0
Start noch dieses Jahr
Coburger Polizei: Videoüberwachung an zwei Brennpunkten
Sowohl hier am Bahnhofsvorplatz als auch am benachbarten ZOB soll es künftig eine Videoüberwachung geben.
Sowohl hier am Bahnhofsvorplatz als auch am benachbarten ZOB soll es künftig eine Videoüberwachung geben. // Foto: Oliver Schmidt
Coburg – Zuletzt musste die Polizei immer häufiger zu Einsätzen rund um den Bahnhof ausrücken. Der Grund waren Straftaten und Belästigungen. Der Polizei-Chef erklärt, wie jetzt darauf reagiert wird.

Laut Kriminalitätsstatistik ist es in Coburg noch immer recht sicher. Doch rund um den Bahnhof mehrten sich zuletzt die Straftaten, und auch Belästigungen. „Viele Anwohner empfinden das Areal als einen Brennpunkt in der Innenstadt“, heißt es dazu seitens der Polizei.

Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben.
Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben. // Foto: Oliver Schmidt

Eine statistische Betrachtung der Entwicklung von 2022 bis 2024 bestätige diesen Eindruck: Während im gesamten Stadtgebiet Coburg jährlich rund 2.830 Straftaten verzeichnet worden seien, stieg laut Polizeiangaben der Anteil der Vorfälle im Bereich des Bahnhofsvorplatz von 2,56 % (2022) auf 5,88 % (2024).

Unter anderem erhöhten sich demnach die Fallzahlen in den folgenden Bereichen: 

  • Raubdelikte: Anstieg von 2 (im Jahr 2022) auf 4 (im Jahr 2024)
  • Sexualdelikte: Anstieg von 3 (2022) auf 8 (2024)
  • Diebstahl: Anstieg von 9 (2022) auf 32 (2024)
  • Sachbeschädigung: 8 (2022) auf 21 (2024)
  • Rauschgiftdelikte: 21 (2022) auf 30 (2024)
  • Körperverletzung: Anstieg von 18 (2022) auf 36 (2024)

Die Coburger Polizei will versuchen, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am Bahnhofsvorplatz als auch am benachbarten ZOB soll es künftig eine Videoüberwachung geben.
Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am Bahnhofsvorplatz als auch am benachbarten ZOB soll es künftig eine Videoüberwachung geben. // Foto: Oliver Schmidt

Nach Rücksprache mit dem Bayerischen Innenministerium, der Stadt Coburg sowie dem Polizeipräsidium Oberfranken ist geplant, den Coburger Bahnhofsvorplatz sowie den benachbarten ZOB (Lossaustraße) ab Ende des Jahres mit einer Videoüberwachung auszustatten. Ziel sei es,  „die Sicherheit in diesem Bereich nachhaltig zu verbessern.“ Die Polizei erwartet sich davon nicht nur eine präventive Wirkung, sondern auch eine bessere Unterstützung bei der Aufklärung von Straftaten. 

Gespräche auch mit der HUK Coburg

Der Leiter der Polizeiinspektion Coburg, Ralf Neumüller, war am Donnerstag zu Gast in der Sitzung des Stadtrats, um die geplante Maßnahme vorzustellen. Er beschrieb die Situation mit den Worten: „Die Sicherheitslage in Coburg passt – aber im Bahnhofsbereich besteht noch Handlungsbedarf.“ Dies sehe auch nicht zuletzt die HUK-Coburg so, die direkt am Bahnhofsvorplatz eines ihrer großen Verwaltungsgebäude hat.

