Senioren
Die Werkstatt für Männer mit und ohne Demenz
Für handwerklich interessierte Männer mit Demenz gibt es in Coburg nun eine besondere Einrichtung. Sie wurde zum größten Teil gespendet.
Für handwerklich interessierte Männer mit Demenz gibt es in Coburg nun eine besondere Einrichtung. Sie wurde zum größten Teil gespendet.
Foto: Christoph Winter
F-Signet von Winter Christoph Fränkischer Tag
Coburg – Einmal in der Woche bietet der ASB in Coburg eine spezielle Art der Betreuung an.

Hans* hat die Mitte seines siebten Lebensjahrzehnts schon längst überschritten. Zusammen mit Josef* baut er ein Vogelhaus zusammen. Während Hans die Wände des Häuschen hält, treibt Josef mit geübten Schlägen die Nägel ins Holz. Die beiden älteren Herren stehen nebeneinander in der Werkstatt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Coburg. Jeden Freitagvormittag ist die Werkstatt im ASB-Wohnpark am Max-Böhme-Ring geöffnet.

Zu den Angeboten des ASB kamen meist Frauen, nun sollen sie auch verstärkt Männer nutzen können

„Die Werkstatt“ ist ein Betreuungsprojekt für Männer. „Bereits seit Jahren bieten wir für Seniorinnen und Senioren mit Demenz stundenweise Betreuungsgruppen an“, erklärt Matthias Neuf vom ASB. Hier erleben unsere Gäste eine attraktive Tagesstruktur und Beschäftigung. Pflegende Angehörige haben während der Betreuung Zeit für sich, um eigene Termine wahrzunehmen oder einfach nur um vom Pflegealltag abzuschalten. „Wir haben uns aber seit längerem gefragt, warum nahezu nur Frauen in den drei Betreuungsgruppen zu Gast sind, obwohl die Menschen mit Demenz in der Mehrzahl Männer sind.“ Ab und zu sei ein Mann gekommen, um das Betreuungsangebot kennenzulernen. „Aber die Männer können mit Zeitungsrunden, Malen oder Kaffeekränzchen nichts anfangen und blieben weg.“

Für die Betreuung von Männern mit Demenz hat der Coburger Arbeiter-Samariter-Bund nun eine eigene Werkstatt eingerichtet. Am Max-Böhme-Ring kann in der komplett eingerichteten Werkstatt nach Her-zenslust gewerkelt werden.
Für die Betreuung von Männern mit Demenz hat der Coburger Arbeiter-Samariter-Bund nun eine eigene Werkstatt eingerichtet. Am Max-Böhme-Ring kann in der komplett eingerichteten Werkstatt nach Her-zenslust gewerkelt werden.
Foto: Christoph Winter

Abhilfe schafft „die Werkstatt“. Sägen, streichen, hobeln – wer sein Leben lang gerne gewerkelt oder im Handwerk gearbeitet hat, verlernt handwerkliche Tätigkeiten nicht so leicht und kann diese Kenntnisse auch bei einer Demenz wieder entdecken. Diese Kenntnisse will „die Werkstatt“ fördern.

Am 1. Oktober geht es mit der neuen Betreuungsgruppe „Werkstatt“ des ASB los

Deshalb gibt es ab dem 1. Oktober beim Arbeiter-Samariter-Bund Coburg eine Betreuungsgruppe vornehmlich für Männer. „Selbstverständlich können auch Frauen dieses Angebot wahrnehmen“, stellt ASB-Geschäftsführer Thomas Schwesinger fest. Lebhaftes Interesse kommt auch aus dem benachbarten Seniorenheim des ASB. In dem hellen Raum im Tiefparterre am Max-Böhme-Ring gibt es Werkbänke mit Schraubstock, eine Ständerbohrmaschine, Hämmer, Sägen und Feilen, Schraubenschlüssel verschiedenster Art und Elektro-Werkzeuge. Nach „Feierabend“ wird eine Brotzeit angeboten.

„Die erste Brotzeit übernehme ich“, bot bei der offiziellen Vorstellung sogleich Norbert Tessmer an. Die Werkstatt sei ein gelungenes Beispiel dafür, demenzkranke Menschen nicht sich selbst zu überlassen. „Die Ideen beim ASB sind unerschöpflich“, lobte er in seiner Funktion als Mitglied des ASB-Landesvorstandes.

Betreut werden die „Handwerker“ von gerontopsychiatrischen Fachkräften

Bürgermeister Can Aydin würdigte die neuen Wege und Formen beim Umgang mit dieser Krankheit. Betreut werden die „Handwerker“ von gerontopsychiatrischen Fachkräften. Die Werkstatt ist jeden Freitag in der Zeit von 9.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. Auf Wunsch werden die Teilnehmer von zu Hause abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht. Ehrenamtliche Helfer mit handwerklichem Geschick sind in „der Werkstatt“ willkommen.

Kontakt und Informationen: Telefon 09561-3551948, jana.beiersdorfer@asb-coburg.de

(*Namen von der Redaktion geändert)

Informationen zur Erkrankung Demenz

Am Anfang der Demenzerkrankung sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, im weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses.Die Betroffenen verlieren so mehr und mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Eine Demenz ist jedoch mehr als eine Gedächtnisstörung. In ihrem Verlauf kommt es auch zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Sprache, des Auffassungs- und Denkvermögens sowie der Orientierung.

Lesen Sie auch:

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: