Das Orchester harmonierte so perfekt, als würde es schon immer zusammenspielen. Dabei hatten die Musikerinnen und Musiker nur eine Stunde gemeinsam geprobt. Noch erstaunlicher: Unter den mehr als 500 Orchestermitgliedern waren nur rund 70 Profis des Münchner Rundfunksorchesters, die restlichen 450 waren Laien.
Zum fünften Mal fand der Symphonic Mob im Rahmen des Kissinger Sommers statt. Die Hobbymusiker – vom Grundschüler bis zum Senioren – fanden sich am Samstagmittag, 20. Juni, bei stechender Hitze zur Generalprobe im Kurgarten ein. Unter sie mischten sich die Profis. Und weil alle Musiker dieselben pinkfarbenen T-Shirts trugen, unterschieden sich Laien und Profis immerhin nicht optisch.
Das sind die besten Bilder des Symphonic Mobs:
„Im Mittelpunkt steht, dass alle Musiker gleich sind“, sagte Kissinger Sommer-Intendant Alexander Steinbeis. Die Besetzung entsprach überwiegend der eines Sinfonieorchesters. Unter anderem waren Streicher (Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass), Holzbläser (Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott), Blechbläser (Trompete, Horn, Posaune, Tuba), Harfenisten, Schlagwerker und Sänger vertreten. Andere Musiker spielten Instrumente, die nicht traditionell zur Philharmonie gehören, wie Saxofon und Gitarre.
Schon bei der Probe zeigte sich: Das klang richtig gut. „Mit den Profis gibt es eine Basis. Und: Wenn sich die Laien nicht sicher fühlen, können sie vereinfachte anstelle der originalen Noten spielen“, sagte Steinbeis. Die Hobbymusiker konnten sich für den Symphonic Mob online anmelden – und sich so auch die Noten für ihr Instrument herunterladen.
Das Programm war vielseitig und anspruchsvoll. Das Orchester spielte den spielerischen Slawischen Tanz op. 46 Nr. 1 C-Dur von Antonín Dvořák, den lebhaften „Juba Dance“ aus der Symphonie Nr. 1 e-Moll von Florence Price, das emotionale „Halleluja“ aus dem Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel und den imposanten Ersten Marsch aus „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar.
Bei der Probe gab Mihhail Gerts, Dirigent des Münchner Rundfunksorchesters, den Musikern immer wieder Tipps, was sie verbessern können. „Schaut die letzten Akkorde in meine Richtung, damit wir den letzten Takt gemeinsam spielen“, sagte er zum Beispiel. Oder: „Ich habe eine Bitte an die Schlagzeuger: Könnt ihr ab dem neunten Takt lauter spielen?“
Mihhail Gerts wirkte dabei nie ungeduldig oder überheblich – im Gegenteil. Er schien sichtlich Spaß zu haben und lobte immer wieder das Orchester: „Wir haben die Gesetze der Physik gebrochen. Es ist unmöglich, auf dieser Entfernung zusammenzuspielen. Uns ist es aber gelungen.“
Der Dirigent gab sich nach dem Üben zufrieden: „Bei den Proben zeigt das Orchester nie seine Hochleistungen. Deswegen bin ich sehr gespannt, welche positiven Überraschungen das Konzert birgt.“ Auch für ihn ist der Symphonic Mob nicht alltäglich. „Mit meinem Orchester kann ich viel mehr ins Detail gehen. Auch die Akustik ist Open Air eine ganz andere als im Konzertsaal“, sagte er. „Bei einer so wunderschön großen Anzahl an Musikern müssen wir darauf achten, dass wir mit gleichem Herzschlag und gemeinsamer Stimme spielen.“
Auch die Hobbymusiker waren nach der Probe beschwingt. „Der Dirigent ist gut drauf“, kommentierte Klarinettistin Susanne Zimmer. Der Bassposaunist Carlo Schmitt sagte: „Ich konnte mich schon mit anderen Musikern austauschen.“
Schließlich war es so weit: Nach einer kurzen Anmoderation von Alexander Steinbeis und Susanne Will stimmte das bunte Orchester zum slawischen Tanz ein. Mihhail Gerts schien recht zu behalten: Der Symphonic Mob trat noch besser auf als bei der Probe. Dem Dirigenten gefiel es so sehr, dass er seine Musiker die Stücke von Dvořák und Elgar ein zweites Mal spielen ließ.
Das Publikum zeigte sich begeistert. „Ich fand es wunderschön. Es war sehr harmonisch und jedes Instrument klang gut“, sagte Michael Winddecker, der seiner Tochter an der Oboe und seinem Enkel an der Tuba zuschaute. Die sächsische Touristin Katherina Frömel sagte: „Das Zusammenspiel war fantastisch.“
















