Als krönenden Abschluss von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ wird am Ostersonntag die„Götterdämmerung“ auf die Bühne gebracht.
Ein kraftvolles, allumfassendes Werk, bezeichnet als eine der größten Dichtungen rund um Liebe, Schuld, Sühne, Größenwahn, Mord und Verrat im ewigen Kreislauf von Aufstreben und Untergehen. Das Landestheater Coburg vollendet nach „Rheingold“, „Walküre“ und „Siegfried“ mit einer spektakulären Aufführung diese monumentale Tetralogie von Wagner, und das erstmals im Globe.
Blick hinter die Aufführung
Im Rahmen einer Soiree gaben die Akteure vor und hinter den Kulissen am Mittwochabend den Blick frei auf ihre Inszenierung. Sie nahmen ein aufmerksames, interessiertes Publikum mit auf die fantastische Reise in die Weltengeschichte nebst Untergang, wieder zurück in Gegenwart mit schemenhaftem Blick in die Zukunft.
„Ein tiefsinniges Märchen“ hat Thomas Mann einmal gesagt über die Geschichte rund um Wotans Enkel Siegfried, der in die machtgierigen Gespinste von Lügen und Verrat gerät und am Ende von seinem Halbbruder Hagen ermordet wird. Sie ist eine komplizierte Geschichte, reicht aus der Götterwelt in die der Menschen, stellt gnadenlos Liebe, Harmonie und die Hoffnung auf Erlösung dem Treiben um Macht und Größenwahn gegenüber. Und lässt alles dem Weltenbrand entgegensteuern und im Feuer, in das Brünnhilde mit ihrem Pferd reitet, untergehen.
Parallelen zu Krieg und Klimakrise
So viele Fragen drängen sich in dieser Düsternis auf: Wohin treibt die Menschheit, muss die Welt immer wieder untergehen, um neu zu erstehen, um frei zu werden von Schuld, Übel und dem Bösen, um dann in Reinheit in einen neuen Zyklus zu gehen? Hier finden sich die Parallelen aus Geschichte und Gegenwart, wo Krisen, Kriege und Klimakatastrophe auf den Weltenbrand hinsteuern.
Wer sind die, die daraus erretten und erlösen? Und erwartet die Menschheit danach eine bessere Welt, frei von der korrumpierenden Macht des Goldes, frei von Intrigen? Ist der Ring, der am Ende den Rheintöchtern wieder übergeben wird, der symbolische Schlüssel für Hoffnung und Rückkehr zur Harmonie?Oder ist die Weltgeschichte der Natur gleich: Zeugung, Leben und Tod und ein neuer Kreislauf beginnt, ein neuer Ring des Lebens. Wer geboren ist, ist des Sterbens sicher.
Mehr als 1000 Seiten Partitur
Als Bühnen- und Kostümbildner hat Alexander Müller-Ellmau die Tetralogie von Anfang an unter seiner Ägide. Alle Folgen, sagt er, laufen auf die Götterdämmerung zu. Hier laufen alle Fäden zusammen, und am Ende bleiben viele lose und offen, bleiben genauso viele Fragen wie Antworten. „Das ist keine Hollywood-Serie“, sagt Müller-Ellmau, „wo alles gut ausgeht. Sie steht dem Leben damit viel näher als eine glatte Geschichte.“
Unglaublich ist die Musik, düster und auch wieder nicht, eine Perle der Harmonik und der Melodik. Generalmusikdirektor Daniel Carter hat die musikalische Leitung inne, aus dessen Worte förmlich Musik erklingt. Mit 18, erzählt Carter, habe er die Götterdämmerung zum ersten Mal gehört und fast Angst gekriegt, weil die Musik ihn so fasziniert hatte. Mehr als 1000 Seiten lang ist die Partitur, eine Herausforderung und ein Kraftakt fürs Orchester. Und: „Ich bin ein sehr stolzer GMD und glücklich über die neue Harfenloge, ein Wunder, das die Technik zuwege gebracht hat.“
Einführung auf YouTube
Alexander Müller-Ellmau rät den Theaterbesuchern, dass es schon hilfreich sei, wenn man die Vorgeschichte des Rings der Nibelungen mit Rheingold, Walküre und Siegfried kenn. Aber in Gänze durchdringen könne dieses Mega-Opus ohnehin keiner, also könne man auch kommen und sich einfach von der Geschichte und den Figuren mitnehmen lassen. Übrigens gibt es bei YouTube auch eine fantastische Einführung in die Götterdämmerung von Cornelius Meister von der Staatsoper Stuttgart.













