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Personalwechsel in Coburg
Landestheater: Dieses Trio gibt künftig die Richtung vor
Die neue künstlerische Leitung des Landestheaters Coburg beim Pressegespräch am Mittwoch (von links): der künftige Intendant Ulrich Peters, der künftige Ballettdirektor Hans Henning Paar und der künftige Schauspieldirektor Frank Behnke.
Die neue künstlerische Leitung des Landestheaters Coburg beim Pressegespräch am Mittwoch (von links): der künftige Intendant Ulrich Peters, der künftige Ballettdirektor Hans Henning Paar und der künftige Schauspieldirektor Frank Behnke. // Foto: Oliver Schmidt
Coburg – Ulrich Peters wird ab 1. Juni Interimsintendant am Landestheater Coburg. Mit Frank Behnke und Hans Henning Paar bringt er einen Schauspiel- und auch einen Ballettdirektor mit. Wer sind die drei?
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Das Personalkarussell am Coburger Landestheater dreht sich: Ulrich Peters wird bereits ab 1. Juni 2026 Interimsintendant. Zur neuen Spielzeit steigen dann auch Frank Behnke als Schauspiel- sowie Hans Henning Paar als ballettdirektor ein.

Das Landestheater hat zu allen drei Personen umfangreiche Lebensläufe veröffentlicht.

Wer ist Ulrich Peters?

Ulrich Peters wird für zwei Spielzeiten Intendant des Landestheaters Coburg.
Ulrich Peters wird für zwei Spielzeiten Intendant des Landestheaters Coburg. // Foto: Oliver Schmidt

Zum künftigen Intendanten heißt es: Ulrich Peters wurde am 29. August 1955 in Stuttgart geboren. Noch während seines Doppelstudiums der Literatur- und Theaterwissenschaft und Betriebswirtschaft an der Universität in München arbeitete er als Regieassistent von Jean Pierre Ponnelle, August Everding und Nicolas Joel in Strasbourg, Stuttgart und Freiburg, wo er nach Abschluss des Studiums 1982 mit Cavallis “L’Ormindo” und Strauss’ “Ariadne auf Naxos” seine ersten Inszenierungen herausbrachte. In den Folgejahren arbeitete er mit Regisseuren wie Ken Russel, Maurice Bejart, Luc Bondy und Karl Ernst Hermann in Genf und Brüssel, Gast-inszenierungen in Schauspiel, Oper, Operette und Musical führten ihn daneben an verschiedene deutsche Theater.

1987 wurde er als Erster Spielleiter ans Bremer Theater berufen, wo er neben diversen Inszenierungen dort und an anderen Opernhäusern im In- und Ausland über “Die Oper des 17. und frühen 18. Jahrhunderts auf der modernen Opernbühne“ promovierte.

1991 folgten sechs spannende Jahre als Oberspielleiter des Musiktheaters am Pfalztheater Kaiserslautern, das in dieser Zeit bei der „Opernwelt“ - Kritikerumfrage zweimal in der Rubrik „Opernhaus des Jahres” genannt wurde. 

Neben Regiearbeiten in Kaiserslautern führten Gastinszenierungen Peters u.a. nach Heidelberg, Würzburg, Braunschweig, Osnabrück, Bremen, Dortmund, Magdeburg, St. Gallen und Stockholm. Seine „Xerxes“-Inszenierung zur Eröffnung der 46. Händelfestspiele 1997 in Halle brachte Peters in der „Opernwelt“-Kritikerumfrage zwei Nennungen in der Rubrik „Regisseur des Jahres” ein.

1997 wechselte er als Oberspielleiter des Musiktheaters und Leiter der „Händel-Festspiele“ ans Badische Staatstheater Karlsruhe. 1999 folgte die Berufung zum Intendanten ans Theater Augsburg. Es gelang ihm dort, mit einem ungewöhnlichen Spielplan vielfach am Rande des gängigen Repertoires dem Theater ein neues Profil zu geben und die Zuschauerzahlen innerhalb kurzer Zeit von 185.000 auf über 250.000 zu steigern. 

