Nach mehr als sechs Jahren hört der Satiriker Jan Böhmermann zum Jahresende mit seiner Show „ZDF Magazin Royale“ auf. Das Magazin werde am 18. Dezember nach mehr als 187 Sendungen in der bisherigen Form auslaufen, teilte das ZDF mit. Zu der Entscheidung äußert sich Steffen Hörtler aus Bad Kissingen in einer Pressemeldung.
„Als Mitglied des ZDF-Fernsehrats begrüße ich diese Entscheidung ausdrücklich. Nicht, weil ich etwas gegen politische Satire hätte, im Gegenteil. Sondern weil ich seit Jahren die Frage gestellt habe, ob dieses Format in dieser Form dem besonderen Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gerecht wird“, so Hörtler in seiner schriftlichen Pressemitteilung. „Ich habe meine Kritik deshalb immer wieder deutlich formuliert. Sie ging weit über einzelne Sendungen oder punktuelle Provokationen hinaus.“
Mehrere strukturelle Punkte
Hörtler nennt mehrere strukturelle Punkte, die für ihn wichtig sind. Dazu zählt seiner Ansicht nach die Vermischung von Satire, Meinung und Journalismus: Satire dürfe überzeichnen, provozieren und auch schmerzhaft sein. Aber wenn ein öffentlich-rechtliches Format journalistischen Anspruch erhebt, müsse nachvollziehbar bleiben, wo recherchierte Information endet und persönliche Bewertung beginnt.
„Mein Kritikpunkt war nie, dass politische Positionen kritisiert wurden. Das ist eine zentrale Aufgabe einer freien Medienlandschaft. Problematisch wird es aus meiner Sicht dort, wo politische und gesellschaftliche Themen überwiegend aus einer bestimmten Perspektive betrachtet werden und andere Sichtweisen kaum ernsthaft vorkommen“, so Hörtler.
Wer gesellschaftliche Debatten kommentiere, solle auch mit Positionen umgehen können, die dem eigenen Weltbild widersprechen. Gerade öffentlich-rechtliche Angebote müssten sich daran messen lassen, ob sie Kontroversen fair abbilden oder die eigene Sicht inszenieren. Ein Format des ZDF sei kein privater YouTube-Kanal oder eine kommerzielle Comedyshow. Es werde aus Rundfunkbeiträgen finanziert und stehe unter einem besonderen gesellschaftlichen und publizistischen Anspruch.
„Fair und vollständig“
„ Provokation kann ein Stilmittel sein. Sie darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Wenn die Pointe wichtiger wird als die faire und vollständige Darstellung eines Sachverhalts, stellt sich die Frage nach dem journalistischen Mehrwert“, schreibt Steffen Hörtler in der Pressemeldung.
Wer öffentlich zum Gegenstand satirischer Angriffe gemacht wird, könne sich nicht immer mit denselben Mitteln wehren. „Gerade deshalb halte ich bei öffentlich-rechtlichen Formaten besondere Sorgfalt und Verhältnismäßigkeit für notwendig“, so Hörtler weiter. Ein öffentlich-rechtliches Format dürfe Missstände benennen und Macht kritisieren. Es sollte aber nicht den Eindruck erwecken, selbst zum politischen Akteur werden zu wollen.
„Was mich ebenfalls beschäftigt hat, war die Frage, ob ein Format, das andere mit großer Konsequenz seziert, dieselben Maßstäbe auch auf sich selbst anwendet“, so Hörtler. „Genau deshalb habe ich als Fernsehratsmitglied immer wieder Kritik geübt.“
Anspruch an öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Hörtlers Maßstab ist nach eigenem Bekunden nicht, ob er Jan Böhmermann persönlich sympathisch finde oder ob ihm eine Pointe gefalle. Sein Maßstab sei die Frage, welcher Anspruch an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu stellen sei und ob dieser Anspruch auch dann gelte, wenn ein Format hohe Aufmerksamkeit und große Reichweite erzielt.
„Satire braucht Freiheit. Journalismus braucht Sorgfalt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht beides und zusätzlich die Verpflichtung, seine besondere gesellschaftliche Verantwortung ernst zu nehmen“, schließt Hörtler. In diesem Sinne biete das Ende des Formats im Dezember die Chance für einen programmatischen Neuanfang, der diesen Werten wieder vollumfänglich gerecht werde.
Gestartet war Böhmermanns Format im Jahr 2013 als „Neo Magazin“. Es folgten knapp fünf Jahre als „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo. Dann kam das „ZDF Magazin Royale“ 2020 ins Hauptprogramm des ZDF.
(Mit Informationen von dpa.)









