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Lebensmittelmarkt kommt
Neues Leben für brachliegendes Gelände in Bad Kissingen
Das Areal der ehemaligen Gärtnerei  Zaak in Bad Kissingen. Hier soll ein Lebensmittelmarkt entstehen.
Das Areal der ehemaligen Gärtnerei Zaak in Bad Kissingen. Hier soll ein Lebensmittelmarkt entstehen. // Wolfgang Dünnebier
Der Eingang zur ehemaligen Gärtnerei Zaak.
Der Eingang zur ehemaligen Gärtnerei Zaak. // Marion Eckert
Die alten Gewächshäuser der Gärtnerei Zaak haben mittlerweile einen Lost-Place-Charme.
Die alten Gewächshäuser der Gärtnerei Zaak haben mittlerweile einen Lost-Place-Charme. // 
Bad Kissingen – Verwaiste Zaak-Gärtnerei wird zum Lebensmittelmarkt: An der Einmündung von der Oskar-von Miller-Straße in die Würzburger Straße wird eine Ampel nötig. Was geschieht mit der denkmalgeschützten Villa?

Die ehemalige Gärtnerei Zaak in der Oskar-von-Miller-Straße steht seit Jahren verwaist da.  Ihre Gewächshäuser sind überwuchert, zahlreiche Fensterscheiben zerbrochen.

Gleich nebenan zeigt auch die Zaak-Villa Spuren des Verfalls: Der Putz bröckelt, und die Fenster sind von Patina überzogen. Doch dieser traurige Zustand soll bald der Vergangenheit angehören.

Ein Investor plant, an dieser Stelle einen Lebensmittelvollsortimenter zu errichten.  Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Rewe-Markt.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zaak-Gärtnerei soll ein Lebensmittelmarkt gebaut werden.
Auf dem Gelände der ehemaligen Zaak-Gärtnerei soll ein Lebensmittelmarkt gebaut werden. // 

Die Zaak-Villa soll erhalten bleiben

Bereit 2021 präsentierte die Verwaltung Entwürfe zu Überplanung des Areals als „Sondergebiet Vollsortimenter“. Nicht einfach gestaltete sich die Abstimmung des Vorhabens mit den Fachbehörden.  Vor dem Stadtrat präsentierten die Stadtplanerin Miriam Hümpfner und die Leiterin des Bauamtes, Christine Schwind, Einzelheiten.

Demnach ist geplant, die Gebäude der ehemaligen Gärtnerei abzureißen, um Platz für den Lebensmittelmarkt zu schaffen.

An der denkmalgeschützte Zaak-Villa nagt der Zahn der Zeit.
An der denkmalgeschützte Zaak-Villa nagt der Zahn der Zeit. // Marion Eckert

Die denkmalgeschützte Zaak-Villa hingegen soll erhalten bleiben. Eine gewerbliche Nutzung wird vorgesehen, etwa als Büro, Praxis oder kleineres Geschäft. Die genaue Bestimmung ist jedoch noch offen.

Völlig überwuchert sind die alten Gewächshäuser der Gärtnerei Zaak.
Völlig überwuchert sind die alten Gewächshäuser der Gärtnerei Zaak. // 

Aufgrund der zu erwartenden Lärmemissionen durch den Einzelhandel sei eine Nutzung als Wohnhaus ausgeschlossen.

Lärmschutz wird benötigt

Damit das Bauvorhaben umgesetzt werden kann, sind im Vorfeld eine Reihe an baurechtlichen Formalitäten abzuwickeln. So muss der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Dazu wurden bereits eine ganze Reihe an Gutachten eingeholt:

  • Ein Artenschutzgutachten wurde über einen Zeitraum von einem Jahr erstellt.
  • Die Kampfmittelvorerkundung blieb laut Stadtverwaltung unbedenklich.
  • Im Lärmgutachten wurde festgelegt, dass die benachbarten Wohnhäuser durch eine 30 Meter lange Lärmschutzwand vor den Geräuschen des Einzelhandels geschützt werden müssen. Nachts darf der Markt nicht beliefert werden.
  • Das Verträglichkeitsgutachten für den Einzelhandel hat geprüft, ob ein zusätzlicher Lebensmittelmarkt mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt Bad Kissingen vereinbar ist, was positiv beurteilt wurde.

