Begonnen hat alles mit einem lustigen Video während der Pandemie, heute kann sie davon leben. Carefree Hamuyela ist 24 Jahre alt und Content Creatorin. Allein auf TikTok folgen der Coburgerin über 400.000 Menschen und lassen sich von ihren Lifestyle-Videos inspirieren.
Wir haben die Influencerin in einem ihrer Lieblingscafes „das Johann“ auf einen Kaffee getroffen. Im Interview erzählt sie, warum sie gerne ein „Kleinstadt-Mädchen“ ist, wie sie zu ihrem Erfolg steht und was die Schattenseiten sind.
Frau Hamuyela, Sie sind in Coburg aufgewachsen und wohnen auch heute noch hier. Es ist ja doch eher eine Kleinstadt. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Tätigkeit als Content Creatorin?
Carefree Hamuyela: In einer Großstadt wie Berlin gibt es beruflich natürlich mehr Möglichkeiten, und ich habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt. Aber in eine Großstadt kann ich immer reisen, wenn es beruflich notwendig ist. Und ich schätze es sehr, hier meine Base zu haben. Coburg ist einfach familiär und intim. Und jedes Mal, wenn ich weg bin und wieder nach Hause komme, und die Tür aufschließe, habe ich ein Grinsen auf dem Gesicht.
Können Sie uns einen Einblick in die Anfänge Ihrer TikTok-Karriere geben?
Ich bin 2019 zum Studium nach Bamberg gezogen und war dann erst mal auf mich gestellt. Ich studiere Kommunikationswissenschaft und wollte immer in Richtung Moderation gehen. Zur Corona-Zeit ist dann TikTok richtig groß geworden, und ich habe dann einfach angefangen, Videos hochzuladen – rein zum Spaß – und dann hat eins zum anderen geführt.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Video?
Das war tatsächlich zu dem Sound „I’m bored in the house“, der damals total beliebt war. Ich habe in den Anfängen vor allem viel Aufklärung, unter anderem zum Thema Rassismus, gemacht. Später bin ich dazu übergegangen meinen Alltag zu filmen und das kam gut an. Im Sommer letzten Jahres sind mir dann immer mehr Leute gefolgt. Irgendwann habe ich dann meinen Job als Werkstudentin gekündigt. Ich habe gemerkt, wenn ich bei meinem Kanal jetzt 100 Prozent gebe, dann kann ich tatsächlich mein Hobby zum Beruf machen und davon leben.
Carefree ist Ihr richtiger Vorname. Welche Bedeutung steckt dahinter?
Tatsächlich gibt es dazu keine spannende Geschichte. Meine Eltern fanden den Namen einfach schön. In der Schulzeit war der Name allerdings nicht so vorteilhaft, da wurde sich schon etwas lustig drüber gemacht. Heute finde ich ihn eigentlich ziemlich cool. Viele denken, es ist mein Künstlername und es passt auch zu meinem Content und meiner Lebensart.
Der Name, der auf Deutsch so viel bedeutet, wie sorglos, ist also Programm?
Ja, quasi.
Ihnen folgen allein auf TikTok über 400.000 Menschen. Ist das manchmal surreal?
Ich sitze immer noch total oft da und denke mir, wie absurd das Ganze eigentlich ist. Diese Zahlen sind auch kaum greifbar. Ich arbeite, seit ich 14 Jahre alt bin und hatte schon so viele Jobs. Als ich mein erstes Video hochgeladen habe, hätte ich nie gedacht, dass das mal meine Brötchen bezahlen wird. Mich freut es besonders, auch meinem Umfeld, meiner Familie etwas zurückzugeben. Ich habe meinen Brüdern zum Beispiel den Führerschein finanziert.
Sie teilen vor allem Ihren Alltag und nehmen die Community zum Beispiel mit durch ihre Morgenroutine. Wie sehr wird ihr Tag von der Video-Produktion diktiert?
Ich denke, dass gilt für viele, die selbstständig sind, aber der Kopf rattert immer. Bei Plattformen wie TikTok ist es wichtig am Ball zu bleiben, sonst bestraft dich der Algorithmus. Ich sitze also tatsächlich bis Abend häufig am Laptop oder Handy und arbeite, beantworte zum Beispiel Nachrichten und Kommentare. Und was viele nicht sehen: Hinter einem einminütigen Video stecken auch gerne mal vier Stunden Rohmaterial und viel Arbeit. Man kann also sagen: Ich habe eine niedrige Schrittzahl und eine hohe Bildschirmzeit.
Wie hat sich Ihr privater Social-Media-Konsum verändert?
Ich habe einen viel analytischeren Blick entwickelt. Und um das Ganze besser zu trennen habe ich auch einen privaten Account, mit dem ich nur meinen engsten Freunden folge und zum Beispiel Nachrichtenplattformen.
Haben Sie eigentlich einen Plan B, falls die Sozialen Medien irgendwann zusammenbrechen sollten?
Ich habe schon immer das gemacht, worauf ich Lust hatte und was mir Spaß macht – und das gilt auch für Social Media. Falls es wegbrechen sollte, werde ich etwas anderes finden. Ich werde das machen, was mich glücklich macht, und meine Brötchen bezahlt.
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Thema Hass im Netz: Wie gehen Sie mit Hasskommentaren um?
