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Budenzauber in Coburg
Weihnachtsmarkt: Zwischen Glühwein und Giraffen
Max Schubart reicht eine Tasse Glühwein. Am Stand des Café Schubart gibt es aber auch Kaffee – und, vor allem: selber gemachten Orangenpunsch!
Max Schubart reicht eine Tasse Glühwein. Am Stand des Café Schubart gibt es aber auch Kaffee – und, vor allem: selber gemachten Orangenpunsch! // Oliver Schmidt
Coburg – Obwohl es zuletzt etwas regnerisch wurde: Der Weihnachtsmarkt in Coburg war 2023 wieder ein Erfolg. Händler erzählen, was sich am besten verkauft hat, was am liebsten getrunken wurde und warum das Hüttenbrot erst nach und nach zum Renner wurde.

„Anstrengend, aber schön.“ So bringt es Evelyn Schreiner auf den Punkt. Die Rödentalerin ist das ganze Jahr auf Märkten unterwegs und verkauft Schmuck aus Edelstahl.

„Weihnachten das wichtigste Geschäft“

Seit 2018 ist Evelyn Schreiner auch auf dem Coburger Weihnachtsmarkt, der an diesem Samstag (23. Dezember 2023) zu Ende geht. Ihr Umsatz sei so gut wie noch nie gewesen, erzählt sie. „Weihnachten ist inzwischen mein wichtigstes Geschäft!“

Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Evelyn Schreiner aus Rödental gibt es Schmuck aus Edelstahl.
Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Evelyn Schreiner aus Rödental gibt es Schmuck aus Edelstahl. // Oliver Schmidt

Am meisten verkauft hat Evelyn Schreiner Ohrringe. Aber auch die Nachfrage nach Ketten war gut. „Ich habe Kunden aus jeder Altersklasse“, berichtet sie. Da gehören Schülerinnen genauso dazu wie erwachsene Frauen – oder Ehemänner, die noch ein Geschenk brauchen. Ja, sagt die Rödentalerin, natürlich sei es anstrengend, täglich und bei jedem Wetter in der Bude zu stehen. „Deshalb freue ich mich auch, wenn jetzt erstmal Schluss ist.“ Doch gleich im nächsten Atemzug sagt sie: „Ich freue mich aber schon auf den Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr!“

Raffaello und Nutella

Die Teilnahme am Weihnachtsmarkt scheint so ein bisschen wie eine Sucht zu sein. Das wird auch im Gespräch mit Matthias Thierauf deutlich, der seit 1985 dabei ist. Im „Coburger Hexenhaus“ hatte er in diesem Jahr wieder allerhand Leckereien anzubieten. „Wir haben alleine zwölf Sorten an gebrannten Mandeln!“ Sehr beliebt seien vor allem die mit Schokoladenüberzug, und zwar entweder mit Raffaello- oder mit Nutella-Geschmack. Der absolute Renner seien aber nach wie vor die ganz klassischen gebrannten Mandeln. „Da reicht nichts heran!“

Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Matthias Thierauf im „Hexenhaus“ gibt es unter anderem 12 verschiedene Sorten gebrannte Mandeln.
Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Matthias Thierauf im „Hexenhaus“ gibt es unter anderem 12 verschiedene Sorten gebrannte Mandeln. // Oliver Schmidt

Die Bilanz von Matthias Thierauf fällt für dieses Jahr gut aus: „Wir sind zufrieden!“ Hinzu kommt noch dieses Erlebnis, das in Geld gar nicht aufzuwiegen ist: „Es macht mir einfach Spaß hier! Ich habe gerne mit fröhlichen Menschen zu tun.“ Sagt es, und schenkt der kleinen Amelie spontan noch ein Lebkuchenherz zu ihrer Tüte gebrannter Mandeln – Aufschrift: „Frohes Fest!“ Dass es an den letzten Tagen etwas regnerisch ist, nimmt Matthias Thierauf mit der Gelassenheit von 38 Jahren Markt-Erfahrung hin: „Am Wetter änderst Du nix!“

Hüttenbrot mit Lachs oder Speck

Ja, das Wetter war heuer so wechselhaft wie selten. „Der Schnee am ersten Wochenende war super“, sagt Karina Volk. Vom Umsatz her sei es für sie und ihr Team von der BBQ-Crew aber erst später besser gelaufen. Denn: „Wir stehen etwas versteckt in der zweiten Reihe, das musste sich erst herumsprechen.“ Im Angebot der BBQ-Crew: Hüttenbrot, und zwar mit Lachs, mit Speck oder vegetarisch. „Am meisten wurde mit Lachs und mit Speck bestellt!“ Als Grund dafür vermutet sie, dass es speziell im vegetarischen Bereich noch viele andere Speisen auf dem Weihnachtsmarkt gebe: Pommes, Kartoffelchips oder Käse-Galettes.

Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Karina Volk von der BBQ-Crew gibt’s Hüttenbrot.
Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Bei Karina Volk von der BBQ-Crew gibt’s Hüttenbrot. // Oliver Schmidt

„So richtig gut lief unser Geschäft immer erst so ab 17 Uhr“, berichtet Karina Volk. Klar, ab dann füllt sich der Glühwein-Treff rund ums Prinz-Albert-Denkmal. Und wer das eine oder andere Heißgetränk zu sich nimmt, braucht irgendwann auch mal einen Snack.

Viele Touristen in Coburg

Ganz anders der Tagesverlauf am Stand vom Café Schubart: „Wir haben oft schon am Vormittag Kaffee ausgeschenkt“, erzählt Max Schubart. Ansonsten sei erneut der selbst gemachte Orangenpunsch („unser Klassiker“) der Renner gewesen. Was Max Schubart in diesem Jahr aufgefallen ist: „Es waren sehr viele Touristen da!“ Oft hätten sich nette Gespräche ergeben, und immer sei geschwärmt worden, wie schön der Coburger Weihnachtsmarkt sei.

Schöner als das Schlossplatzfest?

Da drängt sich die Frage auf, was Max Schubart besser gefällt: der Coburger Weihnachtsmarkt oder doch das Coburger Schlossplatzfest, bei dem das Café Schubart ja ebenfalls eine Institution unter den beteiligten Gastronomen ist? Max Schubart entscheidet sich für eine diplomatische Antwort: „Beim Schlossplatzfest sehe ich mehr Coburger – zum Weihnachtsmarkt kommen auch viele Menschen aus dem Landkreis oder eben Touristen.“

„Die Leute trinken weniger“

Ralf Pazdera, der seit sage und schreibe 50 Jahren auf dem Coburger Weihnachtsmarkt dabei ist, spricht zwar ebenfalls von „sehr guten Besucherzahlen“. Allerdings sei sehr wohl zu spüren, dass viele Menschen inzwischen aufs Geld schauen müssen – weil gefühlt alles im Leben immer teurer werde. „Die Leute kommen zwar trotzdem noch zum Weihnachtsmarkt, aber sie trinken dann weniger.“

Wer glaubt, dass sich Ralf Pazdera die nächsten Tage und Wochen etwas ausruhen kann, der irrt übrigens. „Noch in der Nacht zum 24. Dezember räumen wir unsere Buden aus. Dann geht’s heim, wir schmücken unseren Weihnachtsbaum und schnaufen zweimal tief durch – aber am 27. Dezember beginnen wir mit dem Abbau unserer Verkaufsstände.“

2024 geht’s weiter: Fasching und Frühlingsfest

Und danach? „Danach beginnen die Planungen für das Faschingswochenende und fürs Frühlingsfest.“ Schließlich fungiert Ralf Pazdera da als Vorsitzender im Süddeutschen Schaustellerverband (Sektion Coburg) als Veranstalter. Ebenso wirft er bereits einen Blick auf den nächsten Weihnachtsmarkt: „Meine Frau Anneliese und ich haben immer gesagt: Wir machen das so lange, wie es uns Spaß macht – und: es macht uns noch Spaß!“ Deshalb sind sie 2024 wieder dabei – „so Gott will.“

Kerzen in allen Farben

Als Ralf Pazdera zum ersten Mal als Verkäufer auf dem Coburger Weihnachtsmarkt war, da waren Charlotte Müller und Luisa Feller noch gar nicht geboren. Möglich sogar, dass noch nicht einmal deren Eltern auf der Welt waren…

Charlotte Müller und Luisa Feller gehören zu einem achtköpfigen Team aus Studentinnen und Studenten, die sich am Stand der „Kerzenwerkstatt“ die einzelnen Schichtdienste im Verkauf teilen. „Mir gefällt dieser Job“, sagt Luisa Feller, „er ist nicht so stressig.“ Auf Nachfrage muss die Studentin schmunzeln: „Ich habe zurzeit noch einen anderen Job: bei der Post. Der ist stressiger!“

Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Charlotte Müller verkauft  allerlei Kerzen.
Coburger Weihnachtsmarkt 2023: Charlotte Müller verkauft allerlei Kerzen. // Oliver Schmidt

Charlotte Müller, die an der Hochschule Coburg Innenarchitektur studiert, zeigt das breite Sortiment: von der Duftkerze übers Windlicht bis zur Gewürzkerze ist praktisch alles dabei. Und das auch noch in allen Farben und mit allen Motiven – auf einem besonders schönen Windlicht sind zum Beispiel zwei Giraffen zu sehen.

Die Botschaft der Giraffen: „Frohes Fest!“

Aus esoterischer Sicht zählen Giraffen zu „Krafttieren“. Diesen wird nachgesagt, dass sie dazu ermutigen können, Empathie und Mitgefühl in zwischenmenschlichen Beziehungen zu kultivieren sowie Konflikte auf eine friedliche Weise zu lösen. In diesem Sinne: Frohes Fest!

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