Ralf Neumüller räumte ein, dass Videoüberwachungen ein „Reizthema“ seien. Auch er wolle „keinen Überwachungsstaat“, wie er betonte. „Aber in diesem Bereich begrüße ich es.“

Diskussion im Coburger Stadtrat

Bei der Diskussion im Stadtrat wollte Jürgen Heeb (Pro Coburg) wissen, ob es durch die Videoüberwachung nicht zu einer räumlichen Verschiebung der Straftaten kommen könne. Ja, das sei natürlich möglich, antwortete Neumüller. Allerdings seien Räume „unterschiedlich attraktiv für Straftäter“. Der Bahnhof sei aufgrund seiner Anbindung sehr attraktiv. „Da müssen Straftäter erst einmal etwas anderes finden!“

Norbert Tessmer (SPD) begrüßte die geplante Videoüberwachung. Coburg sei eine sehr sichere Stadt. Und mithilfe der Videoüberwachung sei man „auf einem guten Weg“, auch noch die „Sicherheitslücke“ rund um den Bahnhof zu schließen.

Kritik an Videoüberwachung

Kevin Klüglein (Grüne) bezweifelte, dass die Videoüberwachung etwa für die Sicherheit bringt – „außer einer Verschiebung der Straftaten“. Außerdem frage er sich, ob der Datenschutz tatsächlich gewahrt werden könne. Schließlich würden sich am Bahnhofsvorplatz auch ein Ärztehaus und eine Apotheke befinden.

Ausgerechnet, als Kevin Klüglein noch eine weitere Frage stellen wollte, beantragte Can Aydin (SPD) das Ende der Diskussion. Der Grünen-Stadtrat ärgerte sich sehr über diese Vorgehensweise. Aber: Aydins Antrag bekam eine Mehrheit.

Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben.
Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben. // Foto: Oliver Schmidt

Ralf Neumüller hatte zuvor noch auf positive Erfahrungen verwiesen, die andernorts bereits mit Videoüberwachungen gemacht worden seien. So hätten die Polizei Unterfranken nach einem Jahr Videoüberwachung in Würzburg am Bahnhofsplatz und am Barbarossaplatz als auch die Polizei in der Oberpfalz mit Blick auf die Überwachung des Regensburger Bahnhofvorplatzes eine positive Bilanz gezogen.

„Das erhoffe ich mir für Coburg auch“, sagte Ralf Neumüller.

Wann beginnt die Videoüberwachung in Coburg?

Wie die Polizei mitteilt, sollen bereits Anfang Oktober 2025 die ersten Arbeiten für die Aufstellung von einem Mast für das neue Kamerasystem auf dem Bahnhofsvorplatz starten. Zum 1. Dezember sollen die Kameras in Betrieb gehen, die hochauflösende Videoaufnahmen in das Dienstgebäude der Polizei Coburg übertragen. Es handelt sich laut Neumüller um eine „Ein-Mast-Lösung“. Sprich: An einem Mast sind mehrere Kameras befestigt, die sowohl in Richtung Bahnhofsvorplatz als auch zum ZOB ausgerichtet sind.

Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben.
Für mehr Sicherheit in Coburg: Sowohl hier am ZOB als auch am benachbarten Bahnhofsvorplatz soll es künftig eine Videoüberwachung geben. // Foto: Oliver Schmidt

Wichtig ist der Polizei ein Hinweis zum Datenschutz: Alle datenschutzrechtliche Vorgaben würden beachtet. Die Anlage werde entsprechend den Vorgaben des bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz errichtet und betrieben. So würden private Grundstücke nicht erfasst. Zudem gelte eine automatische Löschfrist von drei Wochen – sofern in diesem Zeitraum keine Straftaten festgestellt oder Ermittlungen eingeleitet werden.

Von Autos, die von den Kameras erfasst werden, werden die Kennzeichen unkenntlich gemacht.

Was kostet die Videoüberwachung?

Die Kosten für die Videoüberwachung belaufen sich auf knapp 150.000 Euro, wie Ralf Neumüller am Donnerstag im Stadtrat sagte. Weil es sich um eine rein polizeiliche Maßnahme handelt, entstehen der Stadt Coburg lediglich insofern Kosten, als bei den Tiefbauarbeiten für den Mast etwas geholfen wird.

 

Inhalt teilen
  • kopiert!