Die Trauer um Franz Beckenbauer ist groß. Auch im Coburger Land hat der „Kaiser“, der am Sonntag im Alter von 78 Jahren gestorben ist, Spuren hinterlassen.
1979: Beckenbauer in Coburg
1979 war der „Kaiser“ zu Gast bei einer legendären Veranstaltung in Coburg. 2008 begeisterte er in Grub am Forst. Es ist zwar schon mehr als 40 Jahre her, doch Manfred Jenke kann sich an diesen denkwürdigen Abend noch immer gut erinnern. 1979 war’s, als kein Geringerer als Franz Beckenbauer zu Besuch in Coburg war. Der „Kaiser“, der zu dieser Zeit bei Cosmos New York unter Vertrag stand, war Ehrengast bei der Traditionsveranstaltung „Doktorsau“ im Sportheim des VfB Coburg.
Begeistert vom „Kaiser“
„Er war eine echte Persönlichkeit“, sagt Manfred Jenke, „und er hatte eine tolle Ausstrahlung.“
Jenke, der damals Vorsitzender der Alten Herren (AH) des VfB Coburg und somit Veranstalter der „Doktorsau“ war, kann sich auch noch gut an den Vortrag erinnern, den Beckenbauer hielt. „Er war sehr gewandt und konnte sich sehr geschliffen ausdrücken!“
Dazu muss man wissen: Die „Doktorsau“ war mehr als nur ein Sportlerstammtisch, zu dem jeweils ein prominenter Gast geladen wurde. Von diesem Gast wurde auch erwartet, dass er einen kurzen Vortrag hält.
Was war die Doktorsau in Coburg?
Die Veranstaltung „Doktorsau“ hatte Kult-Status beim VfB Coburg. Entstanden war sie durch eine lustige Aktion: Zu seiner Silberhochzeit im Jahr 1951 hatte der große Mäzen des VfB Coburg, Dr. Eugen Stocke, von der AH-Abteilung ein echtes, lebendes Glücksschwein geschenkt bekommen. Stocke freute sich so sehr darüber, dass er genau ein Jahr später die gesamte AH-Abteilung zu einer Schlachtschüssel einlud. Verspeist wurde jeweils eine Sau aus dem Stall des „Doktors“.
Sepp Maier und Uwe Seeler
Bald entstand die Idee, jeweils noch einen prominenten Gast aus der Welt des Sports einzuladen. Viele Sport-Größen kamen auf diese Weise auch mal nach Coburg. Zum Beispiel FCN-Legende Heiner Stuhlfauth (1957), der spätere Bundestrainer Helmut Schön (1961) oder auch Sepp Maier (1978) und Uwe Seeler (1982). Viele Hintergründe zur „Doktorsau“ gibt es zum Nachlesen im Digitalen Stadtgedächtnis von Coburg.
Beckenbauer-Besuch blieb bis zuletzt geheim
Den Besuch von Franz Beckenbauer 1979 in Coburg hatte Manfred Jenke über den Manager Robert Schwan eingefädelt. Dass tatsächlich der „Kaiser“ nach Coburg kommt, war übrigens bis zum Beginn der Veranstaltung streng geheim geblieben – auch das gehörte zum Konzept der „Doktorsau“. Das Geheimnis wurde immer erst dann gelüftet, wenn sich die Tür zum Saal im VfB-Sportheim öffnete und der AH-Vorsitzende mit dem Gast hereinkam.
Der Saal im VfB-Sportheim war bei der „Doktorsau“ immer proppenvoll. Rund 120 geladene Gäste passten hinein. Nach der Begrüßung durch den AH-Vorsitzenden folgte der kurze Vortrag des Gasts. Anschließend war noch viel Zeit zum Plausch und zum gemütlichen Beisammensein. Auch Franz Beckenbauer nahm sich 1979 noch viel Zeit, um Fragen seiner Coburger Fans zu beantworten.
Beckenbauer: Autogrammstunde beim Coburger Tageblatt
Beckenbauer übernachtete anschließend in Coburg und gab am darauffolgenden Tag noch eine Autogrammstunde in den damaligen Räumen des Coburger Tageblatts in der Löwenstraße.
Dezember 2008: Beckenbauer in Grub am Forst
Zu einem weiteren Besuch von Franz Beckenbauer im Coburger Land kam es im Dezember 2008. Auf Einladung des Unternehmers Erich Schramm war der „Kaiser“ zu Gast bei einer Veranstaltung im Gasthaus „Rennerwald“ in Grub am Forst.
Die Moderation hatte Uli Engel, und der sagte ganz ehrfurchtsvoll: „Jetzt sitzt er da als er einer von uns - einer, den wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen!“
Wegen Beckenbauer: In der Schule war früher Schluss
An der Veranstaltung im „Rennerwald“ nahmen mehr als 200 Gäste teil. Auch zahlreiche Nachwuchsfußballer des TSV Grub am Forst durften vorbeikommen und sich ein Autogramm holen. Kurios: Damit die Jugendlichen rechtzeitig zur Audienz beim „Kaiser“ erscheinen konnten, war in der Schule Grub am Forst an diesem Tag zehn Minuten früher Schluss mit dem Unterricht.
Ein Video von Franz Beckenbauer in Grub am Forst gibt es hier von iTV Coburg
Als Franz Beckenbauer den Saal betrat, gab es „Standing Ovations“, wie im damaligen Bericht des Coburger Tageblatts nachzulesen ist. Mit Blick auf den vollen Saal in Grub am Forst erlaubte sich Beckenbauer auch gleich eine launige Bemerkung: „Es muss hier ein glücklicher Landstrich sein – denn wer ist sonst schon in der Lage, sich an einem Freitagmittag in der Wirtschaft herumzutreiben.“
Beckenbauer und der Fraußenfußball
Ja, der „Kaiser“ war gut drauf an diesem Tag. So scherzte er auch über Frauenfußball. Denn kurz zuvor hatte er die WM in China und Neuseeland besucht. Sein bissiger Kommentar: „In zehn Tagen habe ich acht Frauenfußballspiele gesehen - jetzt reicht's.“
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