meist verborgen und unsichtbar. Doch in den 20 Installationen von Siegfried Riemer (69) werden sie sichtbar und stehen sogar im Mittelpunkt der Betrachtung. Am kommenden Samstag und Sonntag, 18. und 19. April 2026, jeweils von 14 bis 18 Uhr, zeigt der Bad Bockleter Künstler in seiner ersten professionellen Ausstellung im Kunstraum S17 auf dem ehemaligen Georgi-Gelände (Salinenstraße 17) seine ungewöhnlichen Werke aus historischen, noch handgezogenen Nägeln unterschiedlicher Größe und Form. Der Eintritt ist frei.
„Ein Nagel hat eine überwiegend dunkle Biografie. Er ist hinter einem Bild in die Wand geschlagen oder verbindet Balken und hält somit Bauwerke zusammen. In den meisten Fällen ist der Nagel aber nicht zu sehen.“ Seit einigen Jahren holt Siegfried Riemer solche alten, verrosteten, ungeachteten und anscheinend nicht mehr brauchbaren Nägel „von der Schattenseite auf die Sonnenseite“, gibt ihnen in seinen Installationen eine zweite Chance und präsentiert sie in all ihrer Unterschiedlichkeit „zur respektvollen Beachtung“.
Die Anfänge auf einem Flohmarkt
Alles begann vor Jahren auf einem Flohmarkt in Münnerstadt. Dort entdeckte der pensionierte Diplom-Handelslehrer aus Hamburg, der auf beruflichem Umweg über Nürnberg (1997) schließlich im Jahr 2004 in Bad Bocklet sesshaft wurde, eine Schachtel mit handgezogenen, inzwischen verrosteten und teilweise krummen Nägeln aus alter Zeit. „Sie hatten ihre Arbeit getan, zeigten aber ihre eigene Persönlichkeit“, war Riemer begeistert. „Daraus musste ich einfach etwas machen.“
Die Begeisterung an künstlerischer Arbeit verdankt er dem Lehrer seines Kunst-Leistungskurses am Hamburger Gymnasium. Allerdings hatte sich Riemer danach auf Fotografie und Acrylmalerei beschränkt. Die Arbeit mit Nägeln war für ihn etwas völlig Neues. „Seine Installationen sind wirklich etwas Besonderes“, freut sich die Bad Kissinger Malerin Eva Feichtinger, die ihrem Bockleter Künstlerkollegen die Räume ihres Kunstraums S17, einer Veranstaltungsstätte für Kunst, Diskussion und Begegnungen, gern zur Präsentation seiner Werke zur Verfügung stellt. „Sie sind authentisch und originell und stecken voller Geschichten. Was man in der Ausstellung sieht, ist typisch für Sigi.“
Installationen teils in sich beweglich
Zu sehen sind 20 teils statische, teils in sich bewegliche Installationen in Größen zwischen 30 Zentimetern bis zu einem Meter. Mal hatte Riemer zuerst die Idee und suchte sich die passenden Nägel, die er sich auf Flohmärkten oder Internet-Foren beschafft, mal gibt aber auch der Nagel die Idee vor – wie beim „Nagelbett“, bei dem ein riesiger Nagel in fast menschlicher Schlafhaltung in steinernem Bett liegt. Mal hat eine Installation eine politisch kritische Aussage wie seine Werke „Demokratie“ oder „Freiheit“, ein anderes Mal einen ernsten, autobiografischen Hintergrund wie die schlicht wirkende Installation „Sorgerechtsstreit“, bei der zwei große Nägel und dazwischen ein kleinerer scheinbar willkürlich nebeneinander stehen, und doch der kleine Nagel dem größten näher ist als dem anderen. Diese historischen Nägel hielten einst die Bahngleise auf dem auf die Insel Sylt führenden Hindenburgdamm, wo Familie Riemer von Hamburg aus immer gern Urlaub gemacht hatte.
Nicht alles ist ernst gemeint
Doch nicht alles ist ernst gemeint und zeigt schon in der Doppeldeutigkeit mancher Werktitel wie beim „Nagel-Etui“ Riemers fröhliches Augenzwinkern. Dies ist auch bei seiner in sich beweglichen Installation „Alles dreht sich um Nägel“ erkennbar, die auf ihre überraschende Art als reale Umsetzung seines Arbeitsmottos wirkt. Denn beim Künstler Siegfried Riemer dreht sich inzwischen wirklich fast alles um Nägel. In seinen „Nagelproben“ spielen Nägel jedenfalls die Hauptrolle – egal ob allein oder im Verbund mit Stein, Acrylmalerei oder anderem Material. Sie sollen in Riemers Werken nicht nur beachtet, sondern geachtet werden. Sie sollen auch mal belacht werden oder zum Nachdenken verleiten.












