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Ausstellung im Kunstverein
Das Dunkle in uns selbst
Installation von Peter Riss: ein Skelett im Skelett, das versucht, ein fliehendes Wiesel zu fressen.
Installation von Peter Riss: ein Skelett im Skelett, das versucht, ein fliehendes Wiesel zu fressen. // Carolin Herrmann
Coburg – Der Coburger Kunstverein präsentiert den Münchner Künstler Peter Riss mit sehr unterschiedlichen Werken. Was bedeutet es also, wenn ein Skelett ein Wiesel fressen will?

Ohne Erklärung herrscht da oftmals Hilflosigkeit. Eine Pressluftflasche auf hochglänzendem Podest, genannt „Chantal“. Ein kleines Blechkarussell unter Glasglocke mit schwarzem Vogel. Ein Wachskopf, Abbild des Künstlers selbst, auf einer Elektrokochplatte. Eine weitere daneben vollkommen versaut vom zerschmolzenen und verbrannten Wachs. Ok. Wenn Peter Riss den Titel dazu nennt – dann geht das mit der Interpretation: „Sich auflösen wäre auch eine Lösung“.

Alles ist symbolisch gemeint

Und der Münchner Künstler will Interpretation, sehr wohl aber ganz konkrete Interpretation. So gegensätzlich und vielfältig die Installationen, Bilder, Skulpturen sind, mit welchen der Coburger Kunstverein in seiner neuen Ausstellung aufwartet, symbolisch ist alles gemeint, und zwar in intensiver Auseinandersetzung mit der Befindlichkeit unserer Gesellschaft und unserer Zeit, zusammengefasst unter dem Titel „we dragon“, womit das Dunkle in uns selbst und der Gesellschaft angesprochen sein soll.

Weil hinter allem so viel Konzept steckt, will Peter Riss zur Eröffnung der Ausstellung an diesem Samstag selbst eine ausführliche Einführung geben und die Geschichten zu den Installation darlegen.

Anspielung auf Twitter

Die Pressluftflasche enthält die Raumluft, nachdem ein Freier die Münchner Prostituierte Chantal verlassen hat, 1000 Liter unter 200 bar Druck komprimiert. Das kleine, einstmals zigfach produzierte und sehr beliebte Blechkarussell ist das Modell einer großen Installation. Der Globus im Zentrum hielt hartnäckig an den Grenzen von Anfang des 20. Jahrhunderts fest. Der schwarze Vogel ist eine Anspielung auf Twitter. Für den international gehandelten Künstler steht dieses Konstrukt für den neuen digitalen Kolonialismus. In dem ist der digitale Mensch, das einzelne Individuum, der Sklave der großen Konzerne.

Komplexe Zusammenhänge

Was erlebe ich, wenn ich diese Erklärungen nicht kenne? Immerhin hängt da im Parterre ein Skelett im Skelett, das versucht, ein fliehendes Wiesel zu fressen. Die wahnwitzige Gier nach Leben; immer älter werden, koste es was es wolle… Im Schönheitswahn daneben schiebt sich ein ekliger Schädel mit goldenem Krönchen aus dem Schlamm.

Der große blaue Engel hat die Flügel nur unter dem Zwang von langen Stäben ausgebreitet. Die ausgestopften Vögel, die Natur an sich, sind gänzlich verschlungen von Polyesterharz und tun so, als seien sie Delfter Porzellan. Der im Titel der Ausstellung zitierte Drache kommt auch als verrücktes Konstrukt aus Geschirr daher, ebenfalls überzogen mit weißblauem Polyesterharz. Immer wieder lackglänzende Pfeiler, perfekte Oberfläche, auf denen ein formloser Klumpen von Irgendwas liegt. Wohin soll ich mich wenden zwischen dem sehr eindrücklich Sinnfälligen und den Gedankengebäuden hinter den nicht an sich durchschaubaren Konstrukten von Peter Riss? – Eine Herausforderung.

Künstler und Ausstellung

Peter Riss wurde 1962 in Kaufbeuren geboren. Er studierte Medizin, Kunstgeschichte und Kunst in Erlangen, Tübingen,

Peter Riss
Peter Riss // Carolin Herrmann

München, Wien, London und Düsseldorf. Seine Werke setzen sich mit der dunklen Seite des Menschen auseinander. In seinen Skulpturen, Assemblagen und Installationen tritt der Zwiespalt oftmals durch den Kontrast aus glatten, anonymisierten Oberflächen und organischen, groben Formen hervor. Zahlreiche Ausstellung in verschiedenen Ländern, sowie namhafte Ausstellungsbeteiligungen, unter anderem 2017 im Palazzo Mora bei der Biennale in Venedig.

Kunstverein Coburg: Peter Riss – „we dragon“. Eröffnung am heutigen Samstag um 16 Uhr im Pavillon am Hofgarten. Einführung durch Kurator Hannes Zips. Der Künstler erläutert die Hintergründe seiner Werke. Es spielt ein Celloensemble der Musikschule Coburg. – Bis 20. Oktober: Mittwoch bis Freitag 15 bis18 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr.

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