Wenn ein Spitzenpolitiker eine Massenveranstaltung besucht, bedeutet das für die Sicherheitskräfte vor Ort immer einen Großeinsatz. Entsprechend akribisch geplant und vorbereitet war der Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) am frühen Samstagabend beim Samba-Festival in Coburg.
Und der Plan sah wie folgt aus: Söder trifft gegen 18 Uhr an der Hauptbühne am Schlossplatz ein. An diese kann er bis auf wenige Meter heranfahren; die Zufahrt erfolgt über die kleine Straße zwischen Landestheater und IHK.
18 Uhr: Personenschützer, Coburger Polizisten sowie Polizisten der Bereitschaftspolizei und sogar zwei Polizisten auf Pferden stehen bereit, um bei der Söder-Ankunft alles abzusichern. Auch zahlreiche Medienvertreter sind da, ebenso der Coburger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) und Samba-Chef Rolf Beyersdorf.
18.02 Uhr: „Er ist gleich da“, ruft einer. Söder war zuvor bei einem Termin Bad Rodach im Landkreis Coburg, die Ankunftszeit in der Stadt Coburg ist also gut planbar.
18.04 Uhr: Wo ist Söder? Am Landestheater zumindest nicht.
18.05 Uhr: Die auf Söder wartende Polizei am Landestheater bekommt mitgeteilt, dass der Ministerpräsident an einer anderen Stelle aus seinem Auto aussteigen und noch einmal übers Festivalgelände schlendern wird. Aber wo? „Irgendwo bei der Ehrenburg“, ruft einer.
18.06 Uhr: Personenschützer, Polizisten, Bereitschaftspolizisten, Medienvertreter, der Coburger Oberbürgermeister sowie Samba-Chef Rolf Beyersdorf rennen über den Schlossplatz in Richtung Wettiner Anlage.
18.07 Uhr: Personenschützer, Polizisten, Bereitschaftspolizisten, Medienvertreter, der Coburger Oberbürgermeister sowie Samba-Chef Rolf Beyersdorf bleiben kurz stehen: Wo genau wird Söder sein Auto verlassen? „Am Steintor“, ruft einer. Stadtrat Maximilian Forkel (CSU) schlägt daraufhin vor, den Weg durch die Ehrenburg zu nehmen. Dort muss man sich nicht erst einen Weg durch die Menschenmassen bahnen.
18.08 Uhr: Personenschützer, Polizisten, Bereitschaftspolizisten, Medienvertreter, der Coburger Oberbürgermeister sowie Samba-Chef Rolf Beyersdorf eilen im Sauseschritt durch die Ehrenburg. Als sie auf der anderen Seite, in der Steingasse, abgekommen sind, schauen sie Richtung Steintor. Wo ist Söder? Dort nicht.
18.09: Angeblich soll Söder in der Grafengasse vorfahren. Personenschützer, Polizisten, Bereitschaftspolizisten, Medienvertreter, der Coburger Oberbürgermeister sowie Samba-Chef Rolf Beyersdorf eilen daraufhin durch die Rückertstraße in Richtung Loreley.
18.10 Uhr: An der Loreley bleiben Personenschützer, Polizisten, Bereitschaftspolizisten, Medienvertreter, der Coburger Oberbürgermeister sowie Samba-Chef Rolf Beyersdorf ratlos stehen: In die Grafengasse kann Söder doch gar nicht hineinfahren! Diese Straße ist während des Samba-Festivals gesperrt.
18.11 Uhr: „Da kommt er“, ruft einer – und alle drehen sich um und schauen Richtung Steingasse. Tatsächlich, da kommt Söder!
Wie später zu erfahren war, hat wohl der Coburger Landtagsabgeordnete Martin Mittag (CSU) den Ministerpräsidenten spontan dazu überredet, vom ursprünglichen Plan abzuweichen.
Auch bei seinem letzten Besuch beim Samba-Festival hatte Söder ein Bad in der Menge genossen – sehr zum Leidwesen seiner Personenschützer….
Als Söder an diesem Samstag schließlich auf der Hauptbühne des Samba-Festivals am Landestheaters eintrifft, ist er voll des Lobes über die Veranstaltung: „Das ist ein super Festival!“
Festivalsprecher Thomas Apfel wollte von Söder wissen, ob man in Zeiten wie diesen überhaupt so ausgelassen feiern dürfe. Der Ministerpräsident hatte dazu eine klare Meinung: „Ja!“ Er erklärte das so: „ Wir denken auch immer an die, denen es im Moment nicht gut geht Wir brauchen aber auch die Kraft und die Lebensfreude, um diesen anderen Menschen dann wieder helfen zu können.“ Und Samba gebe nun einmal Kraft und Freude .
Söder sagte, dass er sich speziell für die jungen Menschen freue, die jetzt endlich wieder feiern könnten: „Denn sie hatten es die letzten zwei Jahre am schwersten.“
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