Von 2007 bis zur sanierungsbedingten Schließung 2012 leitete er das traditionsreiche Staatstheater am Gärtnerplatz in München, das in diesen Jahren einen Zuschauerboom zu verzeichnen hatte. 2012 wurde er zum Generalintendanten des Theaters Münster berufen. Sein Vertrag wurde 2017 aufgrund der künstlerischen Erfolge und seines modernen Führungsstils um weitere fünf Jahre verlängert und sollte im Sommer 2022 enden. Im Mai 2021 kam aus dem Kunstministerium in Stuttgart das Angebot, das renommierte Badische Staatstheater Karlsruhe von Herbst 2021 bis 2024 zu leiten, was Peters schließlich annahm.   

Als Regisseur zeichnet er mittlerweile für weit mehr als 100 Inszenierungen in den Bereichen Musiktheater (Oper, Operette und Musical) und Schauspiel verantwortlich. Regiearbeiten führten ihn unter anderem nach Dortmund, Magdeburg, Halle, Heidelberg, Osnabrück, Würzburg, Frankfurt, Salzburg, Innsbruck, Zürich, St. Gallen, Stockholm, Tokyo, Daegu (Südkorea) und an die Den Jyske Opera in Århus.

Wer ist Frank Behnke?

Zum künftigen Schauspieldirektor heißt es: Frank Behnke ist gebürtiger Hannoveraner und studierte Germanistik und Theaterwissenschaften an der Universität Hamburg. Engagements führten ihn unter anderem als Schauspieldramaturg an das Theater Osnabrück, als Chefdramaturg und stellvertretenden Schauspieldirektor von 2000 bis 2010 an das Staatstheater Nürnberg, sowie als leitenden Dramaturgen an das Schauspielhaus Hamburg. Von 2012 an war er Schauspieldirektor am Theater Münster, wo ihm ein auch überregional vielbeachteter künstlerischer Aufbruch gelang, was zahlreiche Preise und Festivaleinladungen belegen. 2019 war er Initiator und Programmleiter des NRW-Theatertreffens 2019. Im Rahmen des Förderprogramms des Landes NRW „Neue Wege“ etablierte Behnke im Schauspiel Münster einen Schwerpunkt für neue Dramatik mit zahlreichen Uraufführungen und Auftragsstücken.

Als Regisseur machte er durch vieldiskutierte Klassikeraufführungen und ungewöhnliche Stückentdeckungen auf sich aufmerksam. Er inszenierte unter anderem am Staatstheater Nürnberg, dem Theater Hof, dem E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg sowie am Theater Ingolstadt. Am Theater Hof ist er regelmäßig inszenierender Gast.

Seit der Spielzeit 2020/2021 ist Frank Behnke Schauspieldirektor am Staatstheater Meiningen. Im Spielplan ist momentan die Uraufführung „Biermann – Drachentöter“, ein deutsch-deutscher Abend über den Liedermacher Wolf Biermann basierend auf einer Textvorlage von Martin Heckmanns zu sehen, sowie im Repertoire die Produktionen „Thüringer Spezialitäten“ (UA) sowie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ (von Theresia Walser). Frank Behnke zeichnet als Schauspieldirektor am Staatstheater Meiningen eine klare Handschrift: Unter seiner Leitung hat sich ein engagiertes und selbstbewusstes Ensemble zusammengefunden, die Spielpläne sind in jeder Spielzeit geprägt von Uraufführungen/ Auftragswerken und Neuentdeckungen in einer guten Mischung mit Klassikern und Komödien. In der Spielzeit 2025/26 hat er ein neues Festivalformat („Woche der jungen Regie“) ins Leben gerufen.

