Also; zuerst die gute Nachricht: „Der Bauzaun rund um das ehemalige Steigenberger-Gelände wird ausgetauscht und aufgehübscht.“ Das ist doch eine Nachricht, die einem schon das Frühstück versüßen kann! Denn das war ja längst überfällig nach zehn Jahren.
Und jetzt die schlechte Nachricht: „Der Bauzaun rund um das ehemalige Steigenberger-Gelände wird ausgetauscht und aufgehübscht.“ Das ist eine Nachricht, die einem schon das Frühstück verderben kann.
„Wunde“ bleibt wohl erhalten
Denn das heißt doch nichts anderes, als dass man bei den verantwortlichen Stellen der Staatsverwaltung der Ansicht ist, dass sich auf dem Gelände in den nächsten zehn Jahren auch nichts tut.
Denn andernfalls hätte man sich die Investition sparen können. Die „Wunde Steigenberger“ im Zentrum des Weltkulturerbes Bad Kissingen wird uns wohl noch ein paar Jahre erhalten bleiben.
Sanierung wäre billiger gekommen
Es ist schon ein Trauerspiel über das Versagen von Politik. Man konnte ein gewisses Verständnis dafür haben, dass die Staatsregierung vor 13 Jahren, als die Diskussion über die fällige Sanierung des in die Jahre gekommenen Hotels ihren Höhepunkt erreicht hatte, die Reißleine ziehen und die Immobilie loswerden wollte und den Pachtvertrag mit der Steigenberger-Hotel Group kündigte und dafür viel Geld in die Hand nehmen musste.
Unterm Strich wäre am Ende die Sanierung mit realistischen Kosten für den Brandschutz billiger gekommen als Kündigung und Abriss.
„Mit-hohem-Tempo-auf-der-Stelle-Treten“
Offenbar hatte man in München vergessen, vor Beginn des Projekts einen seriösen Investor zu suchen und auch zu finden, mit dem man vorab verbindlich klären konnte, was nach dem Ausstieg des Freistaats geschehen sollte.
Und offenbar hatte auch niemand an die Kissinger Kurzonensatzung gedacht. Es begann ein „Mit-hohem-Tempo-auf-der-Stelle-Treten“: Ein paar Investoren kamen und gingen wieder. Vielleicht hätte man doch bei der Brandschutzsanierung nicht den künstlich hochgerechneten Preis nennen sollen.
Wenigstens ein Parkplatz
Der Abriss 2013 veränderte zwar die Optik in ver- und zerstörender Weise, trug aber nicht zur Problemlösung bei. Wenn man die entstandene Freifläche wenigstens als Parkplatz mit Zufahrt über die Martin-Luther-Straße nutzen würde.
Dem Kissinger Sommer würde das guttun, und man könnte damit auch ein paar Euro verdienen. Natürlich ist die Anfahrt nicht ganz unproblematisch.
Die Tiefgarage gibt es ja noch: Sie ist voll mit Sandsäcken, die nach dem Wegfall der darüberstehenden Gebäude ein Aufschwimmen verhindern sollen.
Kein Grund zu Optimismus
Gibt es Grund zu Optimismus? Wohl eher nicht, wenn man von einem Sprecher des Münchner Bauministeriums erfährt, dass die „nach wie vor komplexen Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Grundstücks“ geklärt werden.
Oberbürgermeister Dirk Vogel hatte vor einem halben Jahr angekündigt, dass es bis Ende des Jahres eine schlüssige Entscheidung über das Areal geben soll. Ob er davon noch überzeugt ist?
Söder auf die Füße treten
Aber angeblich kommt Markus Söder vor dem 8. Oktober nach Bad Kissingen. Da könnte man ihm vielleicht mal auf die Füße treten und ihn darauf hinweisen, dass da noch eine Rechnung offen ist.
Man fühlt sich ja doch bei diesem ganzen Elend an ein Gedicht von Christian Morgenstern erinnert: „Der Lattenzaun“, mit einer sehr ähnlichen Gefühlslage:
„Es war einmal ein Lattenzaun,/mit Zwischenraum, hindurchzuschaun./Ein Architekt, der dieses sah,/stand eines Abends plötzlich da -/und nahm den Zwischenraum heraus/und baute draus ein großes Haus. Der Zaun indessen stand ganz dumm,/mit Latten ohne was herum./Ein Anblick grässlich und gemein./Drum zog ihn der Senat auch ein. Der Architekt jedoch entfloh/nach Afri- od- Ameriko.“
Im Abwartesaal verschanzt
Der größte Unterschied ist eigentlich: Im Gegensatz zu dem Architekten sind die politisch Verantwortlichen in München nicht nach „Afri- od Ameriko“ geflohen, sondern haben sich im „Abwartesaal“ ihres Hauses verschanzt.
Anders kann man sich den bereits 1,3 Jahrzehnte dauernden Stillstand nicht erklären.
Aber regen wir uns nicht auf! Wir müssen doch jetzt nicht die Geduld verlieren. Im Gegenteil: Wir haben Zeit gewonnen! Wir haben doch jetzt einen neuen Bauzaun.
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