„Stell dich nicht so an. Die Oma hatte auch schon Schmerzen bei der Periode. Nimm eine Wärmflasche, dann geht’s schon.“ Sätze wie dieser begegnen Betroffenen von starken Regelschmerzen auch heute noch viel zu häufig.
Doch die Annahme, Menstruationsschmerzen seien „normal“, ist gefährlich: Hinter ihnen können ernsthafte gynäkologische Erkrankungen stecken. Die Hochschule Coburg wollte am Donnerstagabend in der Alten Kühlhalle genau darüber aufklären.
Rund 90 Interessierte kamen zum Themenabend über Endometriose und Adenomyose – so viele, dass die letzten Plätze rar wurden. Drei Referentinnen beleuchteten das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: Sandy Gruber vom Aufklärungs- und Selbsthilfeverein Helden in Strumpfhosen, die Künstlerin und Dokumentarfotografin Denise „Nietze“ Schmidt sowie Prof. Dr. Karin Meißner von der Hochschule Coburg.
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine gynäkologische Erkrankung. Dabei siedelt sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter an – etwa an Eierstöcken, Darm, Blase oder dem Bauchfell. Die Folgen: chronische Entzündungen, Vernarbungen, Verwachsungen – und häufig starke Schmerzen. Auch andere Symptome wie Magen- und Darmprobleme, Blasenprobleme oder auch Probleme beim Kinderwunsch haben viele Frauen. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen.
Die Perspektive der Kunst: „Hidden Heroes“
Künstlerin Denise „Nietze“ Schmidt weiß aus Erfahrung, wovon sie spricht. 2022 erhielt sie selbst die Diagnose Endometriose. Mit ihrem Fotoprojekt „Hidden Heroes“ macht sie seitdem auf die Erkrankung aufmerksam.
„Das Projekt ist eine Einladung zum Dialog“, sagt sie. Vor ihrer Kamera stehen nicht nur Betroffene, sondern auch Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen, Pflegekräfte und sogar Politikerinnen und Politiker. Mehr als 40 Betroffene hat sie bereits porträtiert. Jedes Bild hat einen eigenen Blick auf die Krankheit und die Lebensrealität der Betroffenen.
„Endometriose wird das Chamäleon der Medizin genannt“, erklärt Nietze. Im Durchschnitt vergehen sechs bis zehn Jahre, bis die Krankheit erkannt wird.
Für viele sei die Diagnose dann „bittersüß“: Einerseits die Erleichterung, endlich ernst genommen zu werden; andererseits die Enttäuschung, dass es trotz allem noch immer keine Heilung gibt – nur die Behandlung von Symptomen.
Wissenschaft trifft Lebenswirklichkeit
An der Hochschule Coburg forscht Prof. Dr. Karin Meißner seit Jahren zu Diagnostik, Prävention und schmerzlindernden Therapieansätzen bei Endometriose.
Ihre Doktorandin Katharina Weiß untersucht die Lebensrealität von Menschen mit Adenomyose, einer verwandten Erkrankung, die ebenfalls starke Beschwerden verursacht. Ihr gemeinsames Ziel: Betroffene früher, besser und wirksamer zu versorgen.
Aufklärung, wo sie am dringendsten gebraucht wird
Ganz nah an den Betroffenen arbeitet auch Sandy Gruber vom Verein Helden in Strumpfhosen – Endometriose-Aufklärung und Selbsthilfe in Bayern e. V.. Der Verein bietet nicht nur Selbsthilfegruppen an, sondern geht mit Schulprojekten aktiv dorthin, wo Wissen über den weiblichen Zyklus und über Menstruationsschmerzen noch immer fehlt: in Klassenzimmern.
Großes Interesse – und ein großer Bedarf
Das Publikum war dankbar für die Einblicke, die persönlichen Geschichten und den offenen Austausch. Der Raum in der Alten Kühlhalle war randvoll – mehr Anmeldungen hätten die Kapazitäten gesprengt.
„Ich bin wirklich überrascht über das große Interesse und sehr zufrieden mit dem Abend“, sagte Prof. Dr. Karin Meißner nach der Veranstaltung.
Kontakt zur Selbsthilfegruppe in Coburg
Die Coburger Selbsthilfegruppe zu Endometriose freut sich über Kontaktanfragen. Kontaktperson ist Laura Walter (laura_klaus@gmx.de).
Infos zur Endometriose-Petition
Doktorandin Katharina Weiß hat eine Petition für die flächendeckende Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Endometriose und Adenomyose gestartet. Die Petition fordert: mehr spezialisierte gynäkologische Praxen, besseren Zugang zu zertifizierten Endometriose-Zentren und ein bundesweites Fachnetzwerk. Nur so lassen sich frühe Diagnosen, hochwertige Behandlung und echte Versorgungsgerechtigkeit erreichen.






























