Das Marinekurlazarett in der Kurhausstraße ist eines der geschichtsträchtigen Kurhäuser in Bad Kissingen. Seit 27 Jahren steht es ungenutzt leer und wartet darauf, vor dem Verfall gerettet zu werden. Genau das könnte nun passieren.
Der bisherige Eigentümer, die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg, hat das Gebäude verkauft. Neuer Besitzer ist der regional tätige Immobilienunternehmer Niko Rotschedl. „Wir haben uns zwei Jahre intensiv abgestimmt und eine mögliche gemeinsame Lösung für das Marinekurlazarett erarbeitet“, bestätigt er den Kauf.
Er will das denkmalgeschützte, 1905 als Sanatorium errichtete Gebäude, sanieren und zu einem Wohnhaus umbauen. Die Projektkosten schätzt Rotschedl auf zehn bis zwölf Millionen Euro.
Kaufvertrag enthält Rücktrittsklausel
Ob es tatsächlich dazu kommt, steht allerdings noch nicht final fest. Rotschedl behält sich eine Ausstiegsklausel vor. „Es wurde ein notarieller Kaufvertrag geschlossen, der als aufschiebende Bedingung eine rechtskräftige Baugenehmigung hat“, erklärt er.
Das heißt: Erst wenn die Stadt Bad Kissingen den Umbau zu einem reinen Wohngebäude genehmigt, und solange die Auflagen für die denkmalgerechte Sanierung das Projekt nicht zu teuer machen, ist der Kauf abgeschlossen. „Wir arbeiten aktuell intensiv am entsprechenden Bauantrag und den Grundlagen“, erklärt der Investor.
Das Marinekurlazarett (Kurhausstraße 11) fällt nicht sofort ins Auge. Es steht etwas nach hinten versetzt auf dem Areal der Rehaklinik Am Kurpark, die von der DRV Baden-Württemberg betrieben wird. Von 1905 bis 1940 wurde es unter wechselnden Eigentümern als Sanatorium und Kurhotel betrieben, von 1940 bis zum Kriegsende diente es der Marineverwaltung in Berlin als Erholungsheim für Angehörige der Kriegsmarine. Aus dieser Zeit stammt der Name, der bis heute als Schriftzug auf der Fassade zu lesen ist.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verwendeten die US-Streitkräfte das prächtige Jugendstilgebäude als Unterkunft für in Bad Kissingen stationierte Soldaten und Offiziere. Zuletzt hatte die US-Armee dort auch eine Zahnklinik untergebracht. Seit dem Abzug der amerikanischen Truppen Ende der 1990er Jahre steht das Marinekurlazarett nach fast 100-jährigem Betrieb leer.
DRV: Klinikbetrieb im Marinekurlazarett nicht möglich
1998 kaufte die DRV Baden-Württemberg das Gebäude in der Absicht, es als Teil der Rehaklinik am Kurpark zu nutzen. Doch diese Pläne kamen nie zum Tragen. „Eine Nutzung des Marinekurlazaretts für eine Erweiterung hat sich aus unterschiedlichen Gründen nicht realisieren lassen“, erklärt DRV-Pressesprecherin Kerstin Bücking. Es folgte der Entschluss, sich von dem Gebäude zu trennen. Ergebnis der intensiven Verhandlungen mit Rotschedl sei eine - aufgrund der Lage mitten auf dem Klinikgelände - sehr individuelle Lösung.
Rotschedl stammt aus dem Landkreis und ist beruflich vor allem im Raum Würzburg und Umgebung tätig. In Bad Kissingen plant er mit Anton Schick und Nicole Felser das Wohnquartier „Prinzregentenpark“ am Bahnhof, er hat das frühere Modehaus Grom erworben und saniert, gleiches gilt für den früheren Schachenmayer-Verlagskomplex in der Theresienstraße. Zudem begleitet er als Projektentwickler den neuen Anlauf im Fürstenhof für ein Luxushotel.
„Beim Marinekurlazarett weiß ich, dass es viel Schweiß und Arbeit kosten wird. Ich kenne kein vergleichbares Haus. Es ist ein verstecktes Juwel mit einem tollen Blick auf die Kuranlagen und den Sisi-Tempel auf dem Altenberg“, sagt er. Gleichzeitig sei es ein sehr herausforderndes Gebäude.
30 exklusive Wohneinheiten
Was sind die Herausforderungen? An der Fassade und den Balkonen finden sich beispielsweise viele, inzwischen morsche, Holzbauelemente. Diese zu sanieren sei sowohl statisch als auch denkmalschutztechnisch komplex. Ein Kernthema werde die künftige, klimafreundliche Beheizung sein. Photovoltaik sei auf dem wunderschönen, aber zergliederten Dach schwer realisierbar. Geothermie scheide aufgrund der Lage im Heilquellenschutzgebiet aus, Wärmepumpen seien für einen Betrieb im Kurgebiet zu laut. „Das wird spannend, wie sich das auch wirtschaftlich lösen lassen wird“, sagt Rotschedl.
Das Marinekurlazarett bietet eine Wohnfläche von rund 2.500 Quadratmetern verteilt auf Keller, Erdgeschoss sowie vier Obergeschossen inklusive Dach. Rund 30 Wohneinheiten sollen entstehen, mit zwei beziehungsweise drei Zimmern und 60 bis 80 Quadratmetern Fläche. Aufgrund der individuellen Gebäudearchitektur und der damit verbundenen Sanierungskosten sind sie als exklusive Eigentumswohnungen geplant.
Mit einer Baugenehmigung der Stadt rechnet Rotschedl bis Sommer beziehungsweise Herbst 2026. Das Bauamt habe das Projekt bisher aktiv unterstützt.
