Am Anfang hatte ich große Probleme damit, dass im Internet jeder meint, er müsse ungefragt seine Meinung äußern. Ich habe mir das wirklich zu Herzen genommen und bin darauf eingegangen. Heute weiß ich, wenn jemand das Bedürfnis hat, etwas Negatives zu schreiben, ist dieser Mensch einfach unzufrieden mit sich selbst. Aber ich muss tatsächlich sagen, dass ich eine tolle und liebe Community habe und das wirklich wenig vorkommt.
Sie sind neben TikTok auch auf Instagram aktiv. Wie unterscheiden sich die Plattformen?
Also Instagram ist tatsächlich intimer. Ich bin dort auch sehr viel im direkten Austausch mit meiner Community, zum Beispiel über Direktnachrichten. Viele öffnen sich auch mir gegenüber und erzählen Privates. Ich weiß das total zu schätzen, aber bei manchen Themen bin ich überhaupt nicht der richtige Ansprechpartner, wie bei mentalen Krankheiten, aber das kommuniziere ich dann auch.
Werden Sie eigentlich auf der Straße erkannt?
Ja, eigentlich immer.
Und wie ist das so?
Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Doch gerade am Anfang war es mir sehr unangenehm, muss ich ehrlicherweise sagen. Ich bin ein sehr introvertierter und privater Mensch. Es war sehr überwältigend und hat bei mir zum Teil auch Panikattacken ausgelöst. Es ging so weit, dass ich gar nicht mehr rausgegangen bin. Ich wusste, okay, um 13 Uhr ist Schulschluss, da laufen alle vom Berg runter, da gehe ich jetzt lieber nicht raus. Heute meide ich es immer noch am Samstag in die Stadt zu gehen und gehe auch eher mit den Rentnern um 7 Uhr einkaufen. Ich habe aber gar nichts dagegen, wenn man mich nett anspricht und nach einem Foto fragt. Es ist nämlich auch schön, die Menschen hinter den Zahlen kennenzulernen. Was natürlich gar nicht geht, ist es mich heimlich zu filmen oder mir hinterherzulaufen, aber das sollte selbstverständlich sein.
Was ist denn Ihr Ausgleich?
Ich versuche mittlerweile mehr spazieren zu gehen und Sport zu machen, aber dabei habe ich auch oft im Hinterkopf, dass ich das eigentlich auch mitfilmen könnte. Manchmal laufe ich auch zu meinen Nichten und sitze mit ihnen im Kinderzimmer. Sie freuen sich immer sehr mich zu sehen und ich freue mich total, dass sie mich mal drei Stunden ablenken. Aber auch mein Glaube und in die Kirche gehen, sind ein wichtiger Ausgleich. Letzte Woche war ich fast gar nicht zu Hause, und da habe ich mich sehr auf Sonntag gefreut. Da kann ich einfach mal den Kopf ausschalten.
“Ich habe mal über ein halbes Jahr meine Morgenroutine mitgefilmt und dann irgendwann gedacht, wie krank es eigentlich ist, dass ich morgens aufstehe und das Erste, was ich mache, ist mein Handy für drei Stunden aufzustellen.
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Es ist sicher die Krux am Lifestyle Content, dass eigentlich alles Inhalt sein kann, oder?
Schon. Ich filme ich eigentlich fast alles mit, was ich mache. Viele Kolleg*innen fühlen den Druck, immer „performen“ zu müssen. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine offene Kommunikation da von der Community geschätzt wird und es auch verstanden wird, wenn ich mich mal zwei Tage nicht melde. Ich habe mal über ein halbes Jahr meine Morgenroutine mitgefilmt und dann irgendwann gedacht, wie krank es eigentlich ist, dass ich morgens aufstehe und das Erste, was ich mache, ist mein Handy für drei Stunden aufzustellen. Ich habe dann ein halbes Jahr lang keine Morgenroutine mehr gefilmt und jetzt macht es mir wieder Spaß. Inzwischen stelle ich mir immer die Frage: Was ist für mich gerade besser? Aber man muss es sich auch erlauben können.
Welches berufliche Highlight gab es im vergangenen Jahr?
Ich habe dieses Jahr vier Mädels aus der Community in ein Haus im Osten von Berlin eingeladen und das Wochenende gemeinsam mit ihnen verbracht. Es war toll, mal die Menschen kennenzulernen, die hinter den Zahlen stecken. Und ich habe dieses Jahr ein Dankbarkeitsjournal veröffentlicht. Ich schreibe selbst, seit ich 19 Jahre alt bin, Tagebuch, und ein eigenes zu gestalten, war schon lange ein Traum.
Irgendwelche Ziele für das kommende Jahr?
Ich hoffe, dass Social Media mich weiterhin glücklich macht, dass ich weiterhin ein paar Menschen inspiriere, dankbarer durchs Leben zu gehen. Und ansonsten schaue ich einfach mal, was das Jahr so bringt.
Steckbrief
Carefree Hamuyela ist gebürtige Coburgerin. Die 24-Jährige hat am Alexandrinum Abitur gemacht und studiert aktuell Kommunikationswissenschaft im dreifachen Bachelor mit den Nebenfächern Anglistik und Europäische Ethnologie.
Das Interview führte Julia Scholl













