Alles ist so witzig an dieser neuen Produktion des Landestheaters Coburg. Sie ist von jenem Witz, der, wenn er länger anhält, die Menschen auf eine wunderbar beschwingte Ebene bringt. So gingen viele Besucher von „Kiss Me, Kate!“ am Samstag (10. Februar) tänzelnd und summend aus dem erneut vollen Globe.
Für Cole Porters erfolgreichstes Musical war allerdings auch ein hervorragendes Produktionsteam nach Coburg verpflichtet worden. Das hat sich ausgezahlt und wird sich weiter auszahlen. Mit Felix Seilers Inszenierung aus den jazzig kribbelnden Händen von Kapellmeister Roland Fister wird das Landestheater einmal mehr seinem Ruhm als herausragende Musicalbühne gerecht.
"Kiss me, Kate" am Landestheater in Coburg: Famose Jazz-Band
Bleiben wir gleich bei der Musik. Roland Fisters famose Jazz-Band wirft Cole Porters allseits bekannte Hits, allesamt Jazz-Standards, Schlager, Vorlagen für musikalische Fantasien in diversen Genres, mit solchem Schwung in die fantastische Akustik des neuen Rundtheaters, dass das Publikum schon von der ersten Nummer an applaudiert.
Von „Premierenfieber“ bis „Schlag nach bei Shakespeare“, aber fast mehr noch in vielen Überleitungen und Zwischenpassagen kommt man nicht nach, dem kompositorischen Einfallsreichtum von Cole Porter zu folgen, in der hier gebotenen rhythmischen Delikatesse, den mit Präzision gesetzten Glanzlichtern oder immer wieder auch im jazzig-symphonischen Rausch. Wunderbar, wunderbar, diese Nacht so…
"Kiss me, Kate" überzeugt mit entzückendem Spielwitz
Das trägt ein Darsteller-Ensemble, welches mit seinem Spielwitz einfach nur entzückt. Wobei Regisseur Felix Seiler eine Szene nach der anderen, einen seiner vielen inszenatorischen Einfälle nach dem anderen lässig und selbstverständlich ineinanderfließen lässt. Schmunzeln wird zur Grundhaltung bei diesem Theaterbesuch.
Dabei sind das Broadway-Stück wie seine Vorlage heute ja eine gender-spezifische Sauerei. Wer glaubt Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, die in „Kiss Me, Kate!“ von einer eher verzweifelten Theatertruppe als Spiel im Spiel gezeigt wird, noch einfach so bringen zu können – na, der soll nur kommen.
"Kiss me, Kate" am Landestheater Coburg in einem Wort: Traumhaft
Das Landestheater zieht sich befriedend geschickt aus der Affäre, mit entsprechend positionierenden Texten im Programmheft und akzeptablem Schluss. Traumhaft.
Vorher darf Rebekka Reister als temperamentsprühende Schauspielerin Lilli Vanessi/Katharina diesen mit allen Theaterwassern gewaschenen Daniel Carison als nach wie vor geliebten Theatermacher Fred Graham/Petruchio ordentlich würgen, auf beiden Bühnen. - Er darf sie aber nicht verklopfen.
Reister und Carison sind ein wunderbares Musical-Paar, beide mit dem klassischen stimmlichen Klangvolumen, auf dessen Grundlage im Jazzigen dann diese wie aus der Zeit fallenden Momente möglich werden.
"Kiss me, Kate" am Landestheater: Dirk Mestermacher mit Sondereinlage
Aber wie soll man denn bei so üppigem Personal die Freude an jedem einzelnen vermitteln? Clara Mills-Karzel als süßes Marilyn-mäßiges Luder Bianca, Robert Johansson als liederlicher Bill, Dirk Mestmacher wieder mit Sondereinlage, Simon van Rensburg, Martin Trepl und, herrje, dieses Ganovenpaar Konstantinos Bafas und Christian Huber – muss man gesehen haben.
Viel zu spät sprechen wir hier vom Chor des Landestheaters Coburg (Einstudierung Alice Lapasin Zorzit). Wie der singt und tanzt und spielt… Moment mal, wieso wirkt der so riesig? Diese Theaterzauberei ist nicht nur von klanglicher Natur, die hat auch Kostümbildner Lukas P. Wassmann vollbracht. Jede einzelne Figur, ob in Cole Porterscher Zeit oder in Shakespeares Historie, ist so einfallsreich und witzig gewandet, oft so schön.
Mitreißende Tanzszenen runden "Kiss me, Kate" ab
Choreograf Danny Costello schuf für den ganzen Trupp samt Teilen des Balletts mitreißende Tanzszenen, die immer wieder in üppigen Gesamtbildern gipfeln. Muss noch bemerkt werden, dass die Hauptdarsteller tänzerisch auch so einiges draufhaben?
Und wo spielt das Ganze? Dass der Bühnenraum im neuen Globe in seinen Möglichkeiten durchaus beschränkt zu nennen ist, lässt Darko Petrovics rotierendes Theater im Theater komplett vergessen. Drei hohe drehfähige Aufbauten in Backsteinoptik auf der eigentlichen Drehbühne – und wir haben Shakespeare-Bühne und intimen Backstage-Bereich, Pförtner-Koje, Gassen…
Alles greift so stimmig ineinander in diesem großen musikalischen Spaß des Landestheaters Coburg. – „Kiss Me, Kate!“ Bitte, bitte, ja.
Rund um „Kiss me, Kate!“ am Landestheater:
Musical-Tipp „Kiss me, Kate!“
Musikalische Komödie, Buch von Samuel und Bella Spewack, Musik und Songtexte von Cole Porter, neue Orchestration von Don Sebesko (Broadway 1999)
Produktionsteam
Regie: Fred Seiler
Bühne: Darko Petrovic
Kostüme: Lukas P. Wassmann
Choreographie: Danny Costello
Lichtregie: Andreas Rehfeld
Choreinstudierung: Alice Lapasin Zorzit
Dramaturgie: André Sievers
Besetzung
Fred Graham: Daniel Carison
Lili Vanessi: Rebekka Reister
Harrison Howell: Michael Lion
Gremio: Simon van Rensburg
Hattie: Stefanie Ernst
Bill Calhoun/Lucentio: Robert Johansson
Paul/Hortensio: Dirk Mestmacher
Harry Trevor/Baptista: Martin Trepl
Lois Land/Bianca: Clara Mils-Karzel
1. Ganove: Christian Huber
In weiteren Rollen: Luise Hecht, Sascha Mai, Eva-Maria Fischer, Jan Korab, Stefanie Ernst, Keiko Obei
Statisterie des Landestheaters Coburg
Chor des Landestheaters Coburg
Ballett des Landestheaters Coburg
Philharmonisches Orchester
Hintergrund Cole Porters (1881 bis 1964) „Kiss Me, Kate!“ ist eines der erfolgreichsten Musicals der Geschichte. Porter hat auch die Gesangstexte verfasst. 1948 uraufgeführt, erlebte es über 1000 Aufführungen am Broadway und gewann fünf Tony Awards. Es war 1955 auch das erste Musical, das auf einer deutschen Bühne gezeigt wurde. Das Buch stammt von Samuel und Bella Spewack. Das Landestheater Coburg zeigt es in einer deutschen Neubearbeitung von Peter Lund.
Termine und Tickets online unter landestheater-coburg.de, Tickets auch an der Theaterkasse am Schlossplatz, Tel. 09561/898989. Zahlreiche weitere Vorstellungen von „Kiss me, Kate!“ sind bis Mitte Juli geplant.
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