Stephan Böhner hat als ehemaliger Koch immer schon eine Vorliebe für gesunde Lebensmittel. Seit etwa sieben Jahren widmet er sich intensiv den Cashews. Er bezieht sie aus Westafrika und verkauft sie an andere Lebensmittelhersteller und Händler von veganen und vegetarischen Produkten. „Edeka zum Beispiel. Wir sind auch auf einigen Bio-Handelsplattformen im Internet vertreten.“
Nach ein paar Jahren im Geschäft wuchs in ihm die Idee: Warum nur für andere produzieren? Warum die Cashews nicht auch direkt an den Endkunden verkaufen?
Mit einer Designagentur entwickelte er eine eigene, möglichst ökologische und nachhaltige Verpackung. Im Juni diesen Jahres öffnete er schließlich im Bad Kissinger Stadtteil Reiterswiesen den Laden „natural foods“, in dem es fast nur Cashewprodukte gibt.
„Man kann uns als Manufaktur bezeichnen. Wir bekleben die Tüten noch händisch, befüllen sie von Hand, rösten auch selbst. Ohne zusätzliches Öl, das ist ganz wichtig.“ Das Öl und das glutenfreie Mehl wird nicht direkt in Reiterswiesen hergestellt, sondern in einer Ölmühle im Harz.
Cashewmehl: Low fat, high energy
Das Besondere: „Es gibt in Deutschland nur zwei Hersteller, die glutenfreies Cashewmehl produzieren. Das bin ich und die Firma meines ehemaligen Geschäftspartners in Aschaffenburg“, erzählt Böhner. „Das macht sonst keiner in Deutschland, weil die großen Hersteller die Glutenfreiheit nicht garantieren können.“
Um aus den Cashews Mehl herzustellen, werden diese gepresst und gemahlen. Ein „entfettetes Proteinmehl“ entsteht. Das ist für Menschen interessant, die auf ihre Ernährung achten. Stichwort: Low fat, high energy. „Der wichtigste Faktor für viele unserer Abnehmer ist, dass das Mehl glutenfrei ist“, sagt Böhner. Menschen, die die Autoimmunerkrankung Zöliakie haben, sind darauf angewiesen, sich glutenfrei zu ernähren.
Die Cashews von Böhner sind auch für Allergiker eine Option. Bei anderen Herstellern steht oft auf der Packung: „Kann Spuren von Soja, Senf, Milch oder Nüssen enthalten“. Dieser Hinweis ist für Allergiker besonders wichtig. Zu den eventuell allergieauslösenden Spuren in der Nahrung kann es kommen, wenn andere Lebensmittel auf denselben Anlagen produziert werden und über Luft oder das Personal übertragen werden.
Stephan Böhner schreibt keinen Hinweis zu möglichen Spuren von Soja, Senf oder Milch auf seine Verpackung, sondern: „Enthält Schalenfrüchte“. „Es ist alles sortenrein, hundert Prozent Cashew“, sagt er. Das sei wichtig für Nussallergiker, denn diese hätten dadurch ein viel geringeres Allergiepotenzial. „Wer eine ganz extreme Nussallergie hat, der reagiert meist auch ein bisschen auf Cashews.“ Er kenne Nussallergiker, die Cashews zum Beispiel im Müsli essen.
Cashews sind keine Nüsse – wie viele Menschen annehmen –, sondern Steinfrüchte wie etwa Pflaumen oder Pfirsiche. Ihnen werden positive Auswirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben: Sie weisen einen hohen Gehalt an Nährstoffen, Proteinen und Mineralstoffen auf. Außerdem sind sie L-Tryptophan-Lieferanten, eine Aminosäure, die sich positiv auf die Stimmung auswirken soll.
Unterschiedliche Geschmacksrichtungen
In den Regalen im Laden in Reiterswiesen stehen konventionelle und Bio-Cashewkerne, Cashewmus, Cashewöl und Cashewmehl.
Außerdem gibt es gewürzte Cashews, die wahlweise nach Zitrone, Rosmarin, Barbecue, Ingwer-Minze, karamellisiertem Kakao oder Chili schmecken. Im Laden kann man probieren, welche man mag. „Es sind nur natürliche Zutaten enthalten, keinerlei Geschmacksverstärker, keine künstlichen Aromen.“
Laufkundschaft fehlt, Innenstadt ist teuer
Wenn Kunden seinen Laden betreten, bekommt er meist dieselben zwei Fragen gestellt, erzählt Böhner. „Sie haben nur Cashews?“ – „Ja, alles nur Cashews.“ „Funktioniert das bei der Lage?“ – „Es funktioniert.“
Und das, obwohl in der Mittagszeit unter der Woche in der Kissinger Straße nicht viel los ist. Svetlana Steinberg aus Reiterswiesen, die zu Fuß am Laden vorbei läuft, sagt, sie habe den Laden bisher noch nie betreten. Sie vermisse die Bäckerei, die früher dort war. „Ich hätte lieber Brötchen als diese ganzen Kerne.“
Bis auf sie, einen älteren Mann und ein paar wartende Menschen an der Bushaltestelle ist kaum jemand zu Fuß unterwegs. Der Laden ist an der Hauptstraße gelegen, durch die einige Autos fahren.
„Viele parken kurz, kaufen Cashews und zack sind sie wieder raus“, erzählt Böhner.
Es fehle zwar die Laufkundschaft, aber im Hintergrund gebe es das Versandgeschäft. „Das Ladengeschäft ist das Zubrot.“ Er schaue sich nach wie vor nach einem weiteren Verkaufsgeschäft in der Innenstadt um. Bisher seien ihm jedoch die Mietpreise in der Innenstadt zu hoch.