In der Spielzeit 26/27, die das Motto „Unterhaltung mit Haltung“ trägt, wird Frank Behnke „Lied der Nibelungen“ von Roland Schimmelpfennig in den Kammerspielen inszenieren (Premiere: 27.11.2026) sowie im Großen Haus „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth (Premiere: 14.05.2027). Außerdem inszeniert er am Theater Hof in der kommenden Spielzeit „Der große Gatsby“ (Premiere Februar 2027). 

Wer ist Hans Henning Paar?

Sie sind die neue künstlerische Leitung des Landestheaters Coburg: Ulrich Peters (Mitte) übernimmt zum 1. Juni den Posten des Intendanten. Hans Henning Paar (links) wird Ballettdirektor, Frank Behnke wird Schauspieldirektor.
Sie sind die neue künstlerische Leitung des Landestheaters Coburg: Ulrich Peters (Mitte) übernimmt zum 1. Juni den Posten des Intendanten. Hans Henning Paar (links) wird Ballettdirektor, Frank Behnke wird Schauspieldirektor. // Foto: Oliver Schmidt

Zum künftigen Ballettdirektor heißt es: Hans Henning Paar zählt zu einer prägenden Persönlichkeit des deutschsprachigen Tanztheaters. Seine choreografische Handschrift verbindet die Präzision des klassischen Balletts mit der Ausdruckskraft des zeitgenössischen Tanzes und zeichnet sich durch eine starke Musikalität, psychologische Tiefe und eine reduzierte, bildstarke Ästhetik aus. Besonders hervorzuheben ist seine tänzerische Auseinandersetzung mit großen musikalischen Werken sowie literarischen Stoffen, die er in eigenständige, bewegungsstarke Bühnenwelten übersetzt.

Nach seiner Ausbildung als Stipendiat der Heinz-Bosl-Stiftung an der Hochschule für Musik und Theater München begann Hans Henning Paar seine Laufbahn als Tänzer. Von 1985 bis 1995 führten ihn Engagements als Solotänzer unter anderem nach Ulm, Gelsenkirchen, Dortmund sowie nach Curitiba in Brasilien.

Ab 1996 bis 2001 übernahm er erstmals die Leitung einer Compagnie als Ballettdirektor am Theater Nordhausen und von 1999 bis 2001 beim Staatstheater Kassel. 

Weitere Stationen folgten am Staatstheater Braunschweig (2001–2007) sowie am Staatstheater am Gärtnerplatz in München (2007–2012). 

Von 2012 bis 2022 war er Künstlerischer Leiter und Chefchoreograf des TanzTheaterMünster am Theater Münster. Dort formte er ein international beachtetes Ensemble und entwickelte zahlreiche Uraufführungen sowie spartenübergreifende Produktionen.

Gastchoreografien führten ihn an renommierte internationale Häuser, darunter die Staatsoper Ankara, die Staatsoper Danzig sowie das National Theater Hanoi. Für seine choreografische Arbeit wurde er bereits früh ausgezeichnet und erhielt unter anderem den 3. Preis beim Wettbewerb für Choreografen in Hannover.

Seit 2022 arbeitet Hans Henning Paar als freischaffender Choreograf und Systemischer Coach. Neben neuen choreografischen Projekten begleitet er Künstler*innen und Führungskräfte in kreativen und strukturellen Veränderungsprozessen.

Oberbürgermeister äußert sich sehr zufrieden

Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPSD) äußert sich sehr zufrieden mit der Personalentscheidung: „Mit Dr. Ulrich Peters und seinem künstlerischen Team konnten wir herausragende Persönlichkeiten für das Landestheater Coburg gewinnen. Diese Besetzung steht für künstlerische Qualität, Erfahrung und neue Impulse. Ich bin überzeugt, dass damit hervorragende Voraussetzungen für die kommenden Spielzeiten und insbesondere für die Jubiläumsspielzeit geschaffen sind.“

Anfang Juni soll auch noch der Posten des Generalmusikdirektors neu besetzt werden.

 

 

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