Wenn deutsche Punk-Urgesteine in Coburg rocken, dann ist auch ein Coburger Urgestein als Fan dabei!
Uwe Rückert, Inhaber des bekannten Welt-Ladens in Coburg, kam schon früh auf das Gelände der Kulturfabrik in Cortendorf: „Beatsteaks, ja, klar, da bin ich dabei! Stehen in einer Reihe mit den Ärzten und den Toten Hosen, einfach geile Musik!“ Schon mehrfach habe er sie gesehen, es sei einfach seine Richtung. „Wenn ich bisschen jünger wäre, wäre ich jedes Jahr in Wacken oder bei Rock im Park.“ Tochter Linda ist ein bisschen jünger – „ich habe die Beatsteaks aber auch schon drei oder vier Mal gesehen. Denn: Live sind sie mit ihren Studio-Sachen nicht zu vergleichen!“
Und das stimmt, das zeigten sie von der ersten Minute an am Samstag in Coburg. Ihre Show kennt nur eine Richtung – nach vorn. Und man muss weder viele Songs noch die Texte kennen, die Band schafft es sofort, Stimmung zu erzeugen.
Dabei sind die Beatsteaks musikalisch, so wie sie ihre Songs aufnehmen, vielschichtiger als andere Bands aus dem Genre. Hosen oder Ärzte eben. Da kommt es schon vor, dass das Schlagzeug einen zur Gitarre komplett gegenläufigen Takt spielt. Und dass sich durch die Jahre das Songwriting immer verändert hat, auch wenn es am Ende Beatsteaks blieb.
Wer nicht musikalisch in der Alternative- oder Punkrock-Szene zu Hause ist, kennt die Berliner Band vielleicht nur durch das Album „SmackSmash“ von 2004, mit der sie ihren Durchbruch hatte. Bezeichnend, dass der bekannteste Song daraus (der auch heute noch mit Abstand die meisten Streams bei Spotify hat) schon an vierter Stelle im Konzert über die Bühne ging: „Hand in Hand“ mit der Refrain-Zeile: „She ain't never gonna get wise.“
Für die Fans am Samstag – mit mehr als 3500 verkauften Tickets war es das erfolgreichste Konzert bei der diesjährigen Reihe in der Kulturfabrik Cortendorf – war das aber egal. Die Beatsteaks-Anhänger sind treu und damit auch textfest. Jeder Song wurde von den meisten komplett mitgesungen. Die meisten hörten gar auf die Ansage von Lead-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß: „Jetzt macht mal alle die Handys aus – wir machen hier ein Konzert wie früher.“
“„Diese Fans wissen immer auf sich aufzupassen und sich gegenseitig zu helfen. Diese Veranstaltungen sind für uns immer die Angenehmsten.“
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Und so war es und so – wie sich es gehört – war vor der Bühne der Moshpit. Pogen, ineinander springen, feiern, sich über die Köpfe der Menge zur Bühne durchreichen lassen, das gehört einfach dazu. Ist ein rabiater Spaß, führte aber auch in der Kulturfabrik, wie bei fast allen Punk- oder Metal-Konzerten, nicht zu Verletzungen. „Diese Fans wissen immer auf sich aufzupassen und sich gegenseitig zu helfen“, sagte Notärztin Gudrun. Sie stand mit anderen Rettungskräften in Bereitschaft am Rande, hatte aber nichts zu tun: „Diese Veranstaltungen sind für uns immer die Angenehmsten.“
Beatsteaks in Coburg: Punkrock nach Vorne bei HUK-Open-Air
Insgesamt also alle zufrieden. Mit der Show, dem Himmel, der sich von strahlend blau nach schwarz wandelte, und auch mit den musikalischen Einlagen, die die Band einbaute. Denn Punk nach vorne heißt nicht, dass es nicht auch besondere Musik-Momente gibt. Zum Beispiel, als sich alle eine kurze Pause gönnten, bis auf Gründungsmitglied und Gitarrist Peter Baumann. Alleine gab er eine Ballade zu Besten, anders als die anderen Songs der Band auf Deutsch. Naja, auf Berlinerisch, wa!?
„Aber deine Trauer wird vorbeigehn, dit weeß ick, dit kann ick dir ansehn
Bald wirst du wieder stolz und glücklich sein. Denn du bist schön, sogar schön, auch wenn du weinst.“
Schöner Abend. Einfach schön nach vorne.

















