Statt offener Flaniermeile entstand am Freitag im geschlossenen Raum im Klaushof eine Atmosphäre der Nähe und Konzentration. Rund 40 Gäste fanden sich an fest zugewiesenen Tischen ein. Die Gastgeber Jan Kirchhof und Michaela Albert-Kirchhof sorgten gemeinsam mit ihrem Team für einen präzisen, aber nie aufdringlichen Ablauf.
Gespräche statt Flanieren
Der Wechsel ins Innere führte zu einer neuen Form des Austauschs: Im Mittelpunkt standen Gespräche zwischen Gästen unterschiedlicher Herkunft – vom Ärzteehepaar über den Steuerberater bis zur pensionierten Beamtin und dem Feinkosthändler. Die Vielfalt der Berufe spiegelte sich auch in den Themen wider.
Kulinarischer Spannungsbogen
Die Menüfolge war bewusst komponiert und baute einen Spannungsbogen über den Abend hinweg auf. Auftakt bildeten aufgeschlagene Butter und frisch gebackenes Sylter Brot. Es folgten Kalbstafelspitz mit Spargel, ein Chicken-Stock-Strudel, Gamba mit Peperonata, Emmer und Pappardelle, Saibling auf Kartoffelrisotto mit Pesto sowie als Hauptgang Rehrücken mit Foie gras, Sellerie, Rhabarber und Walnuss. Den Abschluss bildete eine gebackene Hollerblüte mit Erdbeeren und Vanilleeis.
Die Gerichte setzten auf eine reduzierte, klare Aromensprache. Jeder Gang stand in funktionalem Zusammenhang mit dem nächsten.
Musik als Begleitung, nicht als Show
Für die musikalische Struktur sorgte das Duo King Green Band aus Wildflecken, das sich dezent im Raum bewegte. Statt Bühnenpräsenz stand die atmosphärische Untermalung im Vordergrund. Die Musik blieb zurückhaltend und ließ Raum für Gespräche und kulinarische Wahrnehmung.
Offener Ausklang
Die Taste Night begann pünktlich um 18 Uhr. Im Laufe des Abends wich die formale Struktur zunehmend einem offenen Gesprächsklima. Einen offiziellen Schlusspunkt gab es nicht – der Übergang zwischen Ende der Speisenfolge und individuellem Aufbruch verlief fließend.
Wirkung der räumlichen Begrenzung
Die Entscheidung, die Veranstaltung ins Innere zu verlegen, erwies sich als Gewinn für die Dichte der Wahrnehmung. Die Begrenzung auf Innenräume intensivierte den Kontakt unter den Gästen. Der Fokus verlagerte sich von Bewegung zu Kommunikation. Die Taste Night zeigte exemplarisch, dass räumliche Einschränkungen – bei entsprechender Konzeption – positive Wirkung entfalten können.
Stimmen zum Abend
Die Gäste beschrieben den Abend als „stimmig und wohltuend“. Das bewusste Tempo und die Qualität der Gespräche wurden vielfach hervorgehoben. Veranstalter Jan Kirchhof zog ein positives Fazit: „Wir wollten einen Abend gestalten, der nicht überfordert, sondern verbindet – das ist gelungen.“ Weitere Veranstaltungen dieser Art sind bereits in Planung: „Das Format hat für uns Zukunft. Wir denken über eine regelmäßige Reihe nach – immer angepasst an Raum, Zeit und Anlass.“
Resümee
Die Taste Night im Forsthaus Klaushof bot eine strukturierte Plattform für kulinarische Erfahrung im Zusammenspiel mit Gespräch und Musik – witterungsbedingt in veränderter, aber nicht verminderter Form. Die Anpassungsfähigkeit des Formats lässt Rückschlüsse auf dessen Übertragbarkeit auf weitere Abende zu.

























