Von Beruf ist Thomas Eck Architekt – sein größtes Projekt in den vergangenen drei Jahren war das Globe. In seiner Freizeit war Thomas Eck in den vergangenen 17 Jahren auch so etwas wie ein Architekt: Als Präsident hat er die Coburger Narrhalla geführt, vorangebracht und auch ein bisschen „umgebaut“. Beim 120 Mitglieder zählenden Verein geht es längst um sehr viel mehr als nur ein bisschen Frohsinn im Fasching. Die Coburger Narrhalla ist auch in sozialer Hinsicht sehr engagiert.
Letzter großer Auftritt beim Gaudiwurm
Jetzt legt der 62-Jährige sein Präsidentenamt bald nieder. Seinen letzten großen Auftritt hat er am kommenden Sonntag, 11. Februar, beim Coburger Gaudiwurm (Start: 14 Uhr). Im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt redet Thomas Eck über viele schöne Begebenheiten und Begegnungen – und darüber, wie eigentlich alles begann.
Fangen wir doch mal ganz am Anfang an: Warum sind Sie vor 22 Jahren Mitglied der Coburger Narrhalla geworden? Waren Sie ein großer Fan des Faschings?
Nein, überhaupt nicht. Um ehrlich zu sein, war ich sogar ein Faschingsmuffel. Aber dann wurde mein Sohn Sebastian in der Session 2001/2002 Kinderprinz der Narrhalla – und das hat einiges in Gang gesetzt.
Wie meinen Sie das?
Zunächst mal muss man sagen, dass das mit Sebastian eine Idee des damaligen Narrhalla-Präsidenten Bernd Gevers war. Und Bernd war schon immer ein Stratege. Klar, er wollte Sebastian unbedingt als Kinderprinz – aber Bernd hat immer auch schon weitergedacht.
Das heißt: Bernd Gevers wollte über den Sohn an den Vater ran?
Möglich. Aber zunächst mal: Sebastian hat das - zusammen mit Verena Spielmann als Kinderprinzessin – wirklich super gemacht! Ich habe die beiden damals in der ganzen Session bei vielen Auftritten begleitet, und das hat mir gut gefallen. Vor allem gab es auch gleich einen sehr guten und herzlichen Kontakt zu vielen Mitgliedern der Coburger Narrhalla.
Sehr schnell kam es dann auch zu einem Auftritt in der sogenannten Taxi-Bütt.
Genau. Das muss 2003 gewesen sein, und zwar zusammen mit Richy Spielmann, dem Vater der besagten Kinderprinzessin. Wobei man ehrlicherweise sagen muss: Unser erster Auftritt in der Taxi-Bütt war vernichtend. Wir hatten gedacht, dass es reichen würde, wenn wir ein paar Witze erzählen. Aber dem war nicht so. Unser Auftritt war ein ziemlicher Rohrkrepierer …
Zur Taxi-Bütt kommen wir später noch einmal. Zunächst noch eine Frage zur Anfangszeit: Vom stolzen Prinzen-Papa zum Präsidenten war es ja ein gewaltiger Sprung.
2002 habe ich mich bei der Narrhalla angemeldet. Aber so richtig „Klick“ gemacht hat es beim ersten Gaudiwurm, bei dem ich oben auf einem Wagen mitgefahren bin. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als wir am Anger losgefahren sind und dann von der Schützenstraße nach links in die Ketschendorfer Straße einbogen: Da standen so viele Leute, die sich gefreut haben, dass wir jetzt kommen.
Anderen Menschen eine Freude machen – das zog sich anschließend wie ein roter Faden durch ihre Zeit als Präsident.
Ja. Wobei ich betonen möchte: Das lag nicht nur an mir, das ist vielen Menschen zu verdanken, die sich in der Narrhalla engagieren. Das gilt natürlich auch für unser soziales Engagement.
Die Gänseverlosung als vielleicht bekanntestes Projekt gab es ja schon seit längerem. Aber im Laufe meiner Präsidentschaft sind viele weitere Sachen dazugekommen. Ich habe es neulich mal zusammengerechnet: In 17 Jahren waren es über 50 Projekte, bei denen wir Geld- und Sachspenden in Höhe von rund 70.000 Euro überreichen konnten. Dazu noch Tausende Krapfen oder Quarkinis….
