Freitag, früher Nachmittag: Der Großparkplatz Anger in Coburg ist bereits gut gefüllt. Allerdings nicht mit parkenden Autos wie sonst im Jahr, sondern mit Wohnwagen, Campern und allerlei anderen Gefährten, in denen es sich irgendwie ein bisschen schlafen lässt. Denn regelmäßig zum Samba-Festival verwandelt sich der Anger in einen riesigen Campingplatz. Zusammen mit der gesperrten Busspur in der Bamberger Straße sowie weiteren Flächen auf der benachbarten Benno-Benz-Sportanlage ist hier Platz für rund 500 Fahrzeuge.
Besonders gemütlich geht es am Freitagnachmittag neben einem Wohnmobil mit Ravensburger Kennzeichen zu. Thomas Bott brutzelt auf einem Tischgrill sogenannte Ochsenfetzen. Beziehungsweise „Ochsenfetzle“, wie sie im Dialekt genannt werden. Seine Frau Sabine hat schon mal eine Flasche Sekt geöffnet und stößt mit ihrer Freundin Adriane Schiller auf ein schönes Wochenende in Coburg an.
„Wir sind das sechste oder siebte Mal hier“, erzählen die Botts. Sie mögen die Atmosphäre und die besondere Stimmung unter den vielen Menschen. „Jeder tanzt, alle lächeln – dieses Miteinander ist einfach toll“, sagt Sabine Bott. „Außerdem ist alles immer friedlich“, ergänzt Thomas Bott, „und die Organisation ist super.“
Seit Jahren schon hätten sie ihrer Freundin Adriane vom Coburger Samba-Festival vorgeschwärmt – und in diesem Jahr ist sie dann tatsächlich zum ersten Mal mitgefahren. Wie ist ihr erster Eindruck? „Die Stimmung ist wirklich mega!“
Gleich neben dem Wohnmobil der Botts haben Bea und Bea ihr Quartier aufgeschlagen. Wie bitte? Nun, beide kommen aus Stuttgart und haben jeweils den Spitznamen „Bea“. Einen Unterschied gibt es nur in der Schreibweise des vollständigen Namens zu erkennen: einmal die französische Variante „Beatrice“, einmal die spanische Version „Beatriz“.
Noch viel spannender als ihre Namen ist aber das Gefährt, das sie hinten am Van hängen haben. „Das ist ein Wohnwagen, Baujahr 1970“, erzählt Beatrice stolz. „Vor Jahren habe ich genau so einen Wohnwagen hier beim Samba-Festival gesehen – und seitdem wollte ich auch so einen haben!“ Im vergangenen Oktober hat es endlich geklappt: Nach langer Suche entdeckte sie im Internet eine entsprechende Verkaufsanzeige.
Beatrice und Beatriz spielen in der Stuttgarter Sambagruppe „Repicando“. Die meisten ihrer Mittrommler haben sich entweder ein Hotel gesucht oder nutzen die von Sambaco organisierte Möglichkeit, in einer Schule zu übernachten. Doch Bea und Bea fühlen sich rundum wohl auf dem Campingplatz. „Es sind so viele nette Leute hier!“ Während sie das sagen, lassen sie ihren Blick zu den Botts schweifen. Oh, wie gut diese Ochsenfetzen duften!
Auch bei Adriana Appot gibt es etwas Leckeres: „Feijoada!“ Beim brasilianischen Nationalgericht handelt es sich um einen Schwarze-Bohnen-Eintopf.
