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Thomas D von den Fanta 4
„Bei jedem Album muss man sich wieder neu beweisen.“
Die Fantastischen Vier
Die Fantastischen Vier kommen 2025 nach Coburg. // moritzmumpikuenster_monsterpics
Coburg – Am 24. August spielen die Fantastischen Vier auf dem Schlossplatz. Im Interview spricht Thomas D über ihr neues Album, über die Zeitreise durch ihre Karriere – und über den Zauber von Live-Gigs.

Wenn man Eure neue Platte „Long Player“ hört, kann man den Eindruck gewinnen, Ihr geht sehr entspannt ins Studio und macht Euer Ding, weil Ihr wisst, dass es gut wird. Und man könnte denken, Ihr seid im deutschen Hip-Hop immer noch der Riese unter vielen Zwergen. Stimmt das, seht Ihr das so?

Thomas D: Überhaupt nicht. Die Geschichte, die man vorneweg hatte, zählt nicht. Jedes Mal, wenn man ein Album aufnimmt, muss man sich wieder in dem Moment beweisen, zeigen, dass man die Lorbeeren, die man vielleicht bekommen hat, auch wieder zu Recht bekommen hat. Früher haben wir noch stärker gedacht: Wenn wir EIN schlechtes Album machen, dann ist aller Erfolg wieder weg. Nach 36 Jahren Karriere ist das Gefühl vielleicht nicht mehr ganz so stark wie am Anfang, aber was wir öfter hören: „ihr könnt eh machen, was Ihr wollt“, das stimmt nicht. Die Schaffenszeit ist vielleicht für ein Album etwas länger geworden, weil man mehr nachdenkt, vieles, was man mitteilen will, schon mitgeteilt hat. Oder, mit dem Älterwerden denkt, man will gar nicht mehr alles unbedingt mitteilen.

Geht Ihr dann für ein Album mit einer Grundidee oder einem Konzept ins Studio?

Eine Grundvision ist immer da, die verwässert sich mit der Zeit der Arbeit an einem Album vielleicht etwas, aber da ist sie. Bei „Long Player“ sollte das Feeling „Back to the Roots“ rüberkommen. Der Soundeindruck sollte nicht retro sein, sondern einfach nur gut – fette Basses, ordentliche Sounds – aber der Gesamteindruck ein bisschen eine Reise in die – in unsere – Vergangenheit. 

Die letzten 3 Songs haben wir dabei übrigens mit der Rockband „Kadavar“ aus Berlin aufgenommen. Wir haben die mal kennengelernt und gesagt, wir müssen zusammen eine Platte aufnehmen. Dann hatten die immer mal zu viel zu tun, wir sind ja im Alter auch langsamer geworden (lacht). Aber die drei Songs waren da, die sollten nicht hinten rüber fallen. Die Stücke haben damit den Retro-Eindruck vielleicht ein bisschen geschwächt – aber insgesamt ist LP so etwas wie ein Sammelsurium von uns und unserer Geschichte die letzten Jahre. 

Das Retro hört man auch auf „44Tausend“, in dem Song feiert Ihr die Zeit des Anfangs in den Neunzigern. Wollt Ihr damit sagen, früher war schon vieles geiler?

Das nicht, auch wenn man das denken könnte. Auch der Song ist bewusst ein Bezug zum Old School-Thema. Viele Fans haben wir schon sehr lange und damit ist das dann eine Zeitreise durch deren eigenes Leben. Da erleben sie ihre Vergangenheit mit „Troy“ oder „Tag am Meer“. „44Tausend“ zielt darauf ab.

Ihr seid nicht nur DIE deutsche Hip-Hop-Gruppe, sondern – auch durch TV-Auftritte – so etwas wie ein Stück Kulturgut in der deutschen Medienlandschaft geworden. Wenn Ihr bei Konzerten auf der Bühne steht, was ist der besondere Zauber, den andere Sachen nicht haben?

Es gibt kein direkteres Feedback für das eigene Werk, und wenn man dann seine eigenen Hits spielt, mitbekommt, wie die Menschen bei „Troy“ abgehen, das ist schon eine Bank. Und das ist anders als bei anderen Künstlern. Ein Maler zum Beispiel malt ein Bild fertig, präsentiert das, aber dann malt er nicht immer wieder das gleiche und alle freuen sich: „Guck mal, noch ’ne Mona Lisa“. Bei uns, wenn wir unsere Werke wiederholen, füllen sie sich jedes Mal wieder neu mit Leben. Das Erlebnis gibt es nur, wenn wir das live machen. Und, es ist unser Hauptgeschäft. Klar, manchmal macht man was anderes, wird für TV-Auftritte angefragt, aber unsere gemeinsame Basis ist es immer noch, Platten zu machen. Allerdings: Platten, insbesondere CDs, sind heute tot. Die meisten Menschen hören keine Alben mehr, sondern ihre Playlists, das klassische Album ist ein Relikt aus Vergangenheit. Deshalb ist live unser Hauptgeschäft. Und wir machen eben neue Platten, um uns bei Laune zu halten. 

Ihr spielt auf unserem historischen Schlossplatz. Wie wichtig ist für Euch auf der Bühne das Ambiente drumherum, bekommt Ihr das mit?

Ja, es ist schon schön, wenn man zum Beispiel neben einem großen Dom spielt. Letztens waren wir in Dresden an der Carolabrücke, zu zwei Dritteln steht die ja noch. Und ich hatte Zeit, mir die Altstadt anzusehen, die wirklich schön ist. Das klappt nicht immer, oft haben wir keine Zeit, sehen nur Hotel und Backstage. Aber eine schöne Kulisse macht schon was aus. Andererseits: Am wichtigsten sind die Leute. Wir spielen ja auch auf Stadtfesten, zum Beispiel jüngst in Bad Mergentheim. Da sind die Menschen dann dankbar, dass wir zu ihnen kommen. Klar, wir haben auch viele Fans, die weit reisen, fast überall hin, um uns zu sehen. Aber bei solchen Konzerten kommen eben die Familien, die da leben und wo der Papa den Kindern mal zeigen will, zu was er früher selber abgegangen ist.

Freut Ihr Euch deswegen auf unseren Schlossplatz?

Ui, das habe ich gar nicht so im Kopf, waren wir da schonmal? Ganz ehrlich: Smudo führt für mich eigentlich komplett Buch über unsere Touren und sonst auch fast alles. Ich bin so gestrickt, dass ich mir Texte gut merken kann, sogar die von den anderen, viel mehr aber sonst nicht (lacht). Aber sagen wir mal so: Ich lass’ mich überraschen, wie schön es bei Euch ist! (Fanta 4 haben 2008 bereits einmal auf dem Schlossplatz gespielt, Anm. d. Red.) 

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