Die Sanierung des Schlachthofs in Bad Kissingen birgt einiges an Zündstoff und droht, sich zum Streitfall zu entwickeln. Akteure sind die Stadt Bad Kissingen, der das Gebäude bis 2022 gehört hat, sowie die aktuelle Eigentümerin. Worum geht es?
Die GVS-Unternehmensgruppe aus Rottweil hat den Schlachthof gekauft und ist seit Januar 2022 die Eigentümerin. Geplant ist, die 1925 gebaute und seit mehr als 20 Jahren ungenutzte Ochsenkathedrale zu sanieren und zu einer Eventlocation umzubauen. Die Pläne sind Teil eines 50-Millionen-Euro-großen Gesamtvorhabens.
Dazu gehören auch der Bau eines neuen Postverteilzentrums auf dem Schlachthofareal sowie die Sanierung und Umnutzung des alten Postamts in der Münchner Straße. Das neue Postzentrum ist seit 2023 in Betrieb, das alte Postamt in der Innenstadt steht großteils leer.
Frist für Sanierung bis 2027: Stadt kommuniziert harte Linie
Nach der Fertigstellung des Postverteilzentrums hätten eigentlich als Nächstes die Arbeiten am Schlachthofgebäude starten sollen. Bislang ist das noch nicht erfolgt. Den Eigentümern, der GVS-Unternehmensgruppe aus Rottweil, drängt dabei die Zeit: Sie haben sich vertraglich verpflichtet, Dach, Fassade und Fenster bis Januar 2027 zu erneuern – andernfalls hat die Stadt Bad Kissingen das Recht, das Gebäude zurückzukaufen. Es bleiben damit noch zehn Monate bis zum Verstreichen der Frist.
Das Rathaus gibt eine harte Linie vor: „Sollte die Frist verstreichen und die Sanierung nicht fertiggestellt sein, übt die Stadt ihr Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag aus“, erklärt die Pressestelle dazu. Dabei handle es sich nicht um einen Automatismus, sondern um einen bewussten Schritt. Verhandlungen über eine Fristverlängerung schließt die Stadtführung derzeit aus. „Vertragsabänderungen wären nur in beidseitigem Einvernehmen möglich. Die Stadt plant derzeit nicht, den Vertrag abzuändern“, heißt es.
Die GVS hatte zum Kauf eine Sicherheitsleistung in Höhe von zwei Millionen Euro auf einem Konto der Stadt hinterlegt. „Kommt es nicht zur fristgemäßen Fertigstellung durch den Eigentümer, lässt die Stadt eine Sanierung aus dieser Sicherheitsleistung durchführen und entwickelt das Areal neu“, teilt die Pressestelle weiter mit.
Eigentümer kündigen Baubeginn für den Schlachthof für 2026 an
Martin Geiger, geschäftsführender Gesellschafter der GVS-Gruppe, betont gegenüber dieser Redaktion, dass die Gruppe weiter an der Realisierung des Projektes arbeitet. „Wir wollen dieses Jahr mit der Sanierung des Schlachthofs beginnen“, sagt er. Seit 2017 laufen die Planungen. Unter anderem in Bezug auf den Denkmalschutz gab es umfangreiche Voruntersuchungen, Dokumentationen und Absprachen mit dem Landesamt für Denkmalschutz. Es liegt eine denkmalrechtliche Genehmigung für die Fassadensanierung und eine genehmigte Bauvoranfrage vor.
Der Eigentümer reagiert irritiert auf die Einlassung der Stadt. Er betont, dass regelmäßig Absprachen mit den zuständigen Abteilungen im Rathaus stattfinden und der Kontakt auf dieser Arbeitsebene konstruktiv verlaufe.
Es sei bereits viel Geld und Zeit in das Objekt investiert worden. Dass bisher noch kein Baustart erfolgt ist, begründet Geiger mit langwierigen Genehmigungsprozessen bei der oberen Denkmalschutzbehörde sowie der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung und der Kostenexplosion am Bau. Die Sanierung werde derzeit dennoch so vorbereitet, dass die Arbeiten zeitnah ausgeschrieben werden und starten können.
Außerdem bereiten die Eigentümer aktuell eine Homepage vor, die demnächst online gehen und mit der Vermarktung des Schlachthofs als Eventlocation beginnen soll. Dafür laufen aktuell Dreharbeiten für einen virtuellen 3D-Rundgang durch das Gebäude.
Architekt Matthias Knab führt diese Redaktion durch den Schlachthof und erläutert den Stand der Planung. „Im Innern hat es im Laufe der Zeit einige bauliche Veränderungen gegeben, die auf den Denkmalschutz keine Rücksicht genommen haben. Wir wollen, wo es möglich ist, den Originalzustand wiederherstellen“, sagt er. Das betrifft etwa Türen und Fenster aus Aluminium.
Vom Dach bis zur neuen Tiefgarage: Das ist geplant
Die Sanierung werde mit dem Dach beginnen: Der Dachstuhl befinde sich in gutem Zustand, aber die Ziegel seien komplett zu tauschen. An den Nebengebäuden sollen teilweise die historischen wiederverwendet werden. Nach dem Dach geht es mit der Fassade und den Fenstern weiter. Der Bauablauf sei komplex und müsse exakt organisiert werden. Die Ochsenkathedrale ist bis zum Dachfirst 30 Meter hoch. Es wird ein ebenso hohes Baugerüst benötigt. Steht das Gerüst, sollen alle Gewerke möglichst zügig und kosteneffizient die Sanierung durchziehen.
Ist die Außenhülle fertig, beginnen die Innensanierung und der Bau einer Tiefgarage im nördlichen Bereich des Grundstücks. Er geht von einer Gesamtbauzeit von drei bis vier Jahren aus. „Wir freuen uns darauf, weil es eine Herausforderung ist und später etwas Schönes entstehen kann“, erklärt Knab.
In den ehemaligen Stallungen und Schlachträumen sind verschiedene Gastronomiebereiche vorgesehen, vom gehobenen Restaurant bis zu einem bodenständigen Wirtshaus mit eigener Brauerei und Biergarten. Die historischen Aggregate im Maschinenraum bleiben erhalten und werden künftig als museale Stücke zu sehen sein. In den ehemaligen Kühl-, Lager- und Nebenräumen sollen Räume für private Vermietungen, aber auch für Ausstellungen entstehen.
Die 17 Meter hohe, zentrale Halle mit ihren umlaufenden Galerien wird aufgrund brandschutztechnischer Vorgaben nicht dauerhaft, sondern voraussichtlich nur für temporäre Veranstaltungen mit Sondererlaubnissen nutzbar sein. Laut Knab sind etwa Konzerte denkbar.
Öffentliche Führungen
Die Schlachthof-Eigentümer haben – trotz Alarmanlage, Wachdienst und verrammelten Türen und Fenstern – regelmäßig Probleme mit Eindringlingen, Vandalismus und Diebstahl. Weil das Interesse der Bevölkerung am Schlachthof enorm ist, wolle man künftig unregelmäßig öffentliche Führungen anbieten. Termine sollen auf der angekündigten Homepage veröffentlicht werden.





















