Die ersten Fans warten schon, als Andreas Gabalier um 16.30 Uhr zum Interview auf den Schlossplatz bittet. Auch einige Medienvertreter sind da. Denn es kommt nicht allzu oft vor, dass der österreichische Musiker kurz vor einem Konzert zu einem Pressegespräch einlädt.
Interview nach dem Mittagsschlaf
„Ich bin soeben erst angekommen“, sagt Andreas Gabalier mit charismatischem Lächeln. Ein Mittagsschläfchen habe er gehalten. „Ich bin fast noch ein klein wenig gerädert von unserem gigantischen Wochenende in Kitzbühel.“ Untergebracht sei er unweit von hier, in einem Schlösschen, verrät er. Und eins kann er mit der Ehrenburg im Rücken schon sagen: „Ich bin begeistert und beeindruckt von der Kulisse hier.“ Städtekonzerte hätten eine ganz besondere Stimmung, sagt er. „Die Besucher sind natürlich meist schon in der Stadt und können sich dementsprechend mit einem Gläschen darauf einstimmen.“
„Ein Hulapalu auf uns“ heißt die Tour. Doch wofür steht der Begriff eigentlich? So ganz wollte er es nie beantworten, jetzt meint er: „Hulapalu ist eigentlich selbsterklärend. Es geht um die Liebe.“ Seine Fans feiern es jedenfalls und haben das Konzert in Coburg in Höchstgeschwindigkeit ausverkauft.
Er und das Team genieße den ganze „Wirbelwahnsinn“, wie er es bezeichnet. „Wir feiern das in vollen Zügen und sind dankbar, dass dieses Eintauchen in die VolksRock’n’Roller-Märchenwelt mehr denn je funktioniert.“ Warum findet das so große Resonanz? „Vielleicht sehnen sich die Leute nach einem kleinen Stück Märchenwelt in einer sehr schnelllebigen Zeit mit sehr viel Aufregung, Spaltung, Spannung, Sorgen, Bedenken.“
Märchenwelt trifft es vielleicht ganz gut – da ist schließlich auch nicht immer alles ganz so rosig, wie es vielleicht zunächst erscheint. Denn der 40-Jährige muss immer wieder Kritik einstecken. Veraltete Rollenbilder, homophobe und populistische Tendenzen: Dem Volksmusiker wird immer wieder vorgeworfen, rechte Ideen zu verbreiten. Der Skandal zum Cover des Albums „Volks-Rock'n'Roller“, auf dem er eine Pose macht, die Kritiker mit einem Hakenkreuz vergleichen, ist zum Beispiel ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt. Wie geht er damit um?
„Das sind Dinge, die sind längst vergangen und die habe ich mir auch nicht selbst eingehamstert. Doch für jener, die es nicht hören wollen, wird es wahrscheinlich immer so bleiben“, sagt er. Heute verdränge er es einfach, „weil ich mich über viele Jahre hinweg überall sehr oft gerechtfertigt habe, vieles klargestellt habe. Das ist mir aber auch ein Anliegen, weil diese Musik ausschließlich auf schönen Emotionen und positiv gelebter und erlebter Kultur beruht. Und das hat mir auch sehr weh getan, weil man schlicht und einfach die falschen Wörter mit sich im Zusammenhang liest.“
Gabalier: Musik mit Augenzwinkern?
Er habe seine Musik im Lauf der Jahre immer versucht, sehr zeitgemäß und auch mit dem nötigen Augenzwingern auf den Puls der Zeit zu bringen und „modern gelebte Tradition zu verkörpern.“ Aber es sei nun mal ein Haifischbecken. „Man hat damals nicht gewusst, wo man hineinspringt und was daraus wird. Ich versuche den Weg so vorbildlich wie möglich zu gehen, weil man als Mensch der Öffentlichkeit auch eine Verantwortung hat.“
Nach der Tour will der Musiker sich eigentlich erst einmal auf neue Musik konzentrieren. „Ich komme seit vier Jahren vor lauter Konzerten eigentlich kaum ins Studio, weil diese Tour, wenn man ehrlich ist – und daher auch der Titel – seit vier Jahren anhält.“ Verlängerung um Verlängerung sei auch der Grund, warum es in den letzten vier Jahren auch keine neue Platte gegeben habe. Da bliebe einfach auch die Kreativität ein bisschen auf der Strecke.
Doch er hat Pläne: „Ich werde mich im Winter selbst am Ohr ins Studio hineinziehen und dann haben wir hoffentlich nächstes Jahr neues Material am Start“, sagt er. Versprechen könne er seinen Fans aber nichts. Ob er Coburg noch einmal einen Besuch abstatten wird? „Wir werden sehen.“





















