Gute zwei Monate hat sich die Familie Blaßdörfer Zeit genommen, um einen Betreiber für das Café Schweizerhaus zu finden. Die Familie hatte im Frühjahr das 185 Jahre alte Traditionscafé erworben und will es nach 20 Jahren Leerstand wiederbeleben. Der Name Blaßdörfer steht in der Region jedoch vor allem für das Gesundheitswesen.
Vater Thorsten hat mit Therapiezentren einen Familienbetrieb mit inzwischen annähernd 300 Mitarbeitern aufgebaut. Deshalb wollte die Familie auch einen Pächter finden, der das Schweizerhaus betreibt, gleich ob als Restaurant, Café, Eventlocation, Hotel oder mit Ferienwohnungen.
Café Schweizerhaus: kein passender Betreiber
Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, wie es weitergeht. „Den Traumbetreiber, wie wir ihn uns vorgestellt haben, haben wir leider nicht gefunden“, informiert Julius Blaßdörfer. Bruder Felix Blaßdörfer sagt ergänzend: „Wir sind auch nicht mit dem Gedanken klargekommen, dass wir hier keinen Zugriff mehr haben. Es ist ein Herzensprojekt. Deshalb haben wir beschlossen, es doch in Eigenregie zu machen.“ Die Familie ist zudem davon überzeugt, dass es Vorteile hat, wenn sich jemand mit lokalen Wurzeln um das Prestigeprojekt kümmert.
Was also haben sie als Eigentümer und Betreiber mit dem Schweizerhaus vor? Einen festen Restaurant- oder Cafébetrieb wird es nicht geben, das sei angesichts laufender Kosten und wegen des hohen Personalaufwandes nicht in Eigenregie zu stemmen.
Ort für Veranstaltungen
Sie wollen das Schweizerhaus als Boutique-Hotel mit Übernachtungsmöglichkeiten in den beiden Obergeschossen, sowie einem Eventbereich im Erdgeschoss nutzen. „Wir wollen das Haus wieder mit Leben füllen, mit Hochzeiten, Feiern und Boutique-Hotelgästen“, sagt Felix Blaßdörfer. Es soll auch öffentlich zugängliche Sonderveranstaltungen geben, wie Tanzabende und monatliche Kuchenevents.
Feiern und Übernachten in exklusiver Atmosphäre ist also das Motto. Bei Boutique-Hotels handelt es sich in der Regel um persönlich geführte, kleine und nicht selten luxuriös ausgestattete Hotels. Sie heben sich mit außergewöhnlichem Design und familiärer Atmosphäre von großen Hotels und Hotelketten ab.
Feiern und Übernachten in einem Gebäude
„Die oberen Stockwerke bauen wir zu zehn Suiten und Zimmern aus“, sagt Julius Blaßdörfer. Aktuell stehen sie dazu in Kontakt mit Hoteleinrichtern und informieren sich über die Ausstattung. Die Zimmer sollen nach der Sanierung in einem exklusiven, romantischen Stil dastehen. „Sie müssen dem Haus und der Lage gerecht werden“, betont Felix Blaßdörfer. Gerade für Hochzeiten sei das Konzept aus Feiern und exklusivem Übernachten in einem Gebäude attraktiv, ist er sicher.
Die Zimmer sind gedacht sowohl für die Gäste von den Veranstaltungen, als auch für normale Touristen. „Wir müssen so planen, dass wir etwa für Hochzeiten und Feiern entsprechende Übernachtungskontingente freihaben. Wenn kein Event stattfindet, wird es normal vermietet“, sagt der 25-jährige Unternehmer. Das Schweizerhaus soll dauerhaft belegt sein, nicht nur an Veranstaltungen am Wochenende.
Feiern mit bis zu 200 Personen
Die früheren Gasträume - der grüne Saal und das Sisi-Zimmer - im Erdgeschoss bieten Platz für Veranstaltungen mit bis zu 200 Gästen. Sie sollen vermietet und mit externen Caterern bespielt werden. Um die Caterer kümmern sich die Mieter. „Wir werden im Schweizerhaus nicht selber kochen“, erklärt Felix Blaßdörfer. Die bestehende Konditoreiküche wird modernisiert und zu einer vorbereitenden Küche für Catering umgebaut.
Für das operative Geschäft wird eine Betriebsleiterin mit Gastronomieerfahrung eingestellt. Um die administrativen und betriebswirtschaftlichen Belange kümmern sich die Blaßdörfers innerhalb ihrer Familienunternehmen.
Bauarbeiten im Schweizerhaus: Das wird gemacht
Bis zu Eröffnung hat die Familie Blaßdörfer noch viel Arbeit vor sich. Derzeit wird ein Bauantrag vorbereitet sowie ein Förderantrag gestellt. Wie Bad Kissingens Wirtschaftsförderer Sebastian Bünner erläutert, unterstützt der Freistaat Projekte, die regionaltypischen Tourismus realisieren. Bis zu 20 Prozent der Baukosten können erstattet werden. „Wir haben nicht mit Geld von außen gerechnet. Die Förderung würde das Projekt finanziell aber auf noch sicherere Füße stellen“, meint Felix Blaßdörfer.
Was baulich bisher alles geplant ist: Die bestehenden Holzfenster werden komplett restauriert. Das historische Balkongeländer ist abgebaut, wird sandgestrahlt, verzinkt und lackiert und dann wieder montiert. Auch der Bodenbelag von Balkon und Terasse werden erneuert. Aktuell ist zudem das komplette Gebäude eingerüstet: Die Fassade wird in einem ersten Schritt gereinigt, schadhafte Stellen ausgebessert und dann neu gestrichen. „Das Aussehen bleibt historisch“, betont er.
Das Dach wird gereinigt und ausgebessert. Die alten Markisen sind abgebaut. Das Gestell wird aufgearbeitet und mit neuem Stoff in der alten Farbgebung bezogen. Im Innern wird die Haustechnik modernisiert, das Gebäude digital erschlossen, die Zimmer werden umgebaut und das gesamte Gebäude von den Zimmern bis zur Eventlocation neu eingerichtet.
Der Zeitplan ist straff: Anfang 2026 soll das einstige Traditionscafé wieder seine Türen öffnen.















