„Der aktuelle Vorfall vom vergangenen Wochenende gegen unseren Mitarbeiter macht uns betroffen“, erklärt Süc-Sprecherin Antje Leipold. „Gewalt gegenüber Beschäftigten, die täglich für einen sicheren und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr sorgen, ist in keiner Weise akzeptabel.“
Bus-Streit eskaliert: Ein trauriger Trend im öffentlichen Nahverkehr
Im Streit um einen Fahrschein hat ein Fahrgast am vergangenen Wochenende einen Bus-Mitarbeiter angegriffen und verletzt. Wie die Polizei mitteilte, war es in einem Linienbus am Theaterplatz zunächst zu einem Streit um ein ungültiges Busticket gekommen. Der 42 Jahre alte Fahrgast soll den 58-jährigen Mitarbeiter beleidigt und ihn daraufhin mit der Faust gegen das linke Ohr geschlagen haben. Er erlitt einen blutenden Riss an der Ohrmuschel. Laut Süc musste der Bus-Mitarbeiter medizinisch behandelt werden.
Der mutmaßliche Täter flüchtete zunächst, die Polizei fand ihn aber später nach einem Hinweis eines Businsassen in seiner Wohnung. Der Polizei zufolge war der Mann den Behörden bereits bekannt. Sie ermittelt nun wegen Körperverletzung und Beleidigung. „Unabhängig von den Ermittlungen prüfen wir derzeit eigene juristische Schritte gegen den mutmaßlichen Täter“, erklärt Süc-Sprecherin Leipold. Auch die überregionale Tageszeitung Welt berichtete über den Vorfall.
Er ist ein weiteres alarmierendes Beispiel für Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr und bei der Bahn. In einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz am Anfang des Jahres: Ein Zugbegleiter wird bei einer Fahrkartenkontrolle von einem Fahrgast angegriffen und durch mehrere Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt. Der 36-jährige Familienvater fällt in ein Koma und stirbt später an den Folgen der Verletzungen. Seitdem gibt es bundesweit Diskussionen über Gewalt gegen Bahnmitarbeiter, insbesondere über bessere Schutzmaßnahmen und härtere Strafen.
Öffentlicher Nahverkehr in Coburg: Verroht der Umgang?
„Dass die Gewalt gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr und Polizeibeamten in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist nachweisbar und unbestreitbar“, sagt Frank Holzeid, Pressesprecher der Polizeiinspektion Coburg, auf Nachfrage. Ob es an den vermehrten Kontrollen, dem Frust über Verspätungen oder an anderen Gründen liegt – da könne er nur mutmaßen, wie Holzheid sagt. Aber: „Auf jeden Fall ist die Hemmschwelle niedriger geworden.“
Laut Süc kam es seit 2020 zu vier Fällen, in denen Beschäftigte der Süc im öffentlichen Nahverkehr körperlich angegangen wurden. „Neben diesen körperlichen Übergriffen beobachten wir leider auch eine zunehmende Zahl verbaler Angriffe, Beleidigungen und respektlosen Verhaltens. Der Umgangston ist leider deutlich rauer geworden“, erklärt Leipold. Davon betroffen sei auch das Kontrollpersonal. Zuletzt hat der Süc-Sprecherin zufolge ein Fahrgast einen für die Süc tätigen Fahrausweisprüfer verletzt: Er erlitt einen Kapselriss am Mittelfinger.
Auch andere Verkehrsunternehmen würden diese Erfahrungen machen. Leipold: „Aus Erlangen wurde uns von einem Fall berichtet, bei dem einem Kontrolleur im Frühjahr mehrere Zähne ausgeschlagen wurden.“
Verroht der Umgang zunehmend im öffentlichen Nahverkehr?
Ob von einer generellen Verrohung gesprochen werden könne, erklärt Leipold, lasse sich statistisch nur schwer belegen. „Aus unserer praktischen Erfahrung nehmen jedoch Aggressivität, Respektlosigkeit und die Hemmschwelle für verbale Angriffe spürbar zu. Körperliche Übergriffe bleiben zum Glück noch die Ausnahme.“
Das Bundesverkehrsministerium, die Deutsche Bahn und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) führen mit „#mehrAchtung“ eine Kampagne für mehr Respekt in Bussen und Bahnen. „Zwei Drittel der Mitarbeitenden in Bus und Bahn fühlen sich auf der Arbeit immer unsicherer (....) Jede und jeder Zweite hat mittlerweile einen körperlichen Angriff erleben müssen. “, schreiben die Initiatoren auf der Kampagnenwebseite und beziehen sich auf eine aktuelle Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft. Ihre Bilanz: Verbale und körperliche Übergriffe auf Mitarbeitende in Bus und Bahn nehmen in Zahl und Schwere zu.
Wie schützen Verkehrsunternehmen ihre Mitarbeiter?
Um ihre Mitarbeiter vor Angriffen zu schützen, setzt die Süc auf mehrere Maßnahmen: „Alle Stadtbusse verfügen über Schutzscheiben am Fahrerarbeitsplatz. Ebenso können Fahrer über einen Notrufknopf jederzeit die Leitstelle beziehungsweise den Bereitschaftsdienst alarmieren und Unterstützung anfordern“, erklärt Süc-Sprecherin Leipold. Zudem werde das Personal im Umgang mit Konfliktsituationen und Deeskalationstechniken geschult. „Einen vollständigen Schutz vor unvorhersehbaren Gewalthandlungen können sie jedoch nicht gewährleisten.“