Eine Ampel kommt

Aus dem Verkehrsgutachten ergeben sich wesentliche Änderungen für die Umgebung: Die Zufahrt soll aus verkehrstechnischen Grünen über die Oskar-von-Miller-Straße erfolgen. 

Die Einmündung von der Würzburger Straße (B286) in die Oskar-von Miller-Straße muss umgebaut und mit einer Ampel ausgestattet werden. Zudem wird zur Schlachthofkreuzung hin eine zweite Linksabbiegerspur benötigt. Ansonsten drohe in Stoßzeiten ein Rückstau in der Würzburger Straße bis zum Abzweig Richtung Wertstoffhof, warnte Christine Schwind.

Die Kosten für die Bewältigung des zusätzlichen Verkehrsaufkommens sowie der Planung trage der Investor.

Parkplätze werden nicht überbaut

Das Thema Verkehr führte zu einer ausführlichen Diskussion im Stadtrat. Es gab Zweifel an der Zufahrt über die Oskar-von-Miller-Straße sowie Fragen zur Gebäudehöhe und den Parkmöglichkeiten. Christine Schwind informierte darüber, dass der Vorschlag, die Parkplätze mit dem Gebäude zu überbauen, vom Bauherren abgelehnt wurde.

Sie betonte mehrfach, dass die vorgestellten Lösungen in Absprache mit den Fachbehörden erarbeitet wurden und es keine alternativen Möglichkeiten zur Erschließung gebe.

Appell an das Gremium

Schließlich richtete zweiter Bürgermeister Anton Schick einen Appell an seine Stadtratskolleginnen und -kollegen: „Wir sind nicht das Gremium, das Probleme in der Lösungsfindung der Verwaltung suchen muss, sondern können froh sein, dass sich in Bad Kissingen etwas entwickelt.“  Dinge, die die Stadt- oder Bauverwaltung vortrage, seien geprüft und sollten nicht in „irgendeine Art Fachzweifel“ gezogen werden. 

Heimische Baumarten

Der Bebauungsplan sieht verschiedene Auflagen vor, unter anderem Photovoltaikmodule oder Solarwärmekollektoren. Der Grünordnungsplan regelt auch das Verhältnis zwischen versiegelter Fläche und Fassadenbegrünung.

Immerhin eine Anregung aus den Reihen der Stadtratsmitglieder kommt zum Tragen. Larissa Renninger beantrage für Grüne-BfU-ödp, dass heimische Baumarten anzupflanzen seien.

Wird es Probleme mit dem Verkehr geben?

Allerdings sprach sich die Fraktionsgemeinschaft sowie Florian Keßler (DBK) grundsätzlich gegen das Vorhaben aus, da sie verkehrstechnische Probleme erwarten, auch wenn ein geprüftes Verkehrsgutachten vorliegt.

„Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass es eine gute Lösung wird“, betonte Richard Fix. „Auch sehen wir in der Nahversorgung keine Defizite. Das heißt nicht, dass wir die Entwicklung der Südstadt ablehnen.“  

Vielmehr hatten sie bereits in der Vergangenheit gehofft, dass der Bereich von der Oskar-von-Miller-Straße zur Kläranlage als Gewerbegebiet erschlossen wird, da Bad Kissingen einen Mangel an Gewerbegebieten habe.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) kommentierte: „Bei einer Stadtentwicklung kann man nicht auf Planungen warten, sondern muss Chancen nutzen.“ Ein Investor, der das im Niedergang befindliche Gelände nutzen möchte, sei eine solche Chance und verspreche eine gute Kombination in dem Bereich Bad Kissingens. Trotz sechs Gegenstimmen wurde der Aufstellung des Bebauungsplans sowie der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt.

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