Welches der Projekte ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ach, das sind viele! Es sind zum Beispiel immer sehr schöne Begegnungen, wenn wir zusammen mit dem Prinzenpaar soziale Einrichtungen besuchen. Vor allem Kinder, die mit einem Handicap leben, nehmen uns sehr intensiv und dankbar wahr. Für mich persönlich wirken immer unsere Besuche im Hospiz sehr lange nach.
Sehr gerne denke ich auch die Begegnung in einem Seniorenheim zurück. In einem Rollstuhl saß eine ältere Frau, die an Demenz erkrankt war. Nach dem Auftritt unseres Prinzenpaares sagte sie plötzlich leise: Ich war mal Tanzmariechen! – Dann lächelte sie und schlummerte wieder weg. Dass sie uns also tatsächlich wahrgenommen hat, das hat mich sehr berührt. Toll, dass der Fasching so eine verbindende Kraft haben kann.
Wie war das in der Corona-Zeit, als plötzlich keine Begegnungen möglich waren?
Diese Zeit war bitter. Aber wir haben die Zeit auch genutzt: Wir haben zum Beispiel 1000 Schoko-Nikoläuse und 1000 Portionen Weihnachtsstollen an Pflegekräfte in Coburg verteilt. Die Resonanz war phänomenal. Ich hätte nicht gedacht, dass sich erwachsene Menschen so sehr über einen Nikolaus freuen können, der vielleicht 1,50 Euro kostet. Aber es war eben diese kleine Geste, wahrgenommen zu werden, über die sich viele der Pflegekräfte so sehr gefreut haben.
Zurück zur rein närrischen Seite des Vereins. Wie lustig sind denn die Coburgerinnen und Coburger Ihrer Einschätzung nach?
Sagen wir es mal so: Der Coburger ist grundsätzlich schon lustig, aber er muss manchmal etwas angeschoben werden.
Außerdem ist der Coburger von Haus aus eher anspruchsvoll. Es sollte alles ein gewisses Niveau haben.
Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um noch einmal über die Taxi-Bütt zu sprechen.
Ja, die war vor 20 Jahren eine reine Blödelei, inzwischen ist sie ernsthaft, soll die Geschehnisse in Coburg reflektieren. Auch hier gilt: mit Stil und nicht mit dem Holzhammer. Humor auf die Kosten anderer ist überhaupt nicht meine Welt.
Genau. Lieber nehmen Sie sich selbst auf die Schippe. Bis heute unvergessen ist Ihr Handtuch-Tanz aus dem Jahr 2015, bei dem sie zusammen mit Arthur Dewitz nackt auf der Bühne standen – die Intimbereiche jeweils nur durch kleine Handtücher bedeckt…
Am Ende war es nur ein Taschentuch! Können Sie sich vorstellen, dass das dazugehörige Video auf YouTube inzwischen fast neun Millionen Aufrufe hat? Neun Millionen!
Einen Link zum YouTube-Video finden Sie hier
Wenn Sie die vergangenen 17 Jahre Revue passieren lassen: Wie hat sich der Fasching oder auch „der Coburger“ verändert?
Ich habe den Eindruck, dass wir immer mehr Menschen erreichen. Und die Stimmung bei den Prunksitzungen hat sich am positivsten verändert. Das fängt schon damit an, dass inzwischen die meisten Gäste kostümiert kommen – und nicht mehr in Anzug und Abendkleid wie früher. Die Kleidung macht viel aus! Im Kostüm ist man einfach lockerer! Und wenn ich dann sehe, dass beim großen Finale mit dem Fanfarenzug alle aufstehen und feiern und der ganze Saal bebt, dann ist das wirklich ein großes Glücksgefühl.
Glücksgefühle bei der Prunksitzung und dem Gaudiwurm, dazu immer wieder schöne Begegnungen mit Menschen innerhalb und außerhalb des Vereins. Warum hören Sie jetzt trotzdem auf?
Weil die 17 Jahre als Präsident auch Kraft gekostet haben. Ja, ich bin sogar etwas müde. Ich höre aber auch deshalb auf, weil einfach viele jüngere Leute parat stehen. Diese haben neue Ideen, und diese Ideen werden der Coburger Narrhalla guttun, die Coburger Narrhalla weiter nach vorne bringen.
Ihren letzten großen Auftritt als Präsidenten werden Sie am Sonntag beim Gaudiwurm haben.
Ja, und da werde ich bestimmt wehmütig werden! Der Gaudiwurm lag mir immer besonders am Herzen: weil man einfach so vielen Menschen eine Freude bereiten kann.
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