Keine fünf Minuten begleite ich Peter Rückel und seine Kollegin Andrea Greubel auf ihrer Streife durch das Stadtgebiet von Bad Kissingen, da kommt uns schon ein älterer Radfahrer auf dem Gehweg radelnd entgegen. Rückel hebt die Hand, um ihn zum Halten zu bringen: „Grüß Gott und Servus“, begrüßt er ihn freundlich, „bitte steigen Sie ab. Wir wollen doch nicht die Fußgänger gefährden.“
Der Senior zeigt sich einsichtig: „Ja, ja, Sie tun ja nur ihre Pflicht und sorgen für Ordnung!“ Im Weitergehen erzählt Andrea Greubel, dass sie ihm nicht zum ersten Mal begegnet sind: „Wir kennen unsere Pappenheimer“, sagt sie schmunzelnd, „manche sind beratungsresistent.“
Die Sicherheitswacht gibt es bereits seit 1999 in der Kurstadt, wie Jochen Emmerling, stellvertretender Verfügungsgruppenleiter bei der Polizeiinspektion in Bad Kissingen, informiert. Inzwischen umfasst sie dreizehn ehrenamtlich tätige Frauen und Männer: „Damit sind wir für die Größe der Kurstadt sehr gut aufgestellt“, ist Emmerling zufrieden. Die Mitarbeiter sollen zusätzlich zur Polizei durch ihre Präsenz Sicherheit verbreiten und Ansprechpartner für Bürger sein.
Peter Rückel und Andrea Greubel sind beide bereits seit fünf Jahren dabei. Nachdem er als Berufssoldat pensioniert wurde, wollte sich Rückel sozial engagieren: „Ich möchte, dass es mir gut geht und dass es anderen auch gut geht“, begründet er sein Engagement, „und später, wenn ich alt bin, brauche ich sicher auch mal Hilfe.“ Andrea Greubel ist hauptberuflich Altenpflegerin und schätzt ihre ehrenamtliche Tätigkeit an der frischen Luft: „Mir macht es Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Diese Arbeit ist immer ereignisreich, man trifft verschiedene Leute und ich nehme aus jedem Gespräch etwas Positives mit.“
Nicht nur nette Gespräche
Ihre Route geht meistens durch das Stadtgebiet mit Park und Kuranlagen, sie sind bei Bedarf aber auch in den Stadtteilen und bei Veranstaltungen, Konzerten und Messen präsent. „Während des Kissinger Sommers sind wir für die Kurgäste auch abends bis 23 Uhr auf Streife. Und als Rapper Bushido in Kissingen war, sind wir den Disco-Weg auf der Würzburger Straße abgelaufen“, erzählt Rückel.
Während unseres Gesprächs beugt sich ein Passant über die nahe Hecke und fragt nach dem Weg zum Berliner Platz: „Wegbeschreibungen sind die häufigsten Fragen an uns. Und wo die nächste Toilette ist“, lacht Kollegin Greubel.
Neben ansprechbar sein für Fragen und Sorgen der Leute ist ein offenes Auge und ein besonnenes Auftreten eine der wichtigsten Aufgaben der Sicherheitswacht. „Es gibt ja nicht nur nette Gespräche“, stellt Jochen Emmerling klar, „die Mitarbeiter der Sicherheitswacht sollen die Menschen auf kleine Ordnungswidrigkeiten ruhig und bestimmt hinweisen, aber nicht ahnden.“
Wenn beispielsweise eine Gruppe junger Leute im Park Alkohol trinkt, spreche die Sicherheitswacht sie an und bitte sie, den Platz wieder sauber zu verlassen, „denn es geht nicht darum, die Leute zu verscheuchen, sondern sichtbar zu sein und um Verständnis zu werben“, so Emmerling. Aber auch bei der Suche von vermissten Personen oder der Aufklärung von Sachbeschädigungen helfen die Sicherheitswächter mit.
Erhobenen Zeigefinger vermeiden
Ihre Befugnisse ergeben sich aus dem bayerischen Sicherheitswachtgesetz. Das besagt, dass Mitarbeiter der Sicherheitswacht zur Abwehr einer Gefahr Personen befragen, Personalien erheben und auch Platzverweise erteilen dürfen. Zudem haben sie die sogenannten „Jedermannsrechte“, das heißt, sie dürfen eine Person, die einer Straftat verdächtig ist, festhalten, bis deren Identität geklärt ist. Bei Ermittlungs- und Verfolgungstätigkeiten oder Erhebung von Bußgeldern enden die Ermächtigungen der Sicherheitswacht und sie funken eine Polizeistreife an.
„Überhaupt ist es wichtig, deeskalierend zu wirken, den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen“, beschreibt Peter Rückel seine freiwillige Arbeit, „deswegen ziehen wir uns bei brenzligen Situationen zurück und geben Meldung an die Polizei.“ Natürlich gebe es Menschen, die ihren Frust loswerden wollen und immer einen dummen Spruch parat haben. Aber: „Ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt Andrea Greubel.
Mitarbeit ab 18 Jahren möglich
Sicherheitswächter können alle Bürger im Alter von 18 bis 70 Jahren mit einer abgeschlossenen Schul- oder Berufsausbildung werden, die persönlich dafür geeignet sind. Dazu gehören ein ruhiges, selbstsicheres Auftreten, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Zivilcourage. „Wir hatten auch eine zweimonatige Schulung mit mündlicher Prüfung und machen jedes Jahr eine Weiterbildung“, erklärt der 64-jährige Rückel.
Weiter geht es auf Streife, eine Frau mit Rollator läuft an uns vorbei und lächelt dabei die Wächter an. Am Eingang der Fußgängerzone fragt ein gehetzter Mann: „Sind Sie die echte Polizei? Ich halte dort nur kurz mit dem Auto, weil mein Kind sich verletzt hat und zum Arzt muss.“ Und in der Fußgängerzone ist wieder ein radelnder Radfahrer zu sehen. Eine ganz normale Streife der Sicherheitswacht.
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