Oooch, ist das alles schön grün, das Irrenhaus mit den gepolsterten Türen und die Kostüme. Beides wurde eher dezent futuristisch von Juliane Längin für Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ in der Version des Landestheaters Coburg geschaffen. Grün als Farbe der Hoffnung? Das können wir streichen. Wobei Dürrenmatt (1921 bis 1990) mit seiner beliebten Tragikomödie um den Physiker mit der zum Untergang führenden Weltformel, der seine Identität und sein Wissen im Irrenhaus vor der Welt zu verstecken versucht, sehr wohl aufrütteln wollte. Das setzt wenigstens ein Fünkchen Hoffnung voraus.
Staksiger Auftritt eines Roboters
Marten Straßenberg holte das 1962 in Zürich erstaufgeführte Stück in unsere heutige Zukunftsperspektive. Er rief zu dem bei Dürrenmatt noch furchtbar frischen Schrecken des bereits probeweise mit ein paar Milliönchen Toten hier und da explodierten Atomzeitalters die nun womöglich allmächtig werdende Künstliche Intelligenz (KI) hinzu. Um es gleich zu sagen: Das bringt nichts weiter außer dem staksigen Auftritt einer blitzenden Roboterfigur. Die Mahnung an die Verantwortung der Wissenschaft und der Menschen für das Überleben der Erde in einer für uns erträglichen Version geht bei Straßenberg flöten − oder geigen und schönen Songs mit tollem Elektrogitarrensound nachsinnieren. Schließlich haben wir ein musikalisches Ensemble, allen voran Nils Liebscher als trotteliger Inspektor Voß − mit zwecks der Situation schön angekratzter Stimme − und Nils Swenja Thomas als hinreißende Schwester Monika, die aber leider auch draufgeht.
Satire auf die Flucht in Religiosität?
Oder auch Eva Gerngroß, die sich als zur Missionarin gewandelte Frau Rose zusammen mit Nils Liebscher zu einem gewaltigen rosafarbenen Glaubensbekenntnis aufschwingt. Diese Verarschung christlichen Heilsglaubens im Schlagerduett und in amerikanischem Predigerstil ist zunächst nicht recht verständlich. Sie kommt so unvermittelt, ist wohl als Satire auf die Flucht in modisch oberflächliche Religiosität zu deuten. Sie verleiht aber immerhin der anschließenden Schreckensvision des für die Welt womöglich tödlich erkenntnisreichen Physikers Möbius erstmals inhaltliche Wucht.
Geblödel und Geplänkel
Bis dahin kommt es als ein bisschen länglich blödelndes, aber einigermaßen lustig anzusehenden Geplänkel daher. Hans Ehlers als in allen Späßchen anrührend zerbrechliche Figur des sich seiner Verantwortung bewussten und deshalb entsagenden Wissenschaftlers steht im Kontrast zu seinen „Kollegen“: Newton (Niklaus Scheibli) und Einstein (Tobias Bode), die eigentlich gefährliche Agenten gegensätzlicher Mächte sind, hier aber als reine Witzfiguren gezeichnet werden. Dass nach der Pause die Auflösung des Versteckspiels im Irrenhaus ganz plötzlich in simpler deklamatorischer Darlegung der drei Nichtirren kommt, ist eher Dürrenmatt anzulasten − von Marten Straßenberg aber auch nicht geschickter auf die Bühne gebracht.
Wer sind die wahren Verrückten?
Dann wäre da noch die Frau Doktor Mathilde von Zahnd, die Leiterin der Anstalt. Sie steht im Zentrum der Frage, wer hier eigentlich die wahren Verrückten sind. Als solche hat Kerstin Hänel ihre Auftritte. Sie wird aber nicht recht in dieses Zentrum gelassen, am Ende gar des Abgründigen und Dämonischen ihrer machtbesessenen Figur − wie sie ja immer wieder die Weltgeschichte bestimmt haben − beraubt.
Freundlicher Beifall
Also: Hübsch anzusehen, aber der Tragikomödie ist die Tragik abhanden gekommen. Ein Feuerwerk an Gags bringen diese „Physiker“ im neuen Globe allerdings auch nicht. Sorry Leute, könnt ihr machen, aber… Das Premierenpublikum im vollen Globe spendete am Samstag freundlichen Beifall.









