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Rotkreuzladen
Modern und günstig: Second Hand ist in
Einkauf im Rotkreuzladen in Bad Kissingen. Tabea Theisen kam eigens aus Alsfeld (Vogelsbergkreis) nach Bad Kissingen, auf der Suche nach einer Kraxe für ihre Tochter Marie. Beraten wurde sie von Ilona Back (links), die im Geschäft arbeitet.
Einkauf im Rotkreuzladen in Bad Kissingen. Tabea Theisen kam eigens aus Alsfeld (Vogelsbergkreis) nach Bad Kissingen, auf der Suche nach einer Kraxe für ihre Tochter Marie. Beraten wurde sie von Ilona Back (links), die im Geschäft arbeitet. // Marion Eckert
Bad Kissingen – Im Rotkreuzladen gibt es so manches Schnäppchen zu ergattern. Einkaufen kann dort jeder. Was der Reiz des Geschäftes ausmacht und angeboten wird.

Ein kleiner Junge freut sich über ein neues Kuscheltier. Eine junge Mutter stöbert in Kinderkleidung und ein Mädchen spielt mit einer Puppe. Im hinteren Teil des Ladens sucht ein Ehepaar sich Geschirr aus und ein älterer Herr kauft eine Jacke. Im Rotkreuzladen am Steingraben 6 in Bad Kissingen herrscht Hochbetrieb.

Ehepaar Düstler bringt einen großen Karton mit Ware. „Wir bringen öfter Sachen hierher. Die Schränke sind voll und hier kommt es in die richtigen Hände.“

Irina Kozyrova ist Stammkundin im Rotkreuzladen. „Weil ich hier exklusive Sachen finden kann.“ Eine schicke Handtasche ist ihre neueste Errungenschaft. „Ich lasse mich gerne überraschen. Man findet hier interessante Dinge.“

Eine Kleiderkammer gibt es nicht mehr

Der Rotkreuzladen ist mehr ein Kleiderladen, es ist ein sozialer Treffpunkt, ein Geschäft mit besonderen Dingen im Angebot. „Der Kleiderladen hat sich gemausert“, findet Alexander Kretz (Leitung Pflege und Soziales beim Roten Kreuz Bad Kissingen). „Es war schon immer Aufgabe des Roten Kreuzes, Altkleider zu sammeln und an Bedürftige weiterzugeben.“ Nach der Grenzöffnung und bei der Ankunft von Flüchtlingen habe dies stets gute Dienste geleistet.

Doch die klassische Kleiderkammer, in der Kleidung nach Jahreszeit, Geschlecht und Sortiment gelagert werde und auf den Notfall warte, gebe es in Bad Kissingen nicht mehr. Stattdessen wurde ein Kleiderladen eingerichtet, der rund ums Jahr gut erhaltene und saubere Kleidung entgegennimmt und weiterverkauft.

Nachhaltigkeit auch bei Kleidung

„Damit tragen wir dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung. Alles, was für die Tonne zu schade ist, nehmen wir entgegen. Bei uns wird es sortiert und gegebenenfalls weiterverkauft. Alles, was nicht verkauft werden kann, geben wir zur Wiederverwertung.“

Mit den Einnahmen werden der Kleiderladen betrieben und weitere soziale Projekte des Roten Kreuzes finanziert, wie etwa Ausrüstung und Ausbildung für Ehrenamtlicher im Katastrophenschutz.

Nicht nur gute Erfahrungen

Zu den Öffnungszeiten werden einwandfreie Kleidung, Schmuck, Schuhe, Spielsachen, Haushaltswaren, Dekorationsartikel angenommen. Wer außerhalb der Öffnungszeiten kommt, findet zwei große Container neben der Türe, wie sie auch in den Orten stehen. Gerne nehme das Rote Kreuz Sachspenden entgegen.

Leider benutzen manche Menschen diese Container, um allerlei unliebsame Dinge zu entsorgen, bis hin zu toten Tieren. Kretz bedauert, dass die Mitarbeiter damit konfrontiert werden.

Ein Markenzeichen: Exklusivität und Individualität

Aus 19 Nationen kaufen Menschen im Rotkreuzladen ein. „Wir haben hier einen interkulturellen Austausch, das ist sehr wertvoll“, betont Ilona Back. Sie ist seit vier Jahren im Rotkreuzladen als Verkäuferin tätig.

„Die Menschen sind dankbar, dass sie günstig und gut bei uns einkaufen können. Bei uns kauft mittlerweile jeder ein. Flüchtlinge, Ukrainer, wer finanziell nicht gut gestellt ist, bis hin zu gut Betuchten. Unsere Kunden schätzen zum einen die niedrigen Preise und zum anderen die Exklusivität und Individualität“, weiß Back.

Der wichtigste Satz, den sie zu ihren Kunden sagt: „Wie geht es Ihnen?“ Und die Menschen freuen sich über die persönliche Ansprache. „Viele kommen, um sich zu unterhalten. Sie schütten uns ihr Herz aus. Wir haben Kunden, die schauen auf ihrem Spaziergang jeden Tag einmal vor.“

Beratung inklusive

Und wenn es mit den Sprachkenntnissen manchmal schwierig werde, sei meist jemand im Geschäft, der weiterhelfen und übersetzen könne. Beratung sei ein weiterer wichtiger Punkt. „Gerade Frauen fragen gerne, ob ihnen etwas steht. Welche Farbe, welcher Stil oder welches Material zu ihnen passe.“

Wichtig ist Kretz und seinem Team, dass niemand als Bittsteller in den Laden kommen muss. Bedürftige bekommen einen 50-prozentigen Rabatt, auf einen ohnehin schon niedrigen Preis. Drei Verkäuferinnen und zehn ehrenamtlich tätige Frauen und Männer helfen beim Sortieren, Auszeichnen, Dekorieren und Umräumen.

Auch Haushaltswaren gehen gut

Neben Kleidung und Schuhen, Bettwäsche und Handtüchern werden Haushaltswaren gut verkauft, dazu zählt Kretz nicht nur Geschirr, sondern auch Koffer, Taschen, Schulranzen und ähnliches. „Aber auch hier gibt es schlechte Erfahrungen, uns wurden schon kaputte Fahrräder oder Ranzen mit abgerissenen Riemen vor die Türe gestellt. Manche Leute benutzen uns als Sperrmüll.“

Nicht verkauft werden Elektrogeräte. „Wir können nicht überprüfen, ob sie funktionieren“, erklärt Kretz. Auch Möbel hat der Rotkreuzladen keine im Angebot. „Da fehlt uns die Lagerkapazität.“ Groß sei die Nachfrage nach Kinderkleidung. „Das wird immer gesucht“, weiß Kretz. Zu Ladenhütern zählen Bücher, CD- und DVDs. „Das geht bei uns ganz schlecht.“

Öffnungszeiten:

Montag - Donnerstag: 10:00 Uhr bis 15:30 Uhr

Freitag: 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Adresse:

Am Steingraben 6, 97688 Bad Kissingen (Stadtbuslinie 1)

Telefon: 0971/7272-740

Einwandfreie Kleidung heißt:

Gut erhaltene Stücke, gewaschen und möglichst auch gebügelt. Keine Kisten und Säcke mit Kleidung, die schon längere Zeit im Keller oder Speicher gelagert waren.

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