Nicht ganz so einladend sieht allerdings ihr Nachtquartier aus: In ihrem Auto hat Adriana einfach nur die Rückbank umgeklappt und durch den Kofferraum eine Luftmatratze hineingeschoben. Auch ihr guter Bekannter Eberton Bachposar will und soll dort während des Festivals schlafen. Ob das klappt? „Ach, wir werden sowieso kaum schlafen“, sagt Eberton und lacht. Sie haben fest vor, auch die Shows im Kongresshaus zu besuchen, die ja bis tief in die Nacht gehen. „Wir wollen hier keine Zeit verlieren – wir wollen viel genießen!“
Adriana und Eberton freuen sich auch deshalb so sehr auf dieses Wochenende, weil sie zwar seit vielen Jahren in Ansbach leben, aber ursprünglich aus Brasilien kommen. In Coburg haben sie sich – unter anderem – mit ihren Freundinnen Juliana und Lucynes verabredet, die in Ulm leben, aber ebenfalls aus Brasilien stammen. Dass es hier in Oberfranken eine Stadt gibt, in der sie ein Mal im Jahr die Kultur ihrer Heimat feiern können, finden sie großartig. Lucynes schwärmt: „Coburg ist ein Stück Brasilien in Deutschland!“
Susi und Wolfgang aus Kehlheim sind zum ersten Mal beim Samba-Festival in Coburg. „Ich bin großer Brasilien-Fan“, erklärt Wolfgang, „und deshalb wollten wir einfach mal beim Samba-Festival in Coburg dabei sein.“
Angereist sind sie am Donnerstagabend, und der erste Eindruck ist prima: „Wahnsinn, was hier los ist!“ Bereits jetzt haben sie das Urteil gefällt, dass Coburg „eine Reise wert“ sei. Und sie sagen: „Wir sind bestimmt nicht zum letzten Mal hier.“ Das nächste Mal schauen sie sich die Stadt dann vielleicht außerhalb von Samba an, sozusagen im „Normalzustand“.
Shoppen am Samstag
Seit mehr als zehn Jahren besuchen Erna und Rupert Haas aus Augsburg das Samba-Festival. Vor Jahren haben sie – auf dem „Campingplatz Anger“ – Gerhard Freudenberger aus Herzogenaurach kennengelernt. Just an diesem Freitagnachmittag wurde die Clique um Cristina Nehmer und Harald Ruck erweitert, die aus der Nähe von Regensburg angereist sind und zufällig einen Stellplatz gleich neben dem Team Haas/Freudenberger zugeteilt bekommen haben. Sofort war man auf einer Wellenlänge, und sofort wurde miteinander angestoßen.
Erna Haas freut sich aber nicht nur auf das eigentliche Festival mit der Musik, die sie so mag, und der Atmosphäre. „Samstags gehe ich immer schön einkaufen“, sagt sie. Im Visier hat sie vor allem Bekleidungsgeschäfte.
Samba günstiger als Queen
Rupert Haas hat mitbekommen, dass es in Coburg manchmal Kritik an den vermeintlich zu hohen Eintrittspreisen gibt. Er sieht das überhaupt nicht so. „Donnerstagabend standen wir mit unserem Wohnmobil in Bad Staffelstein. Da gab es gleich nebenan das Konzert einer Queen-Coverband. Die Band war zwar gut, aber der Eintritt hat 49 Euro gekostet – für ein Konzert, das eine Stunde und 45 Minuten gedauert hat!“ Das Ticket, das an allen drei Tagen zum Eintritt zum Samba-Festival berechtigt und somit zig Konzerte und Shows beinhaltet, kostet jetzt an der Festivalkasse 37 Euro. In der ersten Vorverkaufsphase kostete es 26 Euro.
Gerhard Freudenberger macht sowieso eine ganz andere Rechnung auf: „Ich würde ja gerne mal nach Brasilien – aber das ist so weit weg! Da fahre ich lieber mal schnell von Herzogenaurach nach Coburg.“ Seine Frau sei allerdings zu Hause geblieben. „Ihr ist das zu laut!“
Wie in Brasilien!
Cristina Nehmer und Harald Ruck hingegen gönnen sich ein Mal im Jahr einen längeren Aufenthalt in Brasilien. Schließlich ist das die Heimat von Cristina Nehmer. Aber jetzt ist erst mal wieder Samba in Coburg dran. Seit knapp zehn Jahren kommen sie regelmäßig zum Festival. Sie lieben die Musik und den Rhythmus, genießen das besondere Flair in den Gassen. „Man hat das Gefühl, man ist wirklich in Brasilien!“
Lesen Sie auch:






















