Oksana und Justyna möchten in Deutschland ankommen. Die Sprache lernen, arbeiten gehen, sich hier etwas aufbauen. Deshalb drücken sie in den nächsten Wochen wieder die Schulbank. Gemeinsam mit 16 weiteren Menschen mit den unterschiedlichsten Nationalitäten besuchen sie einen Integrationskurs an der städtischen Volkshochschule, pauken Vokabeln und Grammatik und bekommen Zentrales zur deutschen Kultur, Geschichte und Rechtsordnung vermittelt.
Die 45-jährige Oksana ist vergangenen Sommer vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet und lebt jetzt mit ihren Söhnen in Euerdorf. Sie möchte wieder als Anlagentechnikerin in einer Druckerei arbeiten. „Der Kurs hat mir bisher viel gebracht. Alleine zu Hause ist es viel schwerer, zu lernen“, sagt sie. Der Unterricht sei gut strukturiert und die Unterstützung durch die Lehrkraft wichtig. Das hilft. Warum macht sie den Kurs? „Integration“, antwortet Oksana.
BAMF kürzt Mittel für Integrationskurse: Wen es trifft es?
Die 38 Jahre alte Justyna ist vor etwa einem halben Jahr von Polen nach Deutschland gezogen. Ihr Mann arbeitet schon seit zehn Jahren in der Region, die Mathematiklehrerin kam jetzt mit dem Sohn nach. „Ich möchte weiter pädagogisch arbeiten und dafür gut Deutsch sprechen können“, erzählt sie. Zu Hause mit ihrem Sohn zu lernen, reiche nicht aus. Deshalb hat sie sich für den Integrationskurs angemeldet. Weil die Familie Geld verdient, zahlt sie die 3200 Euro Kosten für den Kurs zur Hälfte selbst.
Oksana und Justyna haben Glück gehabt, noch eine Berechtigung für den Integrationskurs bekommen zu haben, denn: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fährt einen harten Sparkurs und streicht seit Februar die Gelder zusammen. Das BAMF zahlt aktuell nur noch den Menschen die Kurse, die verpflichtet sind, sie zu machen. Für alle, die auf freiwilliger Basis Anspruch haben, gibt es kein Geld und keine Zulassungen mehr.
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Betroffen sind davon vor allem Menschen wie Oksana und Justyna: Personen im laufenden Asylverfahren, erwerbstätige EU-Bürgerinnen und Bürger sowie Geflüchtete aus der Ukraine, die nach dem 1. April 2025 eingereist sind. Für sie heißt es: Die Kurse selbst zahlen oder anderweitig schauen, wie sie Deutsch lernen.
Die Folgen sind nicht nur für die Menschen einschneidend, die einen Kurs besuchen wollen, sondern auch für die Bildungsträger. Unter anderem Volkshochschulen und kommunale Spitzenverbände reagierten deshalb zuletzt mit scharfer Kritik auf die Kürzungen.
VHS Bad Kissingen: 50 Prozent weniger Kursteilnehmer
Den Trägern fallen wegen der Kürzung im Durchschnitt rund 40 Prozent der Teilnehmer weg. Das macht es schwierig, die Kurse kostendeckend anzubieten, erklärt Michael Balk, Leiter der VHS Bad Kissingen-Hammelburg.
Die VHS bietet die Kurse seit 2025 an, zwei Kurse mit 35 Absolventen sind es bislang. Landkreisweit haben 320 Menschen im vergangenen Jahr an 13 Kursen teilgenommen, 42,5 Prozent von ihnen freiwillig. „Wir haben aktuell 50 Prozent weniger Teilnehmer. Langfristig wird die Hälfte aller Kurse wegfallen“, sagt Balk. Träger werden aufhören, Kurse anzubieten, Lehrkräfte sich umorientieren. „Das Paradoxe daran ist, dass dann auch die Menschen, die die Kurse machen müssen, keine mehr machen können“, befürchtet Balk. Der dritte VHS-Kurs in Kissingen ist vor Kurzem gestartet. Ob weitere dazukommen, sei fraglich.
OB Dirk Vogel: Streichen der Integrationskurse „dramatisch“
Bad Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) hält die Entwicklung für einen schweren politischen Fehler. „Die Kurse sind das zentrale integrationspolitische Instrument, das wir aufgebaut haben“, erklärt er. Es müsse aus politischen Gründen behalten und dürfe nicht wegen finanzieller Aspekte abgeschafft werden. „Das wäre dramatisch. Die Menschen werden absehbar und weiterhin sich in Bad Kissingen aufhalten. Eine zeitnahe Abschiebung wird aus vielerlei Gründen nicht erfolgen“, sagt Vogel. Integration verursache dann immense Kosten, wenn sie nicht erfolgreich gelinge.
Es sei deshalb ein werteorientiertes Fördern und Fordern nötig. Der Oberbürgermeister betont: „Was wir benötigen, ist eine klare Botschaft: Wer jetzt hier ist, nicht Deutsch spricht und keine Arbeit hat, muss sich verpflichten, Deutsch zu lernen, damit er hier ankommt. Wenn du dich in die Richtung orientierst, dann brauchen wir dich hier.“ Diejenigen, die nicht mitwirken, seien prioritär abzuschieben, sofern keine humanitären Gründe dagegen sprechen.
Erfolgt vonseiten des Bundes keine Korrektur, wird sich die VHS Bad Kissingen-Hammelburg aus dem Geschäftsfeld zurückziehen. Um das abzuwenden, hat Vogel Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Sabine Dittmar (SPD), beide Abgeordnete für Bad Kissingen im Bundestag, angeschrieben und für Unterstützung geworben.












