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Szene
Kult-Kneipe in Coburg schließt
Den „Hungry Highlander“ in der Steingasse in Coburg gibt es seit 1997.
Den „Hungry Highlander“ in der Steingasse in Coburg gibt es seit 1997. // Oliver Schmidt
Coburg – Seit fast zwei Jahren gibt es einen komplizierten Rechtsstreit um den Hungry Highlander in der Steingasse. Dass der Wirt John Holmes jetzt aufgibt, hat allerdings wohl andere Gründe.

Die Gerüchteküche um den „Hungry Highlander“ brodelt seit Tagen – und Wirt John Holmes hat sie zuletzt auch noch selber befeuert. Auf Instagram postete er  den vielsagenden Satz: „Every story has an end“. Und als er auf Facebook den Bockbieranstich fürs kommende Wochenende ankündigte, schrieb er dazu: „Das letzte Mal.“ Wie bitte? Ja, es stimmt. Der Bockbieranstich am Freitag, 11., und Samstag, 12. November, wird die letzte Großveranstaltung in der Kult-Kneipe sein. Denn bereits einen Monat später, am Samstag, 17. Dezember, wird John Holmes die Türen in der Steingasse ein allerletztes Mal öffnen. 

„Good-bye-Party" am 17. Dezember

Diesen Termin für die „Good-bye-Highlander“-Party hat John am  Mittwoch selber auf Facebook verkündet. Wörtlich schreibt er dort: „Heute habe ich die schwere Aufgabe, Euch mitteilen zu müssen, dass ich zum 18. Dezember den Highlander schließen muss. Diese Entscheidung ist mir schwer gefallen, aber sie ist unumgänglich. Die Ereignisse der letzten Jahre und die aktuelle Krise haben dazu geführt, dass es nun nicht mehr weitergeht.“

Corona-Pandemie und Energiekrise

Mit „Ereignissen der letzten Jahre“ meint John Holmes wohl vor allem die Corona-Pandemie. Die damit verbundenen Lockdowns haben bekanntlich  viele Händler und  auch Gastronomen in Existenznöte gebracht. Hinzu kommen steigende Energiepreise in der „aktuellen Krise“, die für  viele Geschäftsleute oft nur dann zu stemmen sind, wenn ihnen der Vermieter entgegenkommt, sprich die Miete senkt. Doch das Verhältnis zwischen John Holmes und dem Eigentümer der Immobilie Steingasse 11 gilt ja ohnehin schon als schwer belastet. Aber der Reihe nach:

Ganz klein angefangen

Der aus Schottland stammende John Holmes hatte den „Hungry Highlander“ 1997 eröffnet. Was heute kaum noch vorstellbar ist: Die Kneipe bestand anfangs nur aus dem kleinen Raum, in dem sich auch die Theke und im Anschluss die offene Küche befinden. Erst sechs Monate später kam der deutlich größere Nebenraum sowie  2006 auch noch der Biergarten im Hinterhof dazu.  

Mehr als nur eine Studentenkneipe

2007 wurde der Mietvertrag zwischen John Holmes und dem damaligen Hauseigentümer um 20 Jahre verlängert bis 2027. Die lange Laufzeit hatte den Hintergrund, dass Holmes in den Jahren 2006/2007 zahlreiche Investitionen getätigt hatte, die er auf diese Weise absichern wollte. Kult-Status hatte „der Highlander“ zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon erreicht in der Coburger Kneipenszene. So war es schnell zu einer Besonderheit geworden, dass sich in diesem Lokal augenscheinlich Menschen aller Generationen wohlfühlen können. Der Hungry Highlander gilt zwar  auch als Studentenkneipe, und trotzdem (oder gerade deshalb) finden auch viele Gäste, die schon älter als 50 Jahre sind, oft den Weg dorthin.  

Markante lange Tafel

Geradezu sinnbildlich für die bunte Mischung des Publikums steht die lange Tafel im Nebenraum. Dort kommen Menschen, die sich zunächst oft gar nicht kennen, unweigerlich miteinander ins Gespräch – ungezwungen, unkompliziert. Außerdem gelang es John Holmes, im Highlander viele Veranstaltungen zu etablieren, vom Bockbieranstich über Konzerte bis zum Pub-Quiz.

Also alles eitel Sonnenschein? Von wegen. Ein bis heute ungelöster Rechtsstreit hatte seinen Ursprung im Februar 2020. Das Haus  in der Steingasse bekam einen neuen Eigentümer – und zwar einen damaligen Freund von John Holmes. Doch diese Freundschaft zerbrach im Laufe des Jahres aus Gründen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. 

Streit landete vor Gericht

Anfang 2021 bekam John Holmes vom neuen Hauseigentümer die Kündigung zum 30. Juni 2021 mitgeteilt.   Weil Holmes auf diese Kündigung nicht reagierte, kam es zur Räumungsklage, die im Januar 2022 auch erstmals vor Gericht verhandelt wurde. Die Position von John Holmes war:  Der 2007 verlängerte Mietvertrag läuft bis 2027; daran habe auch der Eigentümerwechsel nichts geändert. Die Gegenseite, also die des neuen Eigentümers, argumentierte: Der 2007 geschlossene Vertrag enthalte Formfehler und habe deshalb  ohne Angabe von Gründen gekündigt werden können.

Verhandlung endete ergebnislos

Die Gerichtsverhandlung im Januar 2022 endete ergebnislos. Stattdessen kündigten alle Beteiligten an, die diversen Schriftsätze genauer noch einmal genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Der Richter zum Beispiel interessierte sich vor allem für den Kaufvertrag von 2020. Ein erneuter Verhandlungstermin wurde bis jetzt aber nie angesetzt – und mit der  jetzt von John Holmes mitgeteilten Schließung ergibt sich sowieso eine völlig neue Situation